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Pritzwalk Gefinex erhält Gütesiegel für hohe Sicherheit
Lokales Prignitz Pritzwalk Gefinex erhält Gütesiegel für hohe Sicherheit
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00:21 02.07.2018
Gefinex produziert in Steffenshagen Schalldämmungen oder Feuchtigkeitssperren aus aufgeschäumtem Polyethylen. Quelle: Beate Vogel
Steffenshagen

Selbst Michael Schwabe von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) zog gestern den Hut: Als Begutachter überreichte er Klaus Osterholt, Werkleiter im Steffenshagener Unternehmen, zum fünften Mal das Gütesiegel „Sicher mit System“. Es ist Beleg dafür, dass alle Mitarbeiter im Betrieb einen systematischen und wirksamen Arbeitsschutz umsetzen. „Das ist kein Allerweltszertifikat“, betont Schwabe. Es gilt jetzt bis April 2021.

Gefinex arbeitet seit 2006 nach den Vorgaben des Gütesiegels. „Betriebe, die das Gütesiegel haben, sind an zwei Händen abzuzählen“, erklärt der Begutachter, der mit seinen Kollegen in der Berufsgenossenschaft rund 1200 Firmen in Berlin und Brandenburg betreut. „Ein Unternehmen, das diesen Weg in der Konituität beschreitet, ist mir so nicht bekannt.“ Die Mitarbeiter bei Gefinex sind seit sechs Jahren unfallfrei.

Überzeugungsarbeit ist angesagt

Alle drei Jahre wird das Zertifikat erneuert. Für die Berufsgenossenschaft ist Jörg Weidauer bei Gefinex die Aufsichtsperson. Er überwacht, wie in allen Bereichen der Firma der Unfall- und Arbeitsschutz umgesetzt wird. Jeder Mitarbeiter ist dabei gefragt, betont Werkleiter Osterholt. Nicht alle sehen die eine oder andere Arbeitsschutzmaßnahme gleich ein, erzählt er. „Da ist auch Überzeugungsarbeit angesagt.“

Gefinex gehört jetzt zu Steinbacher

Die Firma Gefinex gehört seit einem Jahr zur österreichischen Unternehmensgruppe Steinbacher. Zuvor war der irische Dämmstoffhersteller Kingspan 16 Jahre lang Eigentümer.

Gegründet wurde das Unternehmen 1984. Erst nach der Wende zog die Firma nach Steffenshagen auf das Gelände eines ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes. Derzeit werden die Fassaden der Produktionsgebäude saniert.

In Steffenshagen stellt die Firma unter anderem Trittschalldämmungen, Feuchtigkeitssperren oder Verbundabdichtungen für Außenfassaden aus geschäumtem Polyethylen her. Auch Verbundlaminat oder Dehnfugenabdichtungen gehören zur Produktpalette.

Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 100. Für saisonale Schwankungen stellt Gefinex gelegentlich Zeitarbeiter ein.

Gefinex stellt aus aufgeschäumtem Polyethylen unterschiedlich breite Bahnen etwa für Schalldämmungen, Feuchtigkeitssperren oder Betonabdeckbahnen her. In den 1990er Jahren waren laut Osterholt Schnittverletzungen die häufigsten Unfälle, wenn die Mitarbeiter etwa mit dem Teppichmesser Bahnen trennten. Aber auch Verbrennungen am Kunststoff, der mit 80, 90 Grad Celsius aus den Maschinen kommt, gab es. Hinzu kamen Quetschungen durch die Walzen oder Stolperunfälle.

Weiße Linien und Warnwesten

Mario Paap ist Schichtleiter in der Produktion. Die Schnittmesser haben inzwischen eine Sicherheitsvorrichtung. Paap ist derjenige, der immer wieder Kollegen erinnert und mahnt: „Manche haben eine Weiß-Schwäche“, sagt er und schmunzelt. Der Betrieb hat auf dem gesamten Gelände Fußwege und Verkehrswege mit weißen Linien voneinander getrennt. Einige nehmen gern eine Abkürzung und laufen quer über die Linien. Auslöser für die Linien sei ein Vorfall gewesen, bei dem beinahe ein Mitarbeiter durch ein Fahrzeug schwer verletzt wurde, erzählt Osterholt.

Seitdem muss außerdem jeder, der über das Firmengelände oder durch die Produktionshallen läuft, eine Warnweste in Leuchtfarbe tragen. „Der Einstieg war schwierig“, sagt Schichtleiter Paap. Aber jetzt klappt es gut.

Permanente Überwachung

Eine Hilfe ist auch der „Glück-gehabt-Zettel“, erklärt Produktionsleiter Mirko Meyer. Wenn die Kollegen eine Situation erleben, die ein Beinahe-Unfall ist, sind sie aufgefordert, das aufzuschreiben. So lasse sich die Situation analysieren und beim nächsten Mal vermeiden. Die Idee dazu hatte ein holländisches Unternehmen. In Steffenshagen nimmt Björn Rohde die Beobachtungen auf. Er ist bei Gefinex unter anderem für die Ermittlung und Einführung qualitätsrelevanter Verbesserungen bei Produkten und Prozessen verantwortlich.

Für ein Unternehmen ist die permanente Überwachung der Sicherheitsvorschriften nach dem Gütesiegel der Berufsgenossenschaft nicht leicht, ist Begutachter Schwabe überzeugt: „Das ist ein ganz hohes Grundniveau.“ Denn nicht der Begutachtungstermin allein, sondern auch die permanente Dokumentation müssen bewältigt werden. Gerade in der Kunststoffproduktion, in der viel Handarbeit vorherrsche, sei das bemerkenswert.

Eher geringes Interesse bei Firmen

Schwabe sieht in Gefinex ein „Paradebeispiel für das „Vision Zero“, die Vision von einer Welt ohne Arbeitsunfälle, die 2008 von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) als grundlegendes Ziel verankert wurde.

Werkleiter Osterholt zeigt sich überrascht über das eher geringe Interesse der Firmen an solchen Auszeichnungen. „Der Zusammenhang zwischen Arbeitsschutz und Wirtschaftlichkeit wird wohl verkannt“, meint er. Dabei gehörten etliche Maßnahmen im Unfallschutz auch zur Qualitätssicherung. Die Auszeichnung will er eigenhändig im Eingangsbereich anbringen.

Von Beate Vogel

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