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Pritzwalker Familienbetrieb feiert 50.

Dachdeckermeister mit Leib und Seele Pritzwalker Familienbetrieb feiert 50.

Sein Meisterjubiläum feiert Dachdeckermeister Dieter Sperling aus Pritzwalk. Der Familienbetrieb der Sperlings ist schon seit 50 Jahren an der Dömnitz ansässig. Dieter Sperling hatte ihn von seinem Vater übernommen und bereits an seinen Sohn weitergegeben. In der Firma hilft der 74-Jährige noch mit.

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Dachziegeln sind sein Leben: Dieter Sperling auf dem Hof des Familienbetriebs.

Quelle: FotoS (3): Bernd Atzenroth

Pritzwalk. „Mein Vater ist mit 75 noch auf die Dächer gestiegen“, erzählt Dieter Sperling. Der Dachdeckermeister erinnert sich voller Hochachtung an seinen Vater Helmut, war zu jenem Zeitpunkt allerdings der Meinung, dass er sich vielleicht doch zur Ruhe setzen sollte. Dieter Sperling ist heute selbst 74 und auch immer noch in dem Familienbetrieb im Einsatz, wenngleich er schon vor einem Jahrzehnt die Leitung an seinen Sohn Dietmar weitergegeben hat. Auf die Dächer steigt Dieter Sperling zwar nur im Ausnahmefall. Aber er macht es wie früher sein Vater auch und arbeitet dort mit, wo er gebraucht wird. Und Arbeit gibt es genug in dem Familienbetrieb. Am 12. August steht sein 50-jähriges Meisterjubiläum an – ein guter Grund zum Feiern, was Sperling mit einem Hoffest tun werden.

Der Gesellenbrief von Dieter Sperlings Vater Hermann

Der Gesellenbrief von Dieter Sperlings Vater Hermann.

Quelle: Bernd Atzenroth

Bodenständig und ihrer Heimatstadt verbunden – so lässt sich die alteingesessene Dachdeckerfamilie Sperling aus Pritzwalk wohl am besten charakterisieren. Bereits in der fünften Generation decken Sperlings die Dächer von Pritz-walk. Und auch unter Dieter Sperlings Enkeln soll es bereits den ein oder anderen Aspiranten für eine Firmennachfolge geben. „Die Zukunft ist gesichert“, kommentieren dies Dieter Sperling und seine Frau Gudrun mit einem Schmunzeln. Motivationshilfe für den Nachwuchs können sicher auch die vielen Meisterbriefe aus der Familie sein, die in der Wohnstube der Sperling gesammelt als Bilder gerahmt sind.

1965 hatte er den Meisterbrief endlich in der Tasche. Gerne hätte er ihn früher gehabt, doch nach einem halben Jahr in der Ausbildung wurde er zum Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee einberufen. Ein Antrag auf Rückstellung scheiterte trotz Zustimmung der damaligen Behörden in Stadt und Kreis am Verantwortlichen im Kreiswehrkommando – nicht der einzige Punkt, weshalb der 74-Jährige der DDR-Zeit nicht nachtrauert. Denn für einen kleinen Handwerksbetrieb waren es schwierige Zeiten, zumal der Beruf damals mit noch weit mehr Handarbeit verbunden war. Wenn es mal Material gab, musste es am Bahnhof ausgeladen werden und reichte nur für ein Vierteljahr. Schwierigkeiten bereitete den Behörden 1965 auch sein Ansinnen, Mit-Inhaber in der Firma seines Vaters zu werden. Letztlich setzten sich die Sperlings aber durch.

Ein Gemälde des Pritzwalker Künstlers Konrad Schumacher zeigt Hermann Sperling bei der Arbeit

Ein Gemälde des Pritzwalker Künstlers Konrad Schumacher zeigt Hermann Sperling bei der Arbeit.

Quelle: Bernd Atzenroth

Die „goldenen Jahre“ brachen direkt nach der Wende an, als endlich genug Arbeitsmaterial da war und sich die Auftragsbücher rasch füllten. Das lag auch an der großzügigen Förderpolitik in der Wendezeit. Bis zu 16 Mitarbeitern inklusive Lehrlingen waren damals in der Firma beschäftigt. Jetzt hat sich die Mitarbeiterzahl bei acht eingependelt, denn Ende der neunziger Jahre normalisierte sich das Auftragsaufkommen. Dieter Sperling bezog seine Aufträge weitgehend aus der Region selbst und dehnte seinen Wirkungskreis selten über Perleberg oder Plau hinaus aus. Auch sein Sohn folgt weitgehend dieser Devise. Die Treue zur Heimat geht einher mit einer Fürsorge für seine Mitarbeiter. Das war eine Sache, die Dieter Sperling von seinem Vater gelernt hatte. „Man muss Mensch dabei bleiben“, sagte er, man muss an die Leute denken und für sie da sein.“ Schließlich würde ohne seine Mitarbeiter der Betrieb ja nicht laufen können. Auch sein Sohn hält sich an diese Devise. Kein Wunder, dass viele Mitarbeiter dem Betrieb seit Jahren ebenfalls die Treue gehalten haben.

Der Zufall wollte es, dass das Ehepaar Sperling am Freitag 45. Hochzeitstag hatte. Dieter Sperling hatte aus diesem Anlass seiner Gudrun 45 Rosen geschenkt. „Vor 45 Jahren haben wir im Hainholz gefeiert, das war auch so ein heißer Tag wie heute“, erinnert er sich. Gudrun verließ ihren alten Job bei einer Bank in Perleberg und stieg in den Dachdeckerbetrieb ein.

Für Hobbys blieb in den fünf Jahrzehnten aber kaum Zeit. Nach dem Erwerb des Meisterbriefs hatte er mehr als genug mit seiner Firma und seiner Familie zu tun. Immerhin: Die Familie bleibt der Heimat weiter verbunden. Die beiden Söhne und die vier Enkel wohnen um die Ecke. Sein zweiter Sohn ist ins Solargeschäft eingestiegen, was auch gut mit dem Dachdeckerbetrieb korrespondierte. Natürlich kümmern sich die Großeltern auch mal um die Enkel. Aber sein alter Meisterberuf wird Dieter Sperling wohl, solange er dies kann, nicht loslassen.

Von Bernd Atzenroth

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