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Pritzwalker Wirt gegen Schuldenschnitt

Griechenland soll seine Schulden bezahlen und in der EU bleiben Pritzwalker Wirt gegen Schuldenschnitt

Im Pritzwalker Restaurant Thessaloniki sind alle übereinstimmend der Meinung, dass der Verlust der EU-Mitgliedschaft für Griechenland eine Katastrophe wäre. Der Staat soll seine Schulden bezahlen, meint Markov Thanas. Nikos Kabogirou fügt hinzu: „Falls nötig, auch über einen längeren Zeitraum.“

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Auch Restaurantmitarbeiter Nikos ist für Schuldentilgung – aber über einen längeren Zeitraum.

Quelle: Claudia Bihler

Pritzwalk. Radikaler als so mancher Deutsche geht Markov Thanas, Inhaber des Pritzwalker Restaurants Thessaloniki, mit dem Thema „Griechenlands Schuldenpolitik“ um: Für den Wirt, der das Lokal seit rund zwei Jahren führt und der seither nicht mehr in Griechenland war, ist klar: „Griechenland muss seine Schulden bezahlen.“ Zwar hat seine Frau nach wie vor Kontakte in ihr Heimatland: „Meine Familie ist aber schon seit vielen Jahren hier in Deutschland.“

Insofern sind Informationen auch spärlich, die der Familienvater aus seinem Heimatland erhält: „ Aber eigentlich heißt es immer, es ist ein wenig schwieriger geworden, aber es geht noch. Die ganze Familie hat nach wie vor Arbeit.“

Nur mit Unverständnis nimmt Thanas die Diskussionen zur Kenntnis. Nur eines ist für ihn sicher: „Griechenland gehört zu den ältesten Mitgliedern der Europäischen Union. Es wäre schlecht, wenn mein Heimatland ausscheiden würde, es muss sowohl in der EU wie auch in der Euro-Zone bleiben.“ Sein Vater, Janis Thanis, geht sogar noch ein Stück weiter: „Ein Austritt Griechenlands aus der EU würde das Land wirtschaftlich wieder auf den Stand anderer Balkanländer wie Serbien bringen.“ Und auch die Verhandlungspolitik des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble unterstützen Vater und Sohn: „Er ist ein guter Mann. Wenn alle Finanzminister in Europa so wie er handeln würden, dann würde es in der Europäischen Union erst gar kein Schuldenproblem geben. Mit der EU muss eine Lösung gefunden werden.“ Einen Schuldenschnitt für Griechenland lehnen beide allerdings kategorisch ab: Jedes Land habe Schulden, aber man müsse sich auch bemühen, sie zu kontrollieren. Dabei sei es keine Frage der politischen Partei, die in Griechenland regiere: „Jede Partei ist dann gut, wenn sie etwas für die Menschen tut.“

Und der Tourismus?„Wichtig ist, dass das Land auch künftig attraktiv für die Gäste bleibt, damit sie hinfahren. Schließlich sei Griechenland ein schönes Land mit wunderschönen Inseln. Zurück möchte die Familie dennoch nicht mehr: „Wir sind nach Deutschland gekommen, um ein besseres Leben zu haben.“ Seine Kinder könnten hier einen Schulabschluss machen und sich sicher sein, dass sie später auch eine Stelle bekommen. „In Griechenland macht man seinen Schulabschluss und ist anschließend arbeitslos.“ In Pritzwalk gefalle es seiner Familie, sagt der Vater zweier Kinder: „Das dritte Kind ist bereits unterwegs. Deswegen suchen wir auch eine größere Wohnung, vier Zimmer, 100 Quadratmeter. Wissen Sie, wo es eine gibt?“

Nicht ganz so streng ins Gericht mit seinem Heimatland geht Restaurantmitarbeiter Nikos Kabogirou. Dennoch ist er sich sicher, dass die Mitgliedschaft in der EU für den Mittelmeerstaat vor allem Vorteile bedeutet: „Griechenland hatte Sozialismus, Demokratie. Und heute eine moderne Form von Kommunismus. Andererseits haben wir sehr, sehr viele Vorteile durch die EU gehabt, allein, was die Reisefreiheit angeht, aber auch dadurch, dass Griechenland sich sehr viel Geld leihen konnte.“

Natürlich sei es problematisch, dass man es derzeit nicht zurückzahlen könne. „Und Griechenland muss die Schulden auch zurückzahlen. Aber dazu braucht das Land einen viel längeren Zeitraum, etwas anderes funktioniere das nicht.“ Eine Rückkehr zur alten Nationalwährung, der Drachme, wäre aus seiner Sicht eine Katastrophe. „Die Rückkehr zur Drachme wäre schlecht für die Menschen.“ Schon heute heiße es, dass ein Euro 1000 Drachmen wert sein werde. „Man kann sagen, dass die Wiedereinführung der Drachme in Griechenland dazu führen würde, dass die Menschen kein Geld mehr haben würden und großen Hunger.“

Von Claudia Bihler

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