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Pritzwalker gedenken der Terroropfer

Kolloquium zu 70 Jahre Kriegsende Pritzwalker gedenken der Terroropfer

Das Kolloquium der Pritzwalker Gesellschaft für Heimatgeschichte zu 70 Jahre Kriegsende am gestrigen Volkstrauertag in Pritzwalk stand im Zeichen der Terroranschläge von Paris. Die Vorträge und Zeitzeugenberichte machten den Zuhörern erneut klar: Die Schrecken von Terror und Gewalt dürfen nie vergessen werden.

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Schülerinnen der AG „Darstellendes Spiel“ lasen in der Friedhofskapelle einen beeindruckenden Zeitzeugenbericht.

Quelle: Beate Vogel

Pritzwalk. Tief erschüttert und fassungslos zeigte sich am Sonntag Pritz­walks Bürgermeister Wolfgang Brockmann über die Anschläge in Paris. Diese prägten viele Redebeiträge beim Kolloquium zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Pritzwalk und Umgebung, zu dem die Gesellschaft für Heimatgeschichte und das Stadt- und Brauereimuseum eingeladen hatten. „Die Anschläge zeigen eine neue Dimension des Terrors, sind ein Angriff auf die Demokratie und die Freiheit“, so Brockmann. Sie seien für ihn aber der Grund, Gedenktage wie den Volkstrauertag immer wieder zu begehen, damit die Schrecken von Terror und Gewalt nie vergessen werden. So galt die Schweigeminute vor Beginn der Vorträge nicht nur den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft, sondern auch den Opfern der Terroranschläge von Paris.

Der Berliner Historiker Martin Albrecht berichtete über die „politisch-militärische Lage zu Beginn des Jahres 1945 im nördlichen Brandenburg“. So habe es in den Wäldern der Region riesige Munitionsbetriebe gegeben, bei Malchow, Glöwen oder Dömitz. Diese sorgten laut Albrecht für hoch qualifizierte und sichere Arbeitsplätze. Er beschrieb auch das Durcheinander, das Ende April 1945 in den Einheiten der Wehrmacht herrschte, als die Rote Armee in Richtung Westen vorrückte.

Ein sehr lokal geprägtes Bild jener Tage präsentierte Wolfgang Simon, der Vorsitzende der Gesellschaft für Heimatgeschichte: „1944 stürzten bei Falkenhagen sieben US-amerikanische Piloten ab, die später von der Prignitzer Polizei offenbar schlecht behandelt wurden“, erzählte er. Ein Wachmann aus Schmolde habe sich nach Kriegsende dafür rechtfertigen müssen. Das Frühjahr 1945 prägte aber klar die Explosion des Munitionszuges auf dem Bahnhof am 15. April (die MAZ berichtete mehrfach). „Nur der Wasserturm aus Beton ragte noch aus den Trümmern heraus“, so Simon. Noch am 20. April seien Jungen in die Hitlerjugend aufgenommen und auf die Verteidigung der Stadt eingeschworen worden. Der Ruf „die Russen kommen“ habe dann alles geändert. Am 2. Mai sei die Stadt – „zum Glück ohne Gegenwehr“ – von der Roten Armee eingenommen worden. Es gab Plünderungen, Vergewaltigungen, mitunter verübten ganze Familien Selbstmord, erinnerte der Historiker. „Aber es gab auch Zeichen der Solidarität.“ Am 6. Juni 1945 lebten in der Stadt knapp 7200 Pritz­walker mit 3400 Flüchtlingen zusammen. Elisabeth Isenberg schilderte die Zeit anhand der Schulchronik aus dem Dorf Reckenthin. „1943 spürten auch die Einwohner der Dörfer, was Krieg bedeutet“, als sie Hamburger aufnahmen, die bei Bombenangriffen verletzt oder obdachlos wurden.

Am gestrigen Nachmittag gab es auf dem Pritzwalker Friedhof eine Kranzniederlegung. Schüler der AG „Darstellendes Spiel“ am Goethe-Gymnasium verlasen zuvor in der Kapelle einen Zeitzeugenbericht von Gerhard Kühn. Er erzählt darin eindrucksvoll, wie er als Flüchtlingskind mit seiner Familie die Tage rund um das Kriegsende 1945 erlebt hat.

Von Beate Vogel

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