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Prignitz Eine Ratte auf vier Rädern
Lokales Prignitz Eine Ratte auf vier Rädern
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08:45 17.03.2018
Kay Melzer aus Pritzwalk ist stolzer Besitzer eines Gammel-Autos, das 30 Jahre älter aussieht, als es ist. Quelle: Kathrin Gottwald
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Pritzwalk

450 Arbeitsstunden. So lange hat Kay Melzer (51) gebraucht, um aus einem stinknormalen blauen Fiat Punto, Baujahr 95, eine Ratte zu machen.

Der Pritz­walker liebt Autos im sogenannten Rattle-Style, seit er sie vor zwei Jahren auf Youtube entdeckt hat. Für Ratten-Autos gilt: Je gammeliger, rostiger und oller, desto schöner sind sie in den Augen ihrer Besitzer.

Der Pritzwalker Kay Melzer träumt davon das gammeligste, rostigste Auto weit und breit zu besitzen, eine echte Ratte eben. Er arbeitet auch hart an diesem Traum. Wenn einer sein Auto schrecklich hässlich nennt, freut er sich.

„Wenn mir jemand sagt, mein Auto sieht scheiße aus, dann sage ich ,danke für das Kompliment’“, sagt Kay Melzer. Sein Auto sieht schon sehr gammelig aus.

Die Motorhaube, Kotflügel und Türen sind verrostet und fleckig. An der Stoßstange hängen alte Jute-Fetzen. Die Scheiben sind mit Stickern wild beklebt. Am Kühlergrill klemmt ein Frosch, als wäre er frisch überfahren worden.

Tüv sagte „Nein“ zum Renault

Im Wageninneren hängen ein blutiger Fuß und eine blutige Hand am Haken von den Decken herab. Und – Ehrensache – am Heck des Rattenautos klebt eine ziemlich abgewetzte, regenasse Plüschratte.

Die fuhr schon als Maskottchen im ersten Ratten-Auto von Kay Melzer mit. Ein Renault Laguna. Den hatte Melzer 2015 gekauft und schön auf rostig getrimmt. Das Auto sah alt und hässlich aus. Melzer hat es geliebt. Er fuhr den Wagen, bis der Tüv die beiden schied.

Am Anfang war sein Fiat Punto bunt, heute ist davon nichts mehr zu sehen. Quelle: Kathrin Gottwald

Im Dezember vorigen Jahres ergatterte er für 500 Euro den Fiat Punto. Als erstes machte er den blauen Wagen bunt. „Ich wollte mal sehen, was so geht“, sagt Kay Melzer. Doch der Wagen wirkte viel zu fröhlich für seinen Geschmack. Also griff Kay Melzer zur Rostfarbe.

Davon kann er heute nur abraten. „Das Zeug taugt nichts. Zweimal im Regen und die Farbe löst sich wieder.“ Schnell war für den Autoliebhaber klar: Hier hilft nur echter Rost.

Mit der Flex geht es an den Lack

Ein Samstagvormittag in einer Garagenkolonie unweit von Pritz­walk. Links und rechts pflegen Autobesitzer ihre Schmuckstücke, polieren noch die kleinsten Kratzer aus dem blitzenden Lack. Dazwischen steht Kay Melzer an seinem Fiat Punto mit der Flex in der Hand.

Zum Entsetzen seiner Garagennachbarn schleift er den blauen Lack runter. Alle drei Schichten. Dann rührt er seine Speziallösung zusammen: Wasser, Essig-Essenz und Salz. „Immer schön würzen“, sagt er und grinst. Das Gemisch lässt Autos in Windeseile rosten.

Die Heckscheibe ist voller Aufkleber, das DDR-Schild darf nicht fehlen. Quelle: Kathrin Gottwald

Der Rest ist künstlerische Freiheit. Erst mal Aufkleber in Hülle und Fülle. Dann ein Stofftier angeklemmt. Jute-Fetzen aufgeklebt. Überall Aufschriften angebracht.

Die Heckscheibe ist mit Aufklebern nahezu übersäht. Das DDR-Zeichen darf dabei nicht fehlen. „Das ist total wichtig.“

Alles muss fest am Auto sein

Von hinten kann man kaum noch ins Auto sehen. „Solange noch Platz dazwischen ist, so dass die Feuerwehr bei einem Unfall die Scheibe einschlagen kann, ist das alles kein Problem“, sagt Kay Melzer.

Der gelernte Maurer hat sein Ratten-Auto problemlos durch den Tüv bekommen. „Die gucken natürlich schon genau hin“, sagt er. „Aber solange alles fest sitzt und sich kein Fußgänger daran verletzen kann, ist alles in Ordnung.“ Selbst der Frosch, der unterm Nummernschild klemmt, darf bleiben.

Die Ratte als Stofftier am Heck. Quelle: Kathrin Gottwald

Melzers Punto hat 54 PS und fährt maximal 130 Stundenkilometer. Nicht gerade ein Kraftprotz der Straße. „Aber ich fahre auf der Autobahn sowieso nicht schneller 100 und in der Stadt nur 30. Ich will ja gesehen werden.“

Einmal, als er in Wittenberge aus einem Elektromarkt kam, hatte sich auf dem Parkplatz um sein Ratten-Auto herum eine große Menschentraube entwickelt. „Da standen 40 Leute rum und wollten alles Mögliche wissen.“ Vor allem junge Leute. So etwas gefällt ihm.

Polizei stellt Mängelliste aus

Er sei auch schon zweimal von der Polizei angehalten worden, die sein Auto nicht für verkehrssicher hielt. „Einer hat mir eine lange Mängelliste ausgestellt.“ Damit sollte Melzer zum Tüv. Doch der Experte vom Tüv hatte nichts zu beanstanden, hakte die vermeintliche Mängel-Liste nur ab. „Jeder kann ja sein Auto so gestalten,wie er möchte“, sagt Melzer.

Mit dem Gestalten ist der Autoschrauber noch lange nicht fertig. „Der ist noch viel zu schön“, tadelt der Ratten-Fan sein Auto nach viermonatiger Intensiv-Verwüstung. Das Dach ist noch original blau; es soll grau werden. Es fehlt auch ein Dachgepäckträger.

Groß gegen Klein: Das Modellauto als „Ratte“ fährt ferngesteuert. Quelle: Kathrin Gottwald

Mit dem will Melzer seine alten Flohmarktkoffer aus fester brauner Pappe durch die Gegend fahren oder auch seine „Baby-Ratten“, ferngesteuerte Autos im Ratten-Style. Denen hat er übrigens den Gammel-Look mit Rost-Tapete verpasst. Kunststoff-Autos kriegt nicht mal der Ratten-Profi zum Rosten.

Und dann muss im Inneren noch jede Menge gemacht werden. Die Rückbank kommt raus. Dort will Kay Melzer eine Holzbank einbauen. „Das sieht später aus wie eine Gartenbank.“

Auf dem Beifahrersitz will er ein lebensgroßes Skelett platzieren, das abgetragene Kleidung trägt. „Das ist dann mein Tramper, den ich überall mit hinnehme.“ Seine Freundin, verrät er, würde sich sowieso nie in das Auto setzen.

Mit der Ratte durch andere Länder

Ursprünglich hatte Kay Melzer vor, im August mit anderen Ratten-Besitzern nach Frankreich und Italien zu fahren. Auf seiner Facebook-Seite hat er nach Gleichgesinnten gesucht. „Da hat sich aber keiner gemeldet“, sagt er.

Italien ist inzwischen sowieso gestrichen. Ein Freund hat ihm erzählt, dass solche Autos dort einfach von den Behörden auf den Abschleppwagen gezogen und in die Schrottpresse gefahren werden, ungeachtet gültiger Nummernschilder und ordentlicher Tüv-Plakette.

Die Ratte ist Kay Melzers voller stolz und begleitet ihn überall hin. Quelle: Kathrin Gottwald

Also fährt Kay Melzer nur durch Frankreich. „Nach Paris wollte ich schon immer mal.“ Und er möchte zu weiteren Ratten-Treffen, die es in ganz Deutschland gibt. Da kann er sich Tipps holen und Ideen abschauen, wie er den Fiat Punto weiter kreativ verunstalten kann.

Rost und Schäden sind gewollt

Ratten sind Fahrzeuge, die ganz bewusst auf alt und gammelig getrimmt werden. Rost und Schäden sind bei den „Ratcars“ gewollt; oft werden sie erst gemacht.

Beim Ratten-Tuning ist alles erlaubt, die Deko-Elemente dürfen zweckentfremdete Gegenstände oder selbst Gebasteltes sein.

Wichtig ist nur Kreativität beim Gestalten – keine Ratte darf wie die andere aussehen.

Rattenfans unterscheiden sehr genau zwischen fahrenden Ratten – also für den Straßenverkehr zugelassenen Autos – und reinen Deko-Ratten. Die sehen oft extrem aus, dürfen aber nur auf Trailern durch die Gegend gefahren werden.

Im Gegensatz zu ihrem Aussehen sind Ratten-Autos meist unter der Motorhaube in einwandfreiem Zustand.

Den Trend zum Ratten-Look bei Auto-Bastlern sehen Polizei und Tüv teilweise mit Sorge.

Die Grundregel ist: Die Verunstaltung darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. So dürfen keine scharfen Kanten entstehen, an denen sich etwa Fußgänger verletzen können.

Verboten sind auch Eingriffe in die Karosserie oder Lenkung. Die können dazu führen, dass die Polizei das Fahrzeug zwangsweise stilllegt.

Mit seiner Ratte fährt Kay Melzer überall hin; das Auto ist sein ganzer Stolz. Bis Ende 2019 hat das Gammel-Auto Tüv. „Danach sehe ich weiter.“ Solange Melzer die Mängel selbst beheben kann und das nicht zu sehr ins Geld geht, sind er und sein Ratten-Auto unzertrennlich. Wenn nicht, findet er ein anderes Auto, das er nach allen Regeln der Kunst verunstalten kann.

Von Marcus J. Pfeiffer

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