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Pritzwalker polstert für die Asphaltcowboys

Andy Tägder stattet Lkw-Kabinen mit allem aus, was schick und schön macht Pritzwalker polstert für die Asphaltcowboys

Mit allem, was schick und schön macht, stattet Andy Tägder aus Pritzwalk die Fahrerkabinen von Lkw aus und hat sich damit einen hervorragenden Ruf in der Branche erworben. Bei einem privaten Sommerfest kamen so viele Kunden und Freunde zu Besuch, dass Tägder nach einer spontanen Sammlung nun eine kräftige Spende an die Lebenshilfe geben kann.

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Andy Tägder mit der Spendendose, die an die Lebenshilfe geht: Über 520 Euro kamen zusammen.

Quelle: Claudia Bihler

Pritzwalk. Dass der kleine Alexander (zwei Jahre) meistens mit dem Lkw zur Kita gefahren wird, das gefällt ihm nicht nur gut, sondern sorgt vermutlich vor der Kita auch regelmäßig für neidische Blicke unter seinen Altersgenossen. Dass Alexander sich so für Lkws besonders begeistert, liegt aber wohl auch daran, dass er diese Begeisterung von seinem Vater Andy Tägder in die Wiege gelegt bekam. Der war nämlich schon seit dem Jahr 2001 selbst mit einem Lkw unterwegs. Zuletzt für eine schwedische Firma im Europaverkehr, vor allem in den Benelux-Ländern, in Schweden und Deutschland. Aber auch die ganz langen Strecken ist er mit dem Sattelschlepper gefahren: Zwei Tage dauerte so manche Tour durch Europa.

Trucker sammeln beim Sommerfest

Andy Tägder hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass so viele Leute kommen würden, als er zum privaten Sommerfest in seine neue Werkhalle eingeladen hatte.

Viele Freunde und Kunden kamen aus einem riesigen Umkreis nach Pritz­walk, sodass am Abend schließlich über 50 Fahrzeuge und zwischen 200 und 250 Menschen auf dem Hof versammelt waren.

Ein Partner ist gleich mit der gesamten Lkw-Flotte von 20 Fahrzeugen angerückt.

Gefeiert wurde mit der Familie, eine Springburg war für die Kleinen aufgebaut, Gespräche gab’s für die Großen.

Eine Besucherin rief spontan eine Spendenaktion ins Leben: 520,22 Euro kamen für die Lebenshilfe-Werkstätten zusammen.

Kein Wunder also, dass es sich der Pritzwalker Trucker an Bord seines Asphaltkreuzers so bequem wie möglich machen wollte. „Ich habe also angefangen, meinen eigenen Lkw so auszustatten, dass er wohnlich wurde“, meint der Pritzwalker Familienvater. Offensichtlich sind die ersten Versuche so gut gelungen, dass sich immer mehr Freunde und Bekannte an ihn wandten, wenn sie ebenfalls ein wenig Schick ins rollende Appartement bringen wollten. „Irgendwann wurde es dann so viel, dass ich ein Nebengewerbe angemeldet habe“, sagt Tägder. Doch die Nebenberuflichkeit hielt nicht lange vor: Seit März dieses Jahres hat sich Tägder mit seiner Firma „AT Lkw-Polsterung“ als Raumausstatter und Stylist für Lkws im Hauptberuf selbstständig gemacht. Nach einem kurzen Gastspiel in einer Werkshalle am ehemaligen Trockenfutterwerk legte er sich eine Montagehalle in Pritz­walk zu. Seit Kurzem hat er Verstärkung: Michael Ernst hilft, die Auftragsflut zu bewältigen. Tägder: „Wenn wir gut sind, schaffen wir zusammen einen Lkw schon mal in zwei Tagen.“

Vor dem Einbau steht regelmäßig zunächst die Demontage. Wandverkleidungen, Sitze – kurz alles muss raus, bevor die Polstercrew an die Arbeit gehen kann. Von der Ambientbeleuchtung mit farbigen LED-Leuchten fürs Nachtquartier bis zur Verkabelung für Elektrogeräte übernehmen die Pritzwalker die Arbeiten: „Fernseher, Kühlschrank, Kaffeemaschine und Mikrowelle sind heute schon Standard an Bord“, meint Tägder. Polsterarbeiten der Sitze oder auch alle Arbeiten, bei denen genäht werden muss, gibt er gerne an Fremdfirmen. Die Fenstergardinen zugunsten eines ungestörten Nachtschlafes der Fahrer übernimmt inzwischen die Pritzwalker Firma „Wildrocks“. Die Gestaltung der Innenkabine schlagen die Fahrer vor: „Meistens nehmen sie ja beige-braun“, meint Tägder, „ich ermuntere sie dann, auch mal was Außergewöhnliches zu wagen.“ So gibt es Kabinen, die aussehen, wie das heimische Wohnzimmer oder solche, die gelb-grau gestaltet wie ein futuristisches Raumschiff wirken, vor allem, wenn über der Koje hinter den Fahrersitzen noch blaue LED-Leuchten angeschaltet werden. Tägder hat inzwischen ein riesiges Fotoalbum zusammengestellt: „40 Trucks haben wir seit der Firmengründung schon gemacht, ähnliche Firmen gibt es in Deutschland wohl nur noch eine in Süddeutschland und eine in Hamburg.“

Wie es aussehen kann, demon­striert er am eigenen Truck: Den hat er sich speziell dafür zugelegt. Als er ihn kaufte, hatte das Gefährt schon über eine Million Kilometer auf dem Tacho, war aber ansonsten gut in Schuss – und wurde mit brauner Lederverkleidung und Chromfelgen durchgestylt.

Zu seinen Kunden gehören meistens kleinere Firmen, die mit zehn, zwanzig Lkws auf der Straße sind und bei denen jeweils ein Fahrer für seinen Truck persönlich verantwortlich ist. Bei größeren Firmen fahren oft Springer mit dem Fahrzeug, wenn die Fahrer ihre Ruhepausen einlegen müssen – da wird häufig aufs Persönliche verzichtet. „Die Fahrer stehen schon mal an der Raststätte und polieren die Felgen“, sagt Tägder, „denn so ein Lkw ist schließlich auch Kult.“ Wohl auch deswegen beleuchten die Fahrer gern das V8-Symbol im Kabinenhimmel: die Zahl der Zylinder des berühmten Scania-Motors. Schließlich komplett zum nutzbaren Showtruck wird so ein Lkw, wenn die Fahrer auf eine Airbrush-Lackierung der Außenhaut Wert legen. Auch dafür können die Pritzwalker in Zusammenarbeit mit der Lackiererei Olaf Kühn in Pritzwalk sorgen. Im Mittelpunkt steht immer auch, dass ein gepflegter Lkw auch ein gutes Image hat – wichtig etwa für Lebensmitteltransporteure.

Die Pritzwalker Crew ist schon in die Schweiz gefahren, in den Schwarzwald und auch nach Südtirol, um 40-Tonnern ein neues Styling zu verpassen, mitunter gleich fünf bei einem Auftrag. Inzwischen zählt ein berühmter Trucker zu den Kunden: Andreas Schubert ist der Chef der Asphaltcowboys aus der Serie beim Action-Sender DMAX.

Von Claudia Bihler

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