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Prignitz Privathalter verstoßen häufig gegen Tierschutz
Lokales Prignitz Privathalter verstoßen häufig gegen Tierschutz
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02:15 05.03.2017
Immer wieder müssen Veterinärämter im Land verwahrloste Tiere retten. Quelle: Robert Roeske
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Perleberg/Neuruppin

Äußern Anwohner ihre Besorgnis über den verwahrlosten Zustand des Nachbarhundes kommen sie ins Spiel: die Veterinärämter in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Solchen Fällen müssen die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren immer häufiger nachgehen. „Etwa die Hälfte der Anzeigen sind ernst­zunehmen“, erklärt die Amtstierärztin für den Kreis Prignitz, Sabine Kramer. Andere Anzeigen seien auf Nachbarschaftsstreitigkeiten oder Versehen zurückzuführen.

Sabine Kramer ist Amtstierärztin im Landkreis Prignitz. Quelle: Landkreis

Ähnliches weiß Kramers Amtskollegin in Neuruppin, Simone Heiland, zu berichten. „Die Anzeigen gegen private Tierhalter haben sich deutlich gesteigert“, sagt sie. Das bedeute für sie und ihre Mitarbeiter auch viel mehr Arbeit – und das in einer Zeit, wo sie eigentlich mit Vogelgrippe genug zu tun hätten. Das haben die Prignitzer zwar noch nicht, doch auch in Perleberg blickt die Behörde besorgt auf den Trend. Von den 53 Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, die das Veterinäramt 2016 registriert hat, seien etwa Zweidrittel von privaten Tierhaltern ausgegangen. Betroffen seien zunehmend Katzen aber auch Hunde, die zum Beispiel in zu kleinen Zwingern oder auf dem Balkon der Wohnung untergebracht seien. Mit den überwachungspflichtigen Betrieben gibt es hingegen kaum Probleme, wie Sabine Kramer berichtet. Landwirtschaftliche Betriebe, Züchter, Hundeschulen oder Tierpensionen wüssten, dass sie regelmäßig Besuch vom Veterinäramt erhalten. Bei privaten Tierhaltern sei das anders, allein schon deswegen, weil sie nicht kontrollpflichtig seien. „Wir können auf Verdacht hin auch keinen Mitarbeiter 24 Stunden zur Beobachtung schicken“, sagt Sabine Kramer.

Weil sie nicht gewerblich, sondern privat Tiere halten, ist es für die Behörde zudem problematisch, privaten Grund zu betreten.„Lässt uns ein Halter nicht aufs Gehöft, können wir wenig machen“, erklärt Kramer. Bei gutem Zureden sei es aber möglich, das betroffene Tier zumindest vor dem Grundstückstor zu begutachten. Ein Betreten des Grundstücks setze eine richterliche Genehmigung voraus, wobei der Rechtsweg den Prozess unnötig verlängern könnte. „Immerhin geht es um die Gesundheit des Tieres“, mahnt die Amtstierärztin. In der Prignitz habe es in ihrer zehnjährigen Amtszeit aber noch keines richterlichen Beschlusses bedurft. Dafür aber des Polizeischutzes. „Beschimpfungen und Drohungen sind meine Mitarbeiter regelmäßig ausgesetzt“, sagt Kramer. In Ostprignitz-Ruppin kommen sogar tätliche Angriffe gegen die Behördenmitarbeiter vor, wie Simone Heiland berichtet.

Tierhaltern fehlt häufig das Geld

„Den Leuten fehlt oft die Einsicht, etwas falsch gemacht zu haben“, sagt Sabine Kramer. Andere seien einfach nur überfordert. So hätte das Amt einmal 35 Katzen aus einem Einfamilienhaus einer älteren Frau holen müssen. „Die Tiere waren stark verwahrlost“, erinnert sich Kramer. Aus falschverstandener Tierliebe wird dann schnell ein Übel für die Schützlinge. Das sei besonders bei älteren Tierhaltern zu beobachten, die eben nicht mehr in der Lage wären, eine größere Anzahl an Tieren zu versorgen. Ungeachtet dessen würden die Verstöße häufig von Menschen mit sozialen Problemen begangen. Das bestätigt auch Simone Heilmann. „Die Leute haben häufig kaum Geld für sich selbst, also auch nicht fürs Tier“, sagt sie.

Wenig Verstöße in der Landwirtschaft

289 Verstöße gegen das Tierschutzgesetz haben die Veterinärämter landesweit laut Ministerium für Verbraucherschutz 2015 in kontrollpflichtigen Betrieben registriert. Das waren fast 200 weniger als noch im Jahr davor.

53 Verstöße hat das Veterinäramt in Perleberg 2016 für den Landkreis Prignitz registriert. Zwei Drittel davon gingen von privaten Tierhaltern aus. Auch in Ostprignitz-Ruppin verzeichnet das Veterinäramt zunehmend Verstöße durch Privathalter.

Und da tut sich das nächste Problem für das Amt in Perleberg auf. Denn, wenn Haltern das Tier entzogen und in einem Tierheim untergebracht wird, fallen Kosten an, die die Halter oft nicht zahlen können. „Dann bleiben wir auf den Kosten sitzen“, erklärt Sabine Kramer. Und das würde pro Jahr einige tausend Euro ausmachen.

Die Amtstierärztin betont aber, dass die Behörde nur in Ausnahmefällen ein Interesse daran habe, den Haltern das Tier langfristig wegzunehmen. „Oft finden wir einen Weg, dass sich die Verhältnisse für das Tier bessern“, sagt Sabine Kramer. Zum Beispiel bei Menschen, die sich, weil sie selbst pflegebedürftig sind, nicht mehr ausreichend um das geliebte Tier kümmern können. In diesem Zusammenhang appelliert die Amtstierärztin auch an das Pflegepersonal, sich bei Sorgen um das Tierwohl rechtzeitig zu melden.

Von Christian Bark

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