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Prignitz Protest im Wald gegen B 189-Ausbau
Lokales Prignitz Protest im Wald gegen B 189-Ausbau
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16:00 30.03.2018
Viele Pilger auf dem Annenpfad stellten sich hinter den Protest gegen die Art des geplanten Ausbaus der B189, wie hier in Bölzke zu sehen ist. Quelle: Bernd Atzenroth
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Kemnitz/Heiligengrabe

Die Kurven auf der Straße im Wald zwischen Kemnitz (Stadt Pritzwalk) und Heiligengrabe soll es nicht mehr geben, wenn die B 189 ausgebaut wird – Tempo 60 in manchen Passagen soll dann der Vergangenheit angehören. Je konkreter die Pläne dafür werden, desto mehr manifestiert sich aber auch der Widerstand. Und so zeigten sich am Gründonnerstag beim Anpilgern auf dem Annenpfad erstmals diejenigen, die mit den Plänen im Wald nicht einverstanden sind: Nach ihrem Erfolg bei der Verhinderung eines Windeignungsgebiets in der Hohen Heide macht die Bürgerinitiative IG Hohe Heide nunmehr gleich weiter.

76 Menschen aus der Region eröffneten am Gründonnerstag die Pilgersaison. Das geschieht traditionell auf dem Annenpfad, jenem 22 Kilometer langen Rundweg, der die Kommunen Heiligengrabe und Pritzwalk sowie die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz miteinander verbindet.

Und damit nicht genug: Auch der Verein Annenpfad sammelte bereits beim Start am Kloster Stift zu Heiligengrabe Unterschriften, allerdings mit einer anderen Zielrichtung. Denn durch das Ausbauvorhaben könnte der beliebte Pilgerweg unterbrochen werden – dem Verein geht es vor allem darum, dies zu verhindern. Etwa durch den Bau einer Fußgängerbrücke. Pikant dabei: Es gibt Überlegungen, dafür die Brücke umzusetzen, die vor gut 15 Jahren bei Perleberg errichtet wurde, um das damalige Flüchtlingsheim über die zu jenem Zeitpunkt gerade neu gebaute Ortsumgehung von Perleberg anzuschließen.

Peter Braun-Himmerich und Jean Boué (r.) verteilten an der Kreuzung des Annenpfads mit der B189 Flugblätter, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Quelle: Bernd Atzenroth

Die IG Hohe Heide geht im Protestziel ein ganzes Stück weiter, auch wenn es ihren Protagonisten nach eigenem Bekunden ebenfalls nicht darum geht, das Projekt gänzlich zu verhindern. Die Gegner um Peter Braun-Himmerich stören sich aber an der vorgesehenen Ausbaustufe.

Und die hat es in der Tat in sich: Denn folgte die Straße im Wald bislang der Topographie des Gebiets, so soll sie an dieser Stelle gerade durchgezogen werden, um durchgehend Tempo 100 zu ermöglichen. Zudem ist ein dreistreifiger Ausbau geplant. Die Ausbaustufe aber hätte zur Folge, dass alle Wegebeziehungen, die bislang die Straße kreuzen, komplett gekappt würden – nicht nur der Annenpfad, sondern auch der Wilmersdorfer Damm. Braun-Himmerich hat ein Faible für alte Wegeverbindungen, deren Erhalt aus seiner Sicht auch aus touristischen Gründen wünschenswert wäre.

Gegen das Zerschneiden des Waldgebiets Hohe Heide

Doch auch wald- und landwirtschaftlicher Verkehr wäre von den gekappten Verbindungen betroffen: Entlang der neuen Fahrbahn würden beiderseits Wegeverbindungen geschaffen, so dass man mit mehreren Kilometern Umweg über Heiligengrabe auf die andere Seite käme.

Genau dort, wo der Annenpfad die B189 kreuzt, warteten Peter Braun-Himmerich und Jean Boué auf die Pilger und fanden sogleich viele Unterstützer. Auf einem großen Transparent forderten sie „Kein Zerschneiden des Waldgebiets Hohe Heide durch die neue B189“, auf einem weiteren forderten sie Respekt für historische Wegebeziehungen ein.

Mit einem fünf Meter breiten Transparent wurden die Pilger, unter ihnen Holger Kippenhahn (.), darauf aufmerksam gemacht, dass der Annenpfad an dieser Kreuzung unterbrochen werden könnte, wenn die B189 ausgebaut wird. Quelle: Bernd Atzenroth

Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn, der selbst auf dem Annenpfad mitpilgerte, hat durchaus Verständnis für die Bedenken, die von Seiten des Klosters an ihn herangetragen worden waren, machte aber auch klar, dass es nicht darum gehen könne, das ganze Vorhaben zu verhindern. „Dafür ist zu lange gekämpft worden“, sagte Kippenhahn zur MAZ, „das schien so ausgeschlossen wie die politische Wende 1989.“

Ortsumgehungen für Heiligengrabe und Kemnitz drohten sogar aus dem Bundesverkehrswegeplan herauszufallen. Dass dies verhindert werden konnte, ist möglicherweise aber auch der Grund dafür, dass nunmehr eine solche Ausbaustufe geplant ist – nach dem Motto: wenn schon, dann bitte richtig.

Kippenhahn betonte aber auch, dass es eine gemeinsame Stellungnahme des Kommunalverbunds mit Pritzwalk und Meyenburg geben werde, damit der Annenpfad nicht unterbrochen wird. Kippenhahn: „Wir sehen das als überregionales Projekt.“

„Kompromissmöglichkeiten gibt es ja auch“

Ansonsten möchte er den Ausgleich der Interessen suchen. „Kompromissmöglichkeiten gibt es ja auch“, meinte er leicht sarkastisch im Hinblick darauf, dass der Bau einer Ortsumgehung um Kemnitz auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben worden ist.

Er stellte die Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung in Frage, weil es keinen Sinn macht, die Autofahrer durch Kemnitz weiter mit Tempo 30 fahren zu lassen und im Wald dann im großen Stil großes Tempo ermöglicht wird. In dieser Hinsicht denken die Protestler gar nicht viel anders.

Geplant ist der Ausbau der Straße von Kemnitz bis Heiligengrabe. Die Klostergemeinde soll eine Ortsumgehung erhalten, während Kemnitz darauf aber noch mindestens ein Jahrzehnt warten müsste. Die Gegner kritisieren auch die Planung für die Umgehung von Heiligengrabe, was aber am Donnerstag nicht im Zentrum des Protestes stand.

Von Bernd Atzenroth

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