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Prignitz Protest gegen Verkauf der Baumschule
Lokales Prignitz Protest gegen Verkauf der Baumschule
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00:18 24.02.2017
Am Mittwoch entscheidet sich, ob das alte Baumschulgelände verkauft und in eine Obstplantage umgewandelt wird. Quelle: Bernd Atzenroth
Pritzwalk

Wenn die Pritzwalker Stadtverordneten bei ihrer Sitzung am Mittwoch in den nicht-öffentlichen Teil gehen, dann steht ihnen wahrscheinlich noch eine lange kontroverse Diskussion bevor. Denn sie haben darüber zu befinden, was mit dem Gelände der alten Baumschule im Hainholz passieren soll. Allein der Stadtentwicklungsausschuss hat gut eineinhalb Stunden nur über dieses Thema diskutiert, und auch der Hauptausschuss hatte Gesprächsbedarf.

Gegen das Vorhaben, ein Gelände von zehn Hektar Größe dem Heidelbeerplantagen-Betreiber Bernd-Uwe Arndt für die Errichtung einer weiteren Plantage zu verkaufen, regt sich aber nach wie vor Widerstand. Denn es handelt sich um immerhin fünf Prozent der gesamten Hainholz-Fläche von etwa 200 Hektar. Und auch wenn die Fläche keinen Naturschutzstatus genießt, ist sie etwas Besonderes. Denn in fast drei Jahrzehnten, in denen große Teile des Areals nicht mehr als Baumschule genutzt wurden, hat sich hier ein Biotop herausgebildet – die angepflanzten Gehölze aus aller Welt sind einfach wild weitergewachsen. „Das Gebiet hat einen hohen ökologischen Wert“, findet zum Beispiel Gartenbauingenieur Frank Römer. „Auch wenn es sich nicht nur um einheimische Gehölze handelt.“ Er fände es gut, würde die Fläche in Wald umgewidmet, „dann kommt hier keiner mehr ran“. Ihn, Kerwin Mewes und Stefan Kuhnt treibt um, dass die Stadt für einen niedrigen Preis – die Rede ist von 41 Cent pro Quadratmeter – die Fläche aus ihrer Sicht geradezu verschleudert. Und sie alle sind sauer darüber, dass offenbar versucht wurde, die ganze Angelegenheit still und heimlich umzusetzen.

Cornelia Wriedt mit eigenem Konzept

Ihre Mitstreiterin Cornelia Wriedt stellte im Stadtentwicklungsausschuss in einer Power-Point-Präsentation ihre alternativen Vorstellungen für das Gelände vor. Die Qi-Gong-Lehrerin hat einen persönlichen Bezug zu dem Areal, weil ihr Vater viele Jahre lang Chef dieser Baumschule war. „Unser Ziel ist es, den Erholungswert der grünen Lunge von Pritzwalk zu erhalten und wenn möglich noch zu steigern“, erklärt sie den Sinn des Konzeptes, das sie für die Interessengemeinschaft Hainholz vorgestellt hatte. „Wir wollen nicht, dass die vorhandene Waldfläche reduziert wird.“ Ihr Konzept basiert auf drei Säulen, einem Naherholungsbereich für alle Bürger, einem Seminarbereich, unter anderem für „Qi Gong im Wald“, und einem Wirtschaftsbereich. Am Dienstag war sie zu einem Termin in die Stadtverwaltung gebeten worden. Hier wurde ihr von Seiten der Stadt eine Ausgleichsfläche angeboten – Cornelia Wriedt lehnte aber ab. „Es geht darum, dass wir dieses Gelände erhalten wollen“, begründete sie dies. „Wir wollen nicht verhindern, dass Herr Arndt expandieren kann, sondern dass eine große Lücke in das Hainholz gerissen wird.“ Auch Arndt war eine Ersatzfläche angeboten worden, die aber ebenfalls für ihn nicht in Frage kam. Und dem NLD Streckenthin, der auf einem Teil des jetzt zum Verkauf stehenden Geländes Gemüse für die Tafel anbaut, wurde eine Ausgleichsfläche angeboten, die sich in der Nähe des alten Wasserwerks beim Zahnradwerk befindet.

Während Römer, Mewes und Kuhnt davon ausgehen, dass die Stadtverordneten die Empfehlung bekommen haben, Arndt den Zuschlag zu geben, ist es nach MAZ-Informationen aber durchaus möglich, dass Arndt mit seinem Antrag scheitert – die Fraktionen von SPD, Linken und Freien Wählern könnten gegen ihn stimmen. Tun sie dies geschlossen, dann haben sie die Mehrheit im Stadtparlament. Hauptgrund dafür, das Vorhaben abzulehnen, dürfte sein, dass viele Stadtverordnete keinen Grund für einen Verkauf sehen. „Wir haben sieben Millionen Rücklage“, begründete dies Jörg Schilling (SPD). Ähnlich sieht es Cornelia Wriedt: „Was mich am meisten stört, ist, dass man ohne Not Tafelsilber verkauft.“

Die Pritzwalker Stadtverordneten tagen am Mittwoch ab 18 Uhr im Anbau des Pritzwalker Kulturhauses.

Von Bernd Atzenroth

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