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Putlitz Wo die alten Märchen zum Leben erwachen
Lokales Prignitz Putlitz Wo die alten Märchen zum Leben erwachen
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00:22 21.12.2018
Der Putlitzer Burgturm mit anliegenden Ruinenresten der Burg und Burgkeller. Quelle: Bernd Atzenroth
Putlitz

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: der Putlitzer Burgturm.

Dieser Turm ist wie aus einem Märchen entsprungen. Beim Burgturm in Putlitz muss man fast unweigerlich an Rapunzel denken und sich vorstellen, wie sie vom Turm ihr langes Haar herablässt. Die märchenhafte Atmosphäre ist an dieser Stelle einmal im Jahr besonders spürbar, wenn am zweiten Juni-Wochenende im Schatten des Burgturms ein neues Burgfräulein gewählt wird und dieses dann sein historisches Gewand anlegt und so die alten Zeiten zum Leben erweckt. Auch für andere Veranstaltungen bietet der Turm eine wunderbare historische Kulisse, etwa für die jährlichen Aufführungen des Wandertheaters „Ton und Kirschen“.

Das Wahrzeichen von Putlitz

Man mag aber auch denken, dass man beim Betreten des Turms in ein mittelalterliches Verließ kommt, denn man würde sich wahrscheinlich allein schon dadurch darin bestätigt sehen, wenn eine Mitarbeiterin der Infothek den 30 Zentimeter langen Schlüssel benutzt, um die Tür aufzuschließen. Ganz gleich, welche Assoziationen dieses Gebäude, das auf einer künstlich geschaffenen Anhöhe am Ufer der Stepenitz steht, noch so wecken könnte – es ist unstrittig das Wahrzeichen von Putlitz und ein weithin sichtbarer Rest der alten Putlitzer Burg.

28 Meter ist er hoch, auch sein Umfang beträgt 28 Meter, und wer ihn besteigen will, muss 98 Stufen nehmen, um einmal über den Dächern der ältesten Stadt der Prignitz stehen und die Aussicht genießen zu können. Gut sieht er aus, idyllisch umgeben von einer Wallanlage an der Stepenitz, und das ist auch kein Wunder. Seine Grundsanierung ist noch gar nicht so lange her. 1997 hatte sie begonnen. Zuerst musste, wie sich Bürgermeister Bernd Dannemann erinnerte, alles abgedichtet werden, bevor das Holz im Treppenhaus erneuert wurde. Das alles zog sich über mehrere Jahre hin, bis der Turm schließlich 2004 wieder in neuem Glanz erstrahlte.

Wohnstätte der edlen Gänse zu Putlitz

Um die historischen Wurzeln der Burg zu beleuchten, muss man in der Geschichte über ein Jahrtausend zurückgehen: Schon vor dem Jahr 942 stand an dieser Stelle eine Slawenburg. 1147 wurde sie zur Schutzburg deutscher Ritter gegen die Wenden. Bis ins 17. Jahrhundert hinein galt sie als sichere Wohnstätte der edlen Gänse zu Putlitz, bevor sie durch einen Brand zerstört und als Folge verlassen wurde. Erste Sanierungsbemühungen begannen 1820. Als Aussichtspunkt wird der Turm seit 1889 genutzt. Damals wurde er renoviert und zu seiner heutigen Form umgebaut. Nach der Wende wurde er, wie bereits erwähnt, erneuert.

Fledermäuse leben im Burgkeller

Neben dem Turm befindet sich ein weiterer Überrest der Putlitzer Burg. Das Mauerstück wurde im Jahr 2016 aus Mitteln der Städtebauförderung stabilisiert. Wer den Turm besichtigen will, muss sich zuerst in der Bibliothek im Rathaus der Gänsestadt melden. Eine der Mitarbeiterinnen begleitet ihn dann zur Besichtigung. Anschauen kann man sich auch den daneben befindlichen Burgkeller, der im Moment vor allem mehrere Fledermausarten beheimatet. Empfohlen wird zusätzlich der Besuch der nahe gelegenen Nikolaikirche und der Heimatstube.

Öffnungszeiten des Turms sind immer dann, wenn die Infothek im Putlitzer Rathaus geöffnet hat: dienstags von 8 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr sowie freitags von 9 bis 15 Uhr. Wer spontan am Wochenende vorbeikommen will, hat das Nachsehen: Derlei geht nur nach Absprache unter der Rufnummer 033981/50 89 04.

Lesen Sie auch unsere anderen Geschichten zu den Adventskalender-Türchen:

1. Dezember: Der Paulinenauer Bahnhof in Neuruppin der die Eisenbahn brachte.

2. Dezember: Wie die Pritzwalker Tuchfabrik zum Symbol für die Industrialisierung wurde.

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15. Dezember: Die Sanierung der mittelalterlichen Neuruppiner Sankt-Georg-Kapelle ist fast abgeschlossen – bis auf die Orgel.

16. Höhen und Tiefen gehören für das heutige „Catharina-Dänicke-Haus“ zur Geschichte. Seit mehr als 300 Jahren steht das Fachwerkhaus in Wittstock.

17. Das Renaissanceschloss in Demerthin.

Von Bernd Atzenroth

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