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Putlitz Schloss Wolfshagen – eine Perle in Familienhand
Lokales Prignitz Putlitz Schloss Wolfshagen – eine Perle in Familienhand
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05:58 22.12.2018
Schloss in Wolfshagen ist mit seinen Veranstaltungen Anziehungspunkt für viele Besucher. Quelle: Bernd Atzenroth
Wolfshagen

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: das Schloss Wolfshagen.

Man kann sich Schloss Wolfshagen auf vielerlei Wegen nähern. Mit dem Auto über die Bundesstraße 189. Mit einem Buch in der Hand seitenweise durch Schlösser und Gärten der Mark stöbern. Oder auf kulinarischen Pfaden.

Einzigartige Porzellankreationen im Schloss Wolfshagen. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Gisa und Bernhard von Barsewisch ist es zu verdanken, dass wir einen Blick in die Kochtöpfe werfen können, die vor Jahrzehnten auf den Herdplatten der Gutsküchen standen. Die Kinder von Karl Henning von Barsewisch und Elisabeth, geborene Gans Edle Herrin zu Putlitz, haben Rezepte aufgespürt und literarisch aufgearbeitet. Garniert mit Geschichten ihrer Familie und deren Gutshäuser in der Prignitz. Eines davon ist Schloss Wolfshagen.

Die Mamsell stand am Herd

In den 20er und 30er Jahren hatte Gerda Joost das Sagen in der Wolfshagener Schlossküche. Mamsell nannte man die Frauen, die sich um das leibliche Wohl der Gutsbesitzer und ihrer Angestellten kümmerten. Ihr Rezeptbuch hat sich erhalten.

Manches daraus mag auf die heutige Generation Fast Food befremdlich wirken, war aber damals durchaus angesagt. Und hatte wohlklingende Namen: Froschgurken, Buckingham-Suppe oder Reisbirnen.

Manchmal verwandelt sich das Haus in einen Konzertsaal. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Wie damals gekocht wurde, das verrät ein Blick in den Keller des Gebäudes. Hier befindet sich die Schauküche, die heute zum Museum des Hauses gehört. Im Jahre 2002 wurde das Schloss als Museum eröffnet und erlaubt einen eindrucksvollen Blick in die Geschichte der 1787 von Albrecht Gottlob Gans Edlem Herrn zu Putlitz errichteten Zweiflügel-Anlage.

Bernhard von Barsewisch, bis heute im Förderverein des Schlosses aktiv, steuerte seine eindrucksvolle Porzellan-Sammlung zur Ausstellung bei, die im ersten Stock zu sehen ist. Geschirr aus vier Jahrhunderten, hergestellt von mehr als 50 Manufakturen, ist in den vielen Vitrinen zu bewundern.

1945 musste die Familie flüchten

Das Erdgeschoss ist eingerichtet mit vielen Erinnerungsstücken aus dem Familienbesitz derer zu Putlitz. Hier taucht man ein in eine Welt, die 1945 ein abruptes Ende fand. Als sich die Rote Armee Wolfshagen näherte, machte sie mit den Gutsbesitzern kurzen Prozess.

Hans Albrecht zu Putlitz wurde aus dem Haus vertrieben und musste über Tacken nach Rathenow flüchten. Die Nutzung des Hauses in den folgenden Jahren folgte dem Muster, das bei vielen Adelssitzen in der Mark angewendet wurde. Zunächst bot es Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf und wurde dann ab 1952 als Schule genutzt.

Ein Modell der alten Mühle kann man dort ebenfalls bewundern. Quelle: Claudia Bihler

Damit einher gingen bauliche Veränderungen, die der Inneneinrichtung nicht gut taten. Zerstört wurden so beispielsweise die einmaligen bemalten Wandbespannungen im Gartensaal. Auch die im Fachwerk gemauerte Schlosskapelle aus dem Jahre 1570 wurde 1982 abgerissen. Immerhin konnten die Gestühlswangen gerettet werden, aus denen Kirchenbänke angefertigt wurden.

Zur Sommerfrische in die Prignitz

Das Schloss steht heute für Feiern und Veranstaltungen offen, die wieder Leben ins Gebäude bringen. Unter Familie zu Putlitz war Wolfshagen mitsamt den Nachbargütern in Groß Pankow, Putlitz oder Retzin ein willkommener Treffpunkt und Ziel vieler Großstädter, die ihre Sommerfrische auf dem Land verbrachten.

Natürlich kamen auch die Gäste in den Genuss der heimischen Speisen, für die viele saisonale Produkte aus der Prignitz im Topf landeten. Von Elisabeth von Barsewisch ist ein Rezept für Sauerampfersuppe in dem Buch ihrer Kinder abgedruckt.

Ausgefallener sind dagegen gebackene Akazienblüten zum Nachtisch. Und heute wohl gänzlich unvorstellbar: Der Tipp von Gerda Joost, wie lange ein altes Huhn kochen musste – drei Stunden. Dann vielleicht doch lieber Karpfen in Bier. Guten Appetit.

Lesen Sie auch unsere anderen Geschichten zu den Adventskalender-Türchen:

1. Dezember: Der Paulinenauer Bahnhof in Neuruppin der die Eisenbahn brachte.

2. Dezember: Wie die Pritzwalker Tuchfabrik zum Symbol für die Industrialisierung wurde.

3. Dezember: Die Geschichte der Siechenhauskapelle in Neuruppin.

4. Dezember: Einst Vorwerk, heute Kulturgutshaus – die Geschichte des Gutshauses in Köpernitz.

5. Dezember: Das Gaswerk in Neustadt – eine Industriegeschichte mit ganz viel Energie.

6. Dezember: Das Telschow’sche Haus in Wittstock: Wo vor 330 Jahren die Postkutsche Halt machte.

7. Dezember: Der Tempelgarten mit Apollotempel in Neuruppin – Kronprinz Friedrichs Protestnote gegen den Soldatenkönig.

8. Das Herbstsche Haus in Wusterhausen – vom Kaufmannsladen zum Kulturzentrum

9. Dezember: Schloss Meyenburg ist noch immer in Mode

10. Dezember: Neuruppins Pfarrkirche ist Kulturort

11. Dezember: Zisterzienserinnenkloster in Lindow – Altehrwürdige Ruinen am malerischen Wutzsee

12. Dezember: Das Neustädter Landstallmeisterhaus vereint seit über 200 Jahren Architektur, Nutzwert und preußische Geschichte

13. Dezember: Das Schloss in Freyenstein hat eine bewegte Geschichte hinter sich und erstrahlt heute als ein sehenswertes Stück Vergangenheit

14. Dezember: Die Begegnungsstätte auf dem Perleberger Judenhof soll die Mitwirkung der Juden an der Gründungs- und Stadtgeschichte beleuchten.

15. Dezember: Die Sanierung der mittelalterlichen Neuruppiner Sankt-Georg-Kapelle ist fast abgeschlossen – bis auf die Orgel.

16. Höhen und Tiefen gehören für das heutige „Catharina-Dänicke-Haus“ zur Geschichte. Seit mehr als 300 Jahren steht das Fachwerkhaus in Wittstock.

17. Das Renaissanceschloss in Demerthin.

18. Wo die alten Märchen zum Leben erwachen: der Putlitzer Burgturm.

19. Nach mehr als 20 Jahren ist das Kircheninnere des Langener Gotteshauses fertig saniert. Das ganze Dorf hatte sich dafür eingesetzt.

20. Schloss Rheinsberg ist eine Touristenattraktion. Die einstige Residenz von Kronprinz Friedrich und Prinz Heinrich ist immer noch ein architektonisches Schmuckstück.

21. Das Kloster Stift zum Heiligengrabe – ein lebendiges Kloster, in dem es auch Raum für Einkehr gibt.

Von Stephanie Fedders

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