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Putlitz Widerstand gegen 217 Meter hohes Windrad
Lokales Prignitz Putlitz Widerstand gegen 217 Meter hohes Windrad
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18:39 05.11.2018
Nur an wenigen Stellen überragen die Windräder die Silhouette eines Teils von Kleeste. Quelle: Bernd Atzenroth
Kleeste

Ein solch hohes Windrad hat selbst die Prignitz noch nicht gesehen: 217,5 Meter hoch soll eine Anlage sein, die bei Kleeste (Gemeinde Berge) aufgestellt werden soll. Für die Einwohner des Dorfs kam dies offenbar überraschend – und es scheint alles entschieden, obwohl mit den Dorfbewohnern niemand gesprochen hat. So erklärt es zumindest Michael Oelkers, der einen Wohnsitz in dem 75-Einwohner-Ort hat.

Abfinden wollen sich die Kleester noch nicht damit. Oelkers hatte sich am 16. Oktober mit einem Schreiben an den Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft gewandt und sich zu der Entscheidung des Landesamtes für Umwelt geäußert, das Windrad zu genehmigen. Eine Antwort hat er bislang nicht erhalten.

Suche nach einem Ansatzpunkt

Es folgte am 22. Oktober zudem eine Einwohnerversammlung in Kleeste, an der etwa 25 Bürger teilnahmen. „Da wir im Vorfelde der Entscheidung außer über die gemeindliche Stellungnahme zu dem Vorhaben in keiner Weise an der Entscheidungsfindung des Landesamtes beteiligt wurden, haben wir die ausliegenden Genehmigungsunterlagen eingesehen. Dies geschah in der Absicht, vielleicht doch noch einen Ansatzpunkt zu finden, den Bau dieses Monsterwindrades zu verhindern“, erklärte Oelkers auch im Namen der anderen anwesenden Beobachter.

Über der Ortsmitte ist hingegen von Windkraft bislang gar nichts zu sehen - erst hinter einem angrenzenden Wald. Quelle: Bernd Atzenroth

Das Ergebnis dieser Bemühungen war ziemlich ernüchternd und veranlasste die Kleester, sich nun an den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke höchstpersönlich zu wenden. Zwar hatte die Gemeinde Berge das Einvernehmen für die Baugenehmigung versagt, doch erachtete das Landesamt für Umwelt diese Versagung für rechtswidrig und erteilte die Baugenehmigung.

Der geplante Standort des neuen Riesenwindrades hatte dem Amt offenbar keinen Raum gelassen, die Genehmigung zu versagen. Er liegt nach dem Entwurf des Regionalplans „Freiraum und Windenergie“ in nördlicher „peripherer Randlage“ des dort für Kleeste vorgesehenen Windgebietes.

Höhenbegrenzung gefordert

Nachdem sich die Kleester intensiv mit der Materie beschäftigt hatten, halten sie es für äußerst zweifelhaft, dass ein Widerspruch gegen die Baugenehmigung erfolgreich wäre. Daher appellieren sie nun an Woidke: „Wir möchten, dass der Ministerpräsident unseres Landes sich seiner Richtlinienkompetenz bedient und das Landesamt für Umwelt anweist, die erteilte Baugenehmigung zurückzuziehen, weil sie bereits erklärten Absichten der Landesregierung zuwiderläuft“, schreiben die Kleester nun und spielen auf Überlegungen für ein Moratorium bei weiteren Ausbau der Windkraft an.

Und die Kleester fordern eine Höhenbegrenzung beim Neubau von Windenergieanlagen. „Dass es nicht bei der Errichtung des einen Monsterwindrades bleiben wird, sondern dass im Wege der sogenannten Ertüchtigung weitere Riesenanlagen entstehen sollen, ist jedem hier klar“, schreiben sie.

Nur an wenigen Stellen überragen die Windräder die Silhouette eines Teils von Kleeste. Über der Ortsmitte ist hingegen von Windkraft bislang gar nichts zu sehen - erst hinter einem angrenzenden Wald. Quelle: Bernd Atzenroth

„Während jetzt noch die Windkraftanlagen von unserem Dorfplatz aus zumindest im Sommer nicht zu sehen sind, werden Anlagen von über 200 Metern Höhe das Dorf- und Landschaftsbild unseres 600 Jahre alten Rundlings erschlagen“, befürchten die Bürger. Hinzu komme der von der Errichtung der Anlagen ausgehende Enteignungseffekt: „Der Wert unserer Grundstücke wird sinken. Kaum jemand wird noch nach Kleeste ziehen wollen. Wer kann, wird abwandern.“

Noch gibt es keine Antwort aus der Staatskanzlei.

Von Bernd Atzenroth

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