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Aufstieg der Industriellenfamilie Quandt

Erfolg immer nur kurzfristig gebremst Aufstieg der Industriellenfamilie Quandt

Die Quandts waren ursprünglich einmal in der Prignitz ansässig. Der Region blieben sie stets treu. Auch die am 3. August 2015 verstorbene BMW-Erbin Johanna Quandt. Die zweitreichste Frau Deutschlands hat sich der Stadt Pritzwalk (Prignitz) gegenüber stets großzügig gezeigt. Teil II.

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Emil Quandt begründete seine Unternehmung unter anderem durch die Heirat mit der Fabrikantentochter Hedwig Draeger.

Quelle: Archiv

Prädestiniert wären sie schon längst für eine Familienbiografie gewesen. Doch die „mächtigste Wirtschaftsdynastie Deutschlands“ galt lange als publicityscheu, bis der Hamburger Rüdiger Jungbluth zur Feder griff. Diesmal erfolgreich. Und so erschien 2002 die erste Familienbiografie der Familie Quandt und die Geschichte ihres „leisen Aufstiegs“. BMW und Varta sind nur zwei der Unternehmen, mit denen dieFamiliengeschichte der Quandts eng verbunden ist.

waren aus Holland zugewandert. Wann genau das war, ist nicht ganz klar, eventuell nach dem Aufruf Friedrich II., der neue Siedler ins dünn besiedelte Preußen holte. Als sich der erste Fabrikant der Familie, der Halbwaise Emil Quandt, 1865 in der Tuchfabrik der Gebrüder Draeger bewarb, da wurden die sechs Webstühle dort von im Kreis laufenden Pferden angetrieben, das Garn von Hand gesponnen. Als er sich bis zum Prokuristen hochgearbeitet hatte, brannte die Fabrik ab, Ludwig Draeger starb. Mit 30 Jahren übernahm Quandt die Leitung des Betriebes und kaufte sie schließlich, als einer hitzigen Konjunktur die Depression nach dem Börsenkrach von 1873 folgte. Zur Auslastung des Betriebes trug bei, dass die Tuchfabrik vor allem für einen Kunden produzierte: den Staat. Das Pritzwalker Unternehmen stattete die kaiserliche Marine aus.

berufen. Er musste wegen der Erkrankung seines Vaters die Firma leiten. Begünstigt von der guten Konjunktur kaufte die Familie schließlich die Tuchfabrik im benachbarten Wittstock.

Günther Quandt saß gerade im Zug, als die Meldung kam, dass in Sarajewo der Erzherzog ermordet worden war. Der kommende Krieg sollte das Werk voll auslasten. Und: Er sollte für Kontakte zu den Mächtigen im Staat sorgen. „Vom Blutbad und Massensterben in den Schützengräben bekam er in Pritzwalk und Berlin nichts mit“, schreibt Jungbluth. Das Unternehmen war vom Krieg nach oben gespült worden, der Industrielle ein reicher Mann geworden. Die Inflation während der Weimarer Republik sollte den Reichtum mehren und schließlich zur Übernahme der Afa-Akkumulatorenfabrik in Hannover führen, auch dieses Unternehmen profitierte von Militäraufträgen. Immer wieder wurden Günther Quandt feindliche Übernahmeversuche und attackenartige Aktienkäufe vorgeworfen, unter anderem bekam er Einfluss in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken AG.

litt unter seiner Geschäftsaktivität. Einige Jahre nach dem Tod seiner Frau Antonie heiratete der Industrielle 1921 die 20 Jahre jüngere Magda Friedländer. Doch zuvor musste die junge katholische Klosterschülerin mit dem jüdischen Namen den Namen ihres leiblichen Vaters Ritschel annehmen und zum Protestantismus übertreten.

Den Aufstieg der Quandtschen Firmen notiert der Autor des Buches in seiner Einleitung: „Er begann rapide im Kaiserreich und beschleunigte sich in der Weimarer Republik; er ruhte nicht während der Nazizeit, im Gegenteil, und setzte sich während des Wirtschaftswunders fort. Rezessionen und Enteignungen konnten den Erfolg immer nur kurzzeitig bremsen, diese Rückschläge wussten die Quandts häufig für sich auszunutzen. (...) Die Quandts sind nicht nur Zeugen des wechselvollen Jahrhunderts, sondern Teil seiner Geschichte. Aus einer geschiedenen Frau Quandt (Anm. d. Red.: Magda Quandt, die Frau Günther Quandts) wurde 1931 eine Frau Goebbels, und ihr Sohn Harald wuchs im Haus von Hitlers Chefpropagandisten auf. Die Quandts haben im Guten wie im Schlechten Wirtschaftsgeschichte geschrieben.“

Beim Akkumulatorenwerk wurde durch das Hitler-Regime ein Konzentrationslager errichtet. Die Gefangenen arbeiteten im Werk – ohne Masken – und atmeten die giftigen Bleidämpfe ein. Winston Churchill nach dem 2. Weltkrieg: „Das einzige, was mich während des Krieges wirklich beängstigte, war die Bedrohung durch U-Boote.“ Und die wurden von den Akkumulatoren aus Hannover angetrieben.

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