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Quandts bleiben der Heimatstadt treu

Johanna Quandt Nachfolgerin ihres Mannes bei BMW Quandts bleiben der Heimatstadt treu

Die Quandts waren ursprünglich einmal in der Prignitz ansässig. Der Region blieben sie stets treu. Auch die am 3. August 2015 verstorbene BMW-Erbin Johanna Quandt. Die zweitreichste Frau Deutschlands hat sich der Stadt Pritzwalk (Prignitz) gegenüber stets großzügig gezeigt. Teil IV.

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Herbert Quandt und seine Frau Johanna im Jahr 1971.

Der Unternehmer Herbert Quandt, der 1910 in Pritzwalk zur Welt kam, erreichte 1969 sein Ziel, die Aktienmehrheit bei BMW zu halten. 1971 benannte er schließlich einen Generalbevollmächtigten, den märkischen Adligen Rüdiger Graf von der Goltz. Zu diesem Zeitpunkt war der BMW–Vorsitzende bereits fast blind.

Der politischen Rechten fühlte sich Quandt verbunden, mit Strauß und Flick soll laut Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erörtert worden sein, wie die damals regierende sozialliberale Koalition unter Willy Brandt gestürzt werden könne.

Trennung des Familienerbes
Ein Flugzeugabsturz und der Tod des Bruders Harald sollte das Familienimperium der Quandts, das seit drei Generationen einträchtig arbeitete, zerbrechen. Als Haralds Witwe, Inge Quandt, mit dem Fernsehmann Rainer Günzler einen neuen Mann als Vermögensverwalter in die Erbenfirma holte, kritisierte der umgehend die risikoreichen Geschäfte des BMW-Chefs. 1970 drängte Inge Quandt auf Vermögenstrennung. Herbert Quandt hatte als Unternehmer erfolgreicher gearbeitet als sein Bruder und musste für manche Verluste seines Bruders einstehen – selbst, wenn Harald Quandt unter schlechteren Bedingungen gestartet war. Auch die Familiengröße der beiden Brüder war schließlich ein Argument dafür, das Vermögen der beiden Brüder zu trennen. Nach zähen Verhandlungen blieben die BMW–Aktien und die Anteile an Varta in Herbert Quandts Familienteil, die Daimleraktien wechselten zum Großteil zu Haralds Erben. Die Daimleraktien, ein Paket von etwa 15Prozent, wechselte schließlich unter schwerer Kritik aus der Bundeshauptstadt Bonn den Besitzer. Die Quandts verkauften sie nach Kuwait. Die letzte Verbindung zwischen den beiden Teilen des Familienvermögens waren jetzt noch die Industriewerke Karlsruhe, in denen Herbert Quandt die Beteiligung Inge Quandts übernahm.

Die Tragödie der Inge Quandt
1976 erhielten die Industriewerke nach einer Schrumpfkur den Auftrag, die Bordkanonen für das Kampfflugzeug Tornado herzustellen.

Inge Quandt zog sich bald aus dem Geschäftsleben zurück. Inge Quandt heiratete einige Jahre vor ihrem Tod den Bankier Hans-Hilman von Halem. Eine ihrer Töchter sollte entführt werden, die Polizei vereitelte dies–doch Inge Quandt blieb ruhelos, war starke Kettenraucherin und starb 1978 am heiligen Abend. Von Halem traf einige Verfügungen in einem Abschiedsbrief, legte sich neben seine Frau und erschoss sich mit einem Revolver.

Demgegenüber regelte Herbert Quandt die Nachfolge in seinem Unternehmen bereits zu Lebzeiten haarklein. Er zerlegte sein Firmenimperium, um es an Frau und sechs Kinder weitergeben zu können. Dabei teilte er auch das Unternehmen Varta auf. Quandt starb 1982 in Kiel.

Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten 70000 Menschen in seinen Firmen, die einen Umsatz von 13 Milliarden Mark erwirtschafteten. Allein BMW gab 45000 Menschen Lohn und Brot.

gelten als einige der vermögendsten Frauen in Deutschland. Das „Managermagazin“ hielt eine Summe von 2,5 Milliarden Euro für wahrscheinlich – das Vermögen ist breit gestreut – teilweise in einer Beteiligungsgesellschaft.

und Susanne Klattens lag bei den Großunternehmen BMW und Altana fest. Das Unternehmen Varta hatte Herbert Quandt noch in drei Einzelfirmen aufgegliedert. Der Batterieproduzent blieb „Varta“, Pharmageschäft und Kinderernährung nahm „Milupa“ auf, Filter und Industrielampen stellte Creag her. Varta übertrug Quandt noch zu Lebzeiten an drei seiner Töchter – schuldenfrei.

Varta wurde notleidend
Die Deutsche Bank hatte 2000 nach einer Fristsetzung für Varta ein Übernahmeangebot unterbreitet. Als die Bank über eine Beteiligungsgesellschaft schließlich das Paket übernahm, sagte ein Vertreter der Käufer, die eigentliche Arbeit finge für sie erst an. Das Unternehmen hatte während der Rezession Anfang der 90-er Jahre Federn lassen müssen. Unter anderem hatte die Bundeswehr ihre Bestellungen für U-Boot-Batterien reduziert. Zwar wurde in Innovation investiert, dafür wurden jedoch Industriebatterien zu teuer. Dennoch sind die Quandts weiter an Varta beteiligt, über eine Beteiligung an der Gopla, der Firma, die ihre Aktien damals gekauft hatten.

Johanna Quandt trat Nachfolge an
Als Herbert Quandt 1982 starb waren die beiden Kinder, Susanne und Sven, noch zu jung für eine Nachfolge. Infolgedessen übernahm seine Witwe Johanna Quandt gemeinsam mit Hans Graf von Goltz die Verwaltung des Vermögens. 1926 in Berlin geboren, hatte sie als Sekretärin im Unternehmen begonnen. 1960, als Herbert Quandt seine BMW–Sanierung begann, heirateten die beiden schließlich. Vor dem Tod ihres Mannes hatte Johanna Quandt nicht nur im Schatten ihres Mannes gestanden, sondern sich auch hingebungsvoll um ihn gekümmert, als er nach und nach sein Augenlicht verlor. Nun war sie die Haupterbin der BMW-Aktien. Sie zog auch in den Aufsichtsrat des erfolgreichen Unternehmens ein.
Die Witwe lebt sehr zurückgezogen, gab keine Interviews, trat nie in Erscheinung. Aber sie stiftete beispielsweise einen Journalistenpreis, gründete eine Stiftung, um privates Unternehmertum zu würdigen. Und: Sie verliert die Geburtsstadt ihres Mannes nicht aus den Augen, sondern kümmert sich sogar oft ganz persönlich um Pritzwalk.

So etwa konnte sich Pritzwalks Bürgermeister Wolfgang Brockmann nach dem Elbehochwasser über einen Anruf freuen. Die Unternehmerin spendete 50000 Euro, mit denen Hochwasservorsorge in der Region getroffen werden soll.
Auch für die Sanierung der Grundschule in Pritzwalk, die heute den Namen „Herbert-Quandt-Schule“ zu Ehren von Johannas Mann trägt, spendete die Familie eine beträchtliche Summe: Über fünf Millionen Mark erhielt die Stadt für die Sanierung.

Die Wiedereinweihung war eine der seltenen Gelegenheiten, zu der man nicht nur Johanna Quandt, sondern auch Susanne Klatten einmal in der Öffentlichkeit sah.

Hoffnungsträger der Region
 Tochter, unternahm gewaltige Anstrengungen, damit sie ihr Erbe erfolgreich übernehmen konnte. Die BMW-Erbin bewältigte ein immenses Studienprogramm. Als sie inkognito bei BMW ein Praktikum begann, verliebte sie sich dort in ihren späteren Mann, den Ingenieur Jan Klatten. Als Erbin kontrolliert Susanne Klatten auch ein großes Paket an Altana-Aktien. Das Unternehmen kaufte nach der Wende sein Stammhaus in Oranienburg zurück und kann auf enorme Erfolge verweisen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmenserben, so der Autor der Quandt-Biografie Rüdiger Jungbluth, würde Susanne Klatten ihr Einkommen in Deutschland versteuern. Sie lebt zurückgezogen, wandert und fährt Ski. Mit einer riesigen Investition wären die Quandts fast in ihre Heimat zurückgekehrt: Doch BMW fand die Region zu dünn besiedelt und baut nun in Leipzig. Doch nach wie vor bleibt die Unternehmerfamilie, die ihren Ursprung an der Dömnitz hat, ein Hoffnungsträger der Region.

Von Claudia Bihler

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