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Prignitz Radiomann mit Faible für schräge Instrumente
Lokales Prignitz Radiomann mit Faible für schräge Instrumente
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15:06 13.08.2016
Viele Hörfunkbeiträge produziert Gerhard Richter daheim auf Burg Goldbeck. Quelle: Christian Bark
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Goldbeck

Allein seine Wohnung auf Burg Goldbeck hat schon das gewisse Etwas und lässt erahnen, dass hier ein kreativer Mensch leben muss. Rings um den Kamin im Mittelpunkt des über 100 Quadratmeter großen Raumes ranken sich Bücherregale, alltägliches Mobiliar und einige Koffer mit Instrumenten. Diese hat Gerhard Richter im Laufe der letzten Jahrzehnte zusammengekauft und – gesammelt. Über eine Luke nach unten erreicht man ein zweites Zimmer – Richters Probenraum. Dort spielt der 52-Jährige Banjo, Gitarre oder Schlagzeug.

„Das habe ich vor 15 Jahren herrenlos auf der Straße in Liebenthal gefunden“, weist Richter auf sein Schlagzeug. Der darauf noch zu erkennende Schriftzug „Eisenbahn Wittstock“ habe ihn neugierig gemacht und so nahm er das Instrument mit zu sich nach Hause, restaurierte es und forschte nach dem Besitzer. „Eisenbahn Wittstock war ein Musiktrio, das in den 50er Jahren über die Dörfer der Region gezogen ist“, berichtet Richter.

Band aus den 50ern wiederbelebt

Den Sohn eines der Bandmitglieder habe er persönlich kennengelernt. Schon damals sei in ihm der Wunsch aufgekommen, die Band von damals wieder neu entstehen zu lassen. „Im vergangenen Herbst war es dann so weit, wir spielten beim Siebmannshorster Erntefest – unser erster Auftritt“, blickt der Musiker zurück. Seitdem sei die Band besonders in Wittstock immer bekannter geworden.

Regelmäßig macht Richter bei der Bühne 11 in Wittstock Musik. Quelle: Christian Bark

Mit Musik ist Richter bereits in seiner schwäbischen Heimat groß geworden, wie er sagt. Mit Akkordeon- und Saxofonunterricht habe es als Kind angefangen, später seien dann immer mehr Instrumente dazugekommen. Zum Beispiel eine singende Säge. „Ihr Metall ist weicher und biegsamer als bei einer normalen Säge“, erklärt Richter die Besonderheit des Instruments. Zudem seien die Zähne in einer Linie. „Der Klang gleicht manchmal dem einer menschlichen Stimme“, sagt er. Das passe gut zu melancholisch verträumten Stücken. Diese habe er zum Beispiel bei Ausstellungseröffnungen in Berlin gespielt.

Viele seiner Instrumente hat sich der 52-Jährige autodidaktisch beigebracht. „Auf Youtube gibt es gute Videos zum Selberlernen“, empfiehlt er. Darüber habe Richter auch das Spielen von Instrumenten wie einer Nasentröte oder eines Harmoniums gelernt.

Auch das befindet sich in Richters Instrumentensammlung. „Das habe ich mal der Kirche in Eden abgekauft“, erinnert er sich. Das Spielen mache großen Spaß, weil der Klang weich sei und fast schon etwas Meditatives habe.

Die Band „Eisenbahn Wittstock“ tritt im Stil der alten Eisenbahner auf. Quelle: Christian Bark

Wenn Gerhard Richter Zeit hat, übt er mit seinen Instrumenten, so oft es geht – aber eben nur, wenn er Zeit hat. „Saxofon habe ich seit Wochen nicht mehr gespielt“, gibt er zu. Das sei auch das anspruchsvollste Instrument in seiner Sammlung. Ansonsten kämen alle acht Instrumente etwa einmal im Jahr gemeinsam zum Einsatz – Gerhard Richter spielt sie alle. „Natürlich nicht alle gleichzeitig“, sagt er und lacht. Jede Einzelaufnahme schneidet er am Computer zusammen. Das Resultat brennt er auf eine CD und schenkt es Freunden zu Weihnachten.

Was Richter vor Jahren ursprünglich mal studierte, hat mit seinem Hobby und heutigem Beruf wenig gemein. Eigentlich ist er Verwaltungswirt. „Nach dem Studium habe ich mich in der Branche nur auf eine Stelle beworben“, erzählt er. Als er die nicht bekommen habe, sei er zum Radio gewechselt. Nach einem Volontariat im Hörfunk sowie bei einem Printmedium arbeitete er als Journalist, ging nach Leipzig, Dresden, Berlin und letztlich nach Goldbeck, wo er sich vor zwei Jahren endgültig niedergelassen hat.

Das Multitalent

1964 in Illertissen (Bayern) geboren, studierte Gerhard Richter von 1985 bis 1989 in Kehl am Rhein Verwaltungswirtschaft. Er schloss das Studium als Diplom-Verwaltungswirt (FH) ab.


zu einem Radiosender in seinem Heimatort, absolvierte dort ein Volontariat. Später folgte ein Zeitungsvolontariat. Danach arbeitete Richter für verschiedene Printmedien. Er ging zum Hörfunk nach Leipzig, landete später bei Antenne Brandenburg und arbeitet seit einigen Jahren hauptsächlich für Deutschlandradio Kultur.

Seit Mitte der 90er Jahre lebt er auf Burg Goldbeck bei Wittstock. Dort ist er einer von neun Mietern.

2015 gründete der musikalisch aufgewachsene Richter die Band „Eisenbahn Wittstock“. Seit 2014 ist er zudem Mitglied im Förderverein der Burg und Mitorganisator der regelmäßig in Wittstock stattfindenden „Bühne 11“, eine Veranstaltungen, wo sich Kreative ausprobieren können.

Acht Instrumente spielt der Musiker: Nasentröte, Harmonium, Banjo, Gitarre, Schlagzeug, singende Säge, Akkordeon und Saxofon.

Dort engagiert er sich auch im Förderverein der Burg, organisiert zusammen mit anderen Künstlern jedes Jahr das beliebte Burgfest und ist auch sonst kreativ in Wittstock und Umgebung aktiv – zum Beispiel bei der Bühne 11. „Bei der Bühne 11 kann jeder mitmachen, der Lust hat“, wirbt Richter für die Veranstaltung. Einmal im Monat würden sich dann Dichter, Sänger und Musiker zusammenfinden, um Wittstocks Kulturszene aufzumischen.

Die singende Säge hat Richter von einem schwedischen Hersteller. Quelle: Christian Bark

Dass der 52-Jährige so musikalisch ist, kommt ihm bei seiner Arbeit als Radiojournalist zugute, wie er sagt. „Rhythmusgefühl ist wichtig, um im Beitrag eine bestimmte Stimmung erzeugen zu können“, erklärt er. Für seine Hörfunkbeiträge verwendet Richter vornehmlich Musik von Künstlern, die weniger bekannt sind. „Kleinere Beiträge kann ich hier von Burg Goldbeck aus produzieren“, sagt der Journalist. Für umfangreichere Reportagen oder Features, bei denen Richter auch bundesweit unterwegs ist, entstünden dann im professionellen Studio des Senders in Berlin. Dort spielt er übrigens auch noch in einer Band, die durch die Bundeshauptstadt und die Mark tourt.

Von Christian Bark

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