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Radtour voller sagenhafter Geschichten

Putlitz Radtour voller sagenhafter Geschichten

Die Fahrradtour „Sagenhafe Ruhner Berge“ führt von Putlitz aus 34 Kilometer bis ins Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern. Im Wald quellen die Tränen einer Jungfrau als Quelle des Flüsschens Mooster aus dem Boden, doch die Tafeln mit dem Sagenschatz fehlen leider. Geschichten am Wegesrand – etwa über das Pferd Paul und seinen Reiter Robert Mitchum – gibt es dennoch.

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Geschichten am Wegesrand: Roland Scheikowski und das Pferd Paul. Quelle: Claudia Bihler

Porep. Ein Blick gen Himmel zeigt, dass noch nicht ganz klar ist, ob die Fahrt an diesem Tag tatsächlich im Trockenen stattfinden wird: Schwarze Wolken eilen über den Himmel, als wüssten sie bereits ganz genau, wo sie ihre Schleusen öffnen wollen. Aber, und das ist der Vorteil des unsteten Wetters: Die Wolken bilden einen stimmigen Hintergrund zum Thema der heutigen Radtour „Sagenhafte Ruhner Berge“, die über 34 Kilometer durch den Norden der Prignitz bis ins Nachbarland Mecklenburg führen wird: Der Tourismusverband Prignitz verspricht eine Begegnung mit einem Riesen und empfiehlt die Tour auch für Familien.

Doch zunächst startet die Tour in der ältesten Stadt der Prignitz, Putlitz, am Knotenpunkt 70, wo sie auch wieder enden wird. Der Turm auf dem dortigen Burgfried hat einmal zur Gänseburg der Ritterfamilie Gans Edle Herren zu Putlitz gehört. Die Burg wurde nach einem Brand im 17. Jahrhundert nicht wieder aufgebaut. Doch für den Turm ­können sich Interessierte einen Schlüssel holen und schon einmal einen Überblick über die Radtour gewinnen: Bei gutem Wetter öffnet sich hier der Blick bis in die Ruhner Berge, die die zweithöchste Erhebung Mecklenburg-Vorpommerns sind.

Dank der Knotenpunkt-Regelung kann die Strecke in beide Richtungen befahren werden: An diesem Tag geht’s zunächst über ordentliche Wege in Richtung Porep, hinter Nettelbeck wird die Autobahn überquert, und nach viel Landschaft steht die erste Pause in Porep an: Dort nämlich können überdachte Sitzgruppen vor dem Gemeindezentrum als Rastplatz genutzt werden – nebenan gibt es einen Spielplatz.

Tierisch Durst hat offenbar dieses Rind kurz hinter Drenkow

Tierisch Durst hat offenbar dieses Rind kurz hinter Drenkow.

Quelle: Claudia Bihler

Dahinter fällt der Blick auf ein eigentümliches Gebilde, das sich bei näherem Hinsehen als eine Reiterskulptur entpuppt – etwas mitgenommen von Wind und Wetter. Der Fotograf und Kameramann Roland Scheikowski ist ihr Urheber, er hat sie aus den Resten gebaut, die beim Umbau des ältesten Hauses im Dorf übrig geblieben sind. Etwa zehn Jahre stehen Pferd Paul und sein Reiter schon in seinem Vorgarten. Nicht immer waren auch die Poreper von ihr begeistert – obwohl die Kinder sie lieben und dem Erbauer regelmäßig beim Erneuern der Skulptur helfen.

„Es war während einer Fußballweltmeisterschaft“, erinnert sich Scheikowski, „und nachdem an allen Häusern Deutschlandfahnen gezeigt wurden und ich türkische Freunde habe, habe ich dem Reiter eine türkische Fahne in die Hand gedrückt“. Das rote Stoffstück erschien einem Poreper offensichtlich so unheimlich, dass er den „Vorfall“ bei der Polizei anzeigte. Ordnungsamt und Polizei erschienen vor Ort, dokumentierten Fahne und Pferd und reisten wieder ab. Paul, das Pferd, und Western-Filmschurke Robert Mitchum als Reiter blieben bis heute dem Dorf erhalten. Dem Westernstar wachsen inzwischen lange Pflanzenhaare, die Skulptur wartet auf ihre nächste Restaurierung.

Sagenhafte Mooster-Quelle im Wald zwischen Marnitz und Muggerkuhl

Sagenhafte Mooster-Quelle im Wald zwischen Marnitz und Muggerkuhl.

Quelle: Claudia Bihler

Die Radtour führt über die Landesgrenze nach Drenkow. An Wochenenden kann hier im biologisch geführten Sieben-Giebel-Hof pausiert werden – selbst gebackener Kuchen und Einblicke in die Tierhaltung inklusive. Suckow und Marnitz werden erreicht: Auch, wenn das Schild am Straßenrand eine Eisdiele mit dem Namen „Paradies“ ankündigt, geht die Fahrt weiter, schließlich sind die Ruhner Berge das Ziel. An der Bundesstraße kreuzt die Radstrecke die Elde-Rundtour und ist gut sichtbar ausgeschildert. Der linkszeigende Wegweiser ein Stück weiter im Ort ist etwas von Büschen umwachsen und nicht ganz leicht zu finden: Wer ihn verpasst und geradeaus fährt, befindet sich auf dem (falschen) Weg in Richtung Ziegendorf. Ordentlich in die Pedale treten steht dann an: Die Ruhner Berge werden erklommen. Der Weg führt durch einen abwechslungsreichen Wald, der viele Geheimnisse verspricht.

Durch den Garten führt ein Lehrpfad, auf dem Tafeln nicht nur Wissenswertes zu Bibelpflanzen, sondern auch zur Natur erläutern

Durch den Garten führt ein Lehrpfad, auf dem Tafeln nicht nur Wissenswertes zu Bibelpflanzen, sondern auch zur Natur erläutern.

Quelle: Claudia Bihler

Die Quelle der Mooster liegt ein wenig abseits an einem liebevoll gestalteten und auch für Große interessanten Naturlehrpfad. Die Quelle ist Schauplatz der Sage über den bekannten Riesen Ramm, dessen Name übrigens dem dortigen Flurnamen entspricht – und auch einem Dorf, das es dort einmal gegeben haben soll. Nachdem der Riese die nahen Dörfer mit Steinen bewerfen wollte, beschenkten ihn alle Dörfer reich: Die Marnitzer boten gar eine Jungfrau an. Das Mädchen weinte über sein Schicksal, so dass der Riese es beeindrucken wollte. Er warf einen dicken Stein weit in die Luft. Doch der fiel senkrecht wieder herab und begrub Riesen und Mädchen.

Wildbeobachtung zwischen Hülsebeck und Muggerkuhl

Wildbeobachtung zwischen Hülsebeck und Muggerkuhl.

Quelle: Claudia Bihler

Aus der Quelle des Elde-Zuflusses quellen so bis heute die Tränen des Mädchens. Fast auf gleicher Höhe befindet sich der Aufstieg zum Aussichtsturm über die Ruhner Berge. Eigentlich sollten entlang des Treppenweges auf Tafeln weitere Sagen zu lesen sein. Doch die sind heute leider nicht mehr da. Der Aufstieg über die 300 Stufen bis zur Turmplattform lohnt dennoch. Selbst bei nicht ganz klarem Wetter bietet sich ein grandioser Ausblick über die waldreiche Region. Durch prachtvolle blütenreiche Hügellandschaften führt der Weg weiter in Richtung Muggerkuhl. Unterwegs wird das ehemalige Dorf Ruhn passiert, an das lediglich noch Informationstafeln in einem Holzpavillon erinnern: Als die Autobahn 24 gebaut wurde, fiel es wüst.

An Wochenenden lohnt sich in Muggerkuhl ein Stopp im hübschen „Op’n Snack Stallcafé“. Da das jedoch montags geschlossen hat, geht die Fahrt weiter über Hülsebeck zurück nach Putlitz, wo sie – leicht eingeregnet – im Putlitzer Bäckereicafé im Edeka-Markt endet.

Die Tour in die Berge

Die MAZ testet in diesem Sommer einige Radwege in der Region – darunter bekannte, weniger bekannte und neu ausgewiesene. Auch Knotenpunktregelung und Infomaterial für Radfahrer müssen sich dem Praxistest stellen.

Die „Sagenhaften Ruhner Berge“ sind das Ziel der gleichnamigen Radtour, die mit 34 Kilometern Länge auch für Familien geeignet ist. Bei der Rundfahrt dienen die Knotenpunkte 70, 73, 75, 77, 70 als Orientierung. In Mecklenburg ist die Ausschilderung eindeutig, aber nicht immer leicht zu finden. Gastronomie gibt es an Wochentagen in Putlitz, am Wochenende in mehreren Orten.

Die MAZ-Aktion wird vom Wulfersdorfer Radreiseveranstalter Günter Lutz unterstützt.

 

Von Claudia Bihler

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