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Rätsel um verschwundenen Ort gelöst

Perleberger Stadtgeschichte Rätsel um verschwundenen Ort gelöst

Der Heimatforscher Jens Nering räumt mit zahlreichen Überlieferungen zur Perleberger Stadtgeschichte auf. So scheint das Rätsel um den Ort Dobberzin jetzt gelöst. Nerings umfangreiche Recherchen ergaben neue Erkenntnisse, die bisherige Selbstverständlichkeiten und Annahmen zur Stadtgeschichte völlig anders darstellen.

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Blick in die Perleberger Lindenstraße um 1900.

Quelle: privat

Perleberg. Die Grundfesten der Perleberger Geschichte dürften wohl ins Wanken geraten. Der Autor und Filmemacher Jens Nering kündigt in einem Gespräch mit der MAZ „eine kleine Revolution“ an. „Einige werden sicher sagen, das habe ich aber ganz anders gelernt“, sagt Nering. Doch in seinem neuen Buch „Perleberg zwischen gestern und heute“ will er mit einer Reihe von Darstellungen aufräumen, die sich aufgrund seiner Recherchen als falsch erweisen.

Geradezu zum Mythos ist etwa der Ort Dobberzin geworden. In den Quellen wird das Dorf erstmals um 1400 erwähnt. Es soll in der Nähe von Perleberg gelegen haben. Immer wieder entstanden Theorien, wo dieser Ort bestanden haben mag. Dann wieder zogen Historiker seine Existenz überhaupt in Zweifel.

Um 1930 wurden von der Archäologin Waltraud Bohm zahlreiche Grabungen in der Westprignitz erfasst und ausgewertet. Eine Fundstelle betraf den Räuberkrug, der zwischen Perleberg und dem benachbarten Dorf Uenze mitten im Wald liegt. Jens Nering kann nun beweisen: „Dort war Dobberzin bestimmt nicht.“ Nach seinen Recherchen war Dobberzin eher so etwas wie eine Vorstadt Perlebergs, die im Bereich der heutigen Bad Wilsnacker Straße gelegen haben mag. Jens Nering ging auch der Frage nach, ob vielleicht die heutige Dobberziner Straße tatsächlich nach Dobberzin führte. Hier liegt wohl schon nahe, dass dies nicht so war. Jens Nering legt Beweise vor für die Existenz des längst verschwundenen Ortes.

Heimatforscher, Autor und Filmemacher

Heimatforscher, Autor und Filmemacher: Jens Nering hat seine neuesten Erkenntnisse zur Perleberger Stadtgeschichte aufgeschrieben.

Quelle: Michael Beeskow

Das Ergebnis seiner wissenschaftlichen Untersuchungen: „Vor fast 300 Jahren wurde Dobberzins Lage urkundlich erfasst und kann heute damit nachvollzogen werden. Kein Mythos, aber dafür ganz anders als vielfach angenommen“, sagt Jens Nering. Er kann mit seinen Forschungsergebnissen eine Theorie des Stadtplaners Dieter Hoffmann-Axthelm untermauern. Seine Erkenntnisse will Jens Nering bei der Vorstellung seines Buches am 10. Oktober im Perleberger Freizeitzentrum Effi ab 19 Uhr erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Doch dem Forscher geht es um weit mehr als einen einzelnen Ort. Es geht ihm um die Straßen und Plätze der Stadt und die Herkunft ihrer Bezeichnungen. Heute sind mehr als 150 Straßen- und Ortsnamen in Perleberg vorhanden. Doch es gab noch weitaus mehr Namen, die sich in den Quellen nachweisen lassen. Im seinem Buch werden sie erklärt, werden örtlich zugeordnet und mit altem Bild- und Kartenmaterial belegt.

Wer weiß denn heute noch, dass es eine Nord- und eine Osterstraße in Perleberg gegeben hat? Woher stammt der Name „Kasülten“ und was wurde aus der Scheunen- und der Scheuerstraße? 378 alte und heute gängige Bezeichnungen hat Jens Nering gefunden und erklärt sie nun. „Es wird festgestellt, dass einige alte Überlieferungen nicht stimmen können und es wird begründet, warum das so ist“, sagt er. „Meine umfangreichen Recherchen ergaben neue Erkenntnisse, die bisherige Selbstverständlichkeiten und Annahmen zur Stadtgeschichte völlig anders darstellen, gar revolutionieren“, kündigt der Autor an.

Manche Überlieferung gehört ins Reich der Legenden

In einem besonderen Abschnitt greift Jens Nering die innerstädtischen Wasserverläufe auf, die zugeschüttet und damit nahezu vergessen sind. Wo gab es noch ein Durchkommen und wo waren Brücken installiert? Der Blick richtet sich dabei auf die Jungfernbrücke, die eigentlich einen anderen Namen trug. Angeblich sollen sich dort im 17. Jahrhundert Jungfrauen vor den anrückenden Schweden ins Wasser gestürzt haben. Für Jens Nering gehört dies jedoch ins Reich der Legenden.

Der Autor erklärt auch, wie die Puschkinstraße früher hieß. Wo der „Scharpen Hävel“ zu finden war und er geht der Frage nach, ob die „Klappgasse“ tatsächlich der Zubringer zum Hafen in der Uferstraße war.

Bisher dürfte in keiner vergleichbaren Art die Entwicklung der Stadt Perleberg und die Namensgebung der Straßen so umfangreich und zusammenfassend für die Öffentlichkeit aufbereitet worden sein.

Von Michael Beeskow

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