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Reckenthin: Kleinod mit schadhaftem Dach

Wehrkirche überstand Kriege und Katastrophen Reckenthin: Kleinod mit schadhaftem Dach

Über 700 Jahre alt ist die Dorfkirche von Reckenthin. Zu ihrem bemerkenswerten Inventar gehören zwei Zinnleuchter aus den Jahren 1617 und 1637. Der erste entstand vor dem, der zweite im Dreißigjährigen Krieg. Die Gemeine um Kirchenälteste Elisabeth Isenberg möchte gerne das Dach sanieren lassen. Doch das soll rund 125 000 Euro kosten.

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Elisabeth Isenberg, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats Reckenthin mit dem aus dem Jahr 1617 stammenden Zinnleuchter.

Quelle: Andreas König

Reckenthin. Eine regelrechte Trutzburg ist die Reckenthiner Kirche. Mitten im Dorf gelegen mit schießschartenartigen Öffnungen im Feldsteinmauerwerk und auf einem Hügel befindlich, trotzt sie schon seit über 700 Jahren, so genau weiß das niemand, den Stürmen und Widrigkeiten der Geschichte. Über dem Altar thront eine Kanzel, die der zuständige Pfarrer Christian Gogoll aus Garz allerdings so gut wie nie nutzt, wenn er den Gottesdienst abhält. „Er ist eben sehr volksnah“, lobt Elisabeth Isenberg. Schon ihr Vater und Großvater haben der Kirche die Treu gehalten und so setzt sie gewissermaßen das Erbe fort als Vorsitzende des Gemeindekirchenrates von Reckenthin.

Außen wehrhaft, innen hell und freundlich

Während das Gotteshaus von außen einen eher unzugänglichen, geradezu etwas abweisenden Eindruck macht, ist es im Inneren hell und freundlich. Die Kanzel harmoniert mit ihren Weiß- und Grautönen aufs vortrefflichste mit der Orgel. 2008 wurde das Schmuckstück saniert und begleitet seitdem die Gottesdienste musikalisch.

Die Wehrhaftigkeit der Kirche hat ihren Grund. Raubritter machten einst die Gegend unsicher, und spätestens seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) waren die Kirchen im wahrsten Sinne des Wortes Zufluchtsorte, auch wenn die schrecklich wütenden Söldner bei ihren Raubzügen oftmals nicht einmal den Kirchenschutz respektierten. Umso erstaunlicher muten zwei Ausstattungsgegenstände an, die zur Reckenthiner Kirche gehören. „Das sind zwei Zinnleuchter“, sagt Elisabeth Isenberg.

Zinnleuchter als Dank für Kindersegen

„Der eine stammt aus dem Jahr 1617, und wurde laut Inschrift „gegeben von Balzer Sure und Elisabeth Fentzahns.“ Den zweiten Leuchter hat 20 Jahre später ein Hans Sure gestiftet. „Der stammt aus dem Jahr 1637“, sagt Elisabeth Isenberg. Beides ist deshalb bemerkenswert, weil der eine Leuchter bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg der Kirche gestiftet wurde und der zweite Leuchter mittendrin – es war offenbar trotz der großen Not in Deutschland noch möglich, der Kirche solche Geschenke zu machen. „Oftmals wurden solche Leuchter aus Dank gestiftet, wenn sich zum Beispiel in einer Familie ein langgehegter Kinderwunsch doch noch erfüllt hat“, sagt Elisabeth Isenberg.

Älterer Leuchter lag achtlos im Gerümpel

Jahrelang war gar nicht bekannt, dass die Reckenthiner Kirche über solche Kleinodien verfügt. „Der ältere Leuchter lag achtlos in einem Haufen Gerümpel“, erinnert sich die Gemeindekirchenratsvorsitzende. Einige Dellen und Beulen zeigen, dass dem jüngeren Leuchter nicht immer die gebührende Vorsicht zuteil wurde. Von den Oxidationsprozessen schwarz angelaufen reinigte sie vor einiger Zeit Elisabeth Isenbergs Bruder Hans-Ludwig Karstein und gab ihnen das Schimmern zurück, das sie heute auszeichnet.

Die Kirchentür, durch die vor einigen Jahren stets das Wassre lief, ist mittlerweile instandgesetzt, ebenso der Glockenturm, der noch eine historische Glocke besitzt. Auch sie hielt den kriegerischen Gelüsten stand, beispielsweise dem Bestreben im Ersten Weltkrieg Kirchenglocken für Waffen einzuschmelzen.

Teure Dachsanierung nötig

Sorgen bereitet den 22 Recken­thiner Gemeindegliedern der Zustand des Dachs. „Zwar hat unser Pfarrer nach einem Sturm eine Notreparatur veranlasst, aber das ist eben nur eine vorübergehende Lösung“; sagt die Kirchenälteste. Laut einem vom Denkmalschutz in Auftrag gegebenen Gutachten belaufen sich die Kosten für eine dauerhaft wirksame Dachsanierung auf rund 125 000 Euro. „Das schaffen wir aus eigener Kraft nicht“, sagt Elisabeth Isenberg. Hoffnung haben die Gemeindeglieder, Fördermittel und Spenden beispielsweise von Windkraftanlagen-Betreibern zu erhalten. Immerhin ist das Kirchengestühl nach regen und vor allem Schnee derzeit trocken, Das war vor Jahren noch nicht so .

Von Andreas König

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