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Prignitz Reise in die Vergangenheit mit Oldtimerbus
Lokales Prignitz Reise in die Vergangenheit mit Oldtimerbus
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00:17 18.08.2016
Rückfahrt von Breetz nach Lenzen im „Ikarus“ von 1965. Quelle: Kerstin Beck
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Lenzen

Sonnabendvormittag in Lenzen auf der Straße Am Bahndamm: Die gesamte Strecke ist zugeparkt mit Lkws und H6-Fahrzeugen, wie sie vor Jahrzehnten die Straßen bevölkert haben. Bei Letzteren handelt es sich um von 1952 bis 1959 im VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube“ im sächsischen Werdau gebaute mittelschwere Lastwagen sowie Busse, die sich insbesondere durch ihre Zuverlässigkeit auszeichneten. Mehr als 80 Fahrzeuge sind es, die für die Ausfahrt bereitstehen.

Im vorderen Bereich steht ein freundlicher Herr mit Zillertaler Hut und Tiroler Tracht, es ist „Olaf“ aus Motrich in seiner Berufskleidung. Denn der Busfahrer ist besonders oft in Bayern und südlich davon unterwegs. Heute hilft er den Passagieren in einen Sonderbus, der ansonsten in der Prignitz und weit darüber hinaus zu sehen ist. „Den hat meine Firma 1998 von einem Bauern in Bayern gekauft, wo er in der Scheune gestanden hatte und alles andere als fahrbereit war.“

Ausfahrt von Lenzen nach Breetz im „Kässbohrer“ von 1966. Quelle: Kerstin Beck

Nach der zehnjährigen Restaurierung ist alles wie bei der ­Erstzulassung 1966 des aus Ulm stammenden „Kässbohrer“-Busses. Vierersitze im blaugrau-schwarzen Muster mit Tischchen dazwischen, und die hellgrauen Vorhänge sind ordentlich zurückgezogen. Große, nach oben gebogene Fenster, ganz oben Lüftungsluken, die aber noch zu sind, trotz der gefühlten 28 Grad Celsius im Fahrzeug. „Nicht mit dem Fahrer sprechen!“, mahnt ein Schildchen an der Bugseite.

Störche und Graureiher am Wegesrand

Schnell noch ein Foto mit erwartungsvoll-fröhlichen Passagieren aus Perleberg und Pritzwalk und Sachsen, dann wirft Olaf den Motor an. Das Sechsgang-Schaltgetriebe ohne Servolenkung will gut gesteuert sein. Es geht durch die Lenzener Straßen, vorbei an ebenso fröhlich winkenden Zuschauern, die schon auf den Tross gewartet haben. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 35 Kilometern pro Stunde geht es gemütlich durch das ehemalige DDR-Sperrgebiet, „und weiter hinten war gleich die Grenze, und überhaupt war hier immer Hochwasser“, erklärt Olaf dazu, in Richtung Breetz. Dazu typische hiesige Sehenswürdigkeiten wie etwa 60 eifrig nach Nahrung suchende Störche und weiter hinten die ersten Graureiher. In Breetz folgte eine Kaffeepause und ein Rundgang durch das aufpolierte Dorf.

„Es hat bisher alles prima geklappt, alle sind zufrieden. Wir haben über tausend Meter Stromkabel für unsere Gäste am Bahndamm legen lassen, dazu Wasserversorgung und richtige Toiletten. Auch das Angebot an Essen und Trinken ist top!“, freut sich H6-Vereinsmitglied Benno Leupacher aus Lenzen, der für das historische Nutzfahrzeugtreffen in Lenzen wie immer alles mit „an vorderster Front“ vorbereitet hat.

Hinweis: „Unterhaltung mit dem Fahrer verboten!“

Zurück geht es dann in einem Ikarus 630 S, hergestellt 1963 in Budapest. Die 39 Sitzplätze sind fast „ausgebucht“, aber die beiden Schwerbeschädigten-Sitzplätze – die ohnehin die besten sind – sind ja noch frei. „Tür nicht öffnen, bevor der Wagen hält!“, steht an der Tür und „Unterhaltung mit dem Fahrer verboten!“ über dem Cockpit. „Die Kraftverkehrsgesellschaft Ribnitz-Damgarten wollte unbedingt einen historischen Bus haben“, erzählt Fahrer Bodo Haese. „Von 1994 bis 1996 wurde dann dieses Fahrzeug, das zuletzt in der VEB Fischereiproduktion Potsdam fuhr, wieder aufgebaut“. Und setzt nicht ohne Stolz hinzu: „Den hier kann nicht jeder fahren, denn der technische Stand ist von 1965.“

Das Tuckern ist hier schon hörbar lauter, und die geöffneten Dachluken bringen kaum Erfrischung in den stickend heißen Bus. Um so fröhlicher sind die Passagiere, für die die kleine Reise auch eine Fahrt in die Vergangenheit ist. Insbesondere für einen älteren Herrn aus Grabow, der früher beim Kraftverkehr in Hagenow tätig war und seine alten Fotos mitgebracht hat. „Schauen Sie mal, damals habe ich auch diesen H6-Bus gefahren. Und davor steht mein Sohn, damals war er vier, heute ist er 56 Jahre alt“. Im Bus ist alles in rotbraunen Tönen gehalten.

Vorhänge statt Klimaanlage

Mit Kunstleder bezogene Sitze, die man plötzlich wieder als „klebrig“ in Erinnerung hat. Bordeaux-farbene Vorhänge, die im hinteren Bereich jetzt schon zugezogen wurden: Vorhänge statt Klimaanlage. Heraus geht es dann bei der Ankunft in Lenzen über ein Treppchen. Einziger Luxus – den es allerdings zu DDR-Zeiten nicht gab.

Für die Gäste geht das H6-Treffen auf dem Bahndamm weiter, aber nicht für die Busse. Der Ikarus hat gleich seine nächste Ausfahrt für die H6-Vereinsfreunde, und Olaf muss mit dem Kässbohrer nun nach Wittenberge.

Von Kerstin Beck

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