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Retten, was sonst im Müll landen würde

Wittstock Retten, was sonst im Müll landen würde

Dass jährlich tonnenweise noch genießbare Lebensmittel im Abfall landen, wollte Lea Naether aus Zaatzke nicht hinnehmen. Sie ist dem Netzwerk „Foodsharing“ beigetreten und will künftig den Austausch von Lebensmitteln in der Region etablieren. Dafür sucht die 29-Jährige aktuell noch Mitstreiter, denn bislang findet das Projekt eher in Großstädten größeren Anklang.

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Für einen Korb mit Lebensmitteln wie diesen haben die Mitglieder des „Foodsharing“-Netzwerks immer Verwendung.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Leicht bräunliche Bananen, Joghurts, deren Haltbarkeitsdatum in wenigen Tagen abläuft, noch einwandfrei erhaltene Tonschüsseln – was Lea Naether auf ihren „Containertouren“ bei Streifzügen über die Hinterhöfe Hamburger Discounter so alles im Müll gefunden hatte, schockierte die 29-Jährige. „Damals war ich noch Studentin mit wenig Geld“, erklärt die gebürtige Hamburgerin. Freunde hätten sie auf Streifzüge mitgenommen, später sei sie auch allein losgezogen, um Lebensmittel zu retten.

„Es ist unglaublich, wie viel gute Lebensmittel weggeschmissen werden“, sagt die studierte Sozialpädagogin. 20 Millionen Tonnen seien es in Deutschland jedes Jahr. Das habe sie zum Nachdenken gebracht. Beim Stöbern im Internet und über Bekannte sei sie auf die Onlineplattform „Foodsharing“, zu Deutsch „Lebensmittelteilen“, gestoßen. „Zunächst bin ich als ’Foodsharer’ eingestiegen“, erinnert sich Naether. Auf der Plattform habe sie Teilnehmer aus ihrer näheren Umgebung gefunden, ihr erstes Lebensmittel sei ein frisches Biobrot gewesen. Das Projekt lag ihr weiter am Herzen, wie sie sagt, auch, nachdem sie 2014 von Hamburg nach Zaatzke gezogen war, um dort einen Bauernhof wieder flottzumachen.

Die „Kasse des Vertrauens“ ist vielerorts auch Mittel der Lebensmittelrettung

Die „Kasse des Vertrauens“ ist vielerorts auch Mittel der Lebensmittelrettung.

Quelle: Christian Bark

Auf dem Land hatte die junge Frau rasch feststellen können, dass das, was in Metropolen wie Hamburg oder Berlin als „hippe“ Methode, Lebensmittel zu retten bereits im Trend lag, in Dörfern schon längst praktiziert wurde – wenn auch auf analogem und nicht auf digitalem Wege. „Unsere Nachbarn schenken uns zum Beispiel frische Eier, wenn sie zu viele davon haben“, berichtet die 29-Jährige. Im Gegenzug stellten sie und ihr Freund Gemüseabfälle für Nachbars Hühner bereit. Auffällig seien auch an die Straße gestellte Kürbisse oder Lebensmittel, die von Gärtnern günstig über eine „Kasse des Vertrauens“ angeboten würden.

In der Prignitz und im Ruppiner Land ist Food-sharing Lea Naether zufolge aber noch weitgehend unbekannt. Über die digitale Karte des Netzwerks ploppten gerade mal drei „ Footsaver", als Lebensmittelretter, die nächste Stufe nach dem „Sharer“ auf. „Saver haben schon mehr Befugnisse im Netzwerk“, erklärt Lea Naether. Sie könnten andere Saver mit „Vertrauensbananen“ digital bewerten, Waren direkt vom Erzeuger oder Verkaufsmarkt abholen, müssten dafür aber vorher einen Test bestehen. Der sei online problemlos möglich, im Vorfeld könnten sich Interessierte über das „Foodsharing-Wiki“, einer Informationsplattform schlaumachen.

Mission „Essenretten“


Seit 2012
gibt es die Onlineplattform Foodsharing, die seitdem nach eigenen Angaben schon fast 5,6 Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet hat.

Die Teilnahme am Projekt ist absolut kostenlos, ebenso wie das Anbieten und Konsumieren der Lebensmittel. Das Netzwerk arbeitet hauptsächlich ehrenamtlich.

Als „Foodsharer“ steigen Mitglieder in das Projekt ein. Dabei können sie Waren anbieten oder entgegennehmen. Nach einem Wissenstest können sie zu „Foodsavern“ werden, die Waren direkt vom Markt oder Erzeuger abholen. In der Region gibt es aktuell nur drei „Saver“. Als „Betriebsverantwortlicher“ kann man nach einem weiteren Test zwischen „Sharern“ und Betrieben vermitteln. „Botschafter“ sind wieder nach einem Test für eine ganze Region und den Kontakt zu Marktketten zuständig.

Weitere Informationen
hier, Kontakt zu Lea per Email unter: l.naether@gmx.de

Auf der nächsten Hierarchiestufe befinde sie sich derzeit, sie ist „Betriebsverantwortlicher“, der einzige in der Region. „Ich stelle den Kontakt zwischen Sharern und Betrieben her und halte ihn“, sagt sie. Gerade sei sie allerdings dabei, in die nächste Stufe, den „Botschafter“ aufzusteigen. Damit wäre sie für eine gesamte Region zuständig, dürfe mit den großen Lebensmittel- und Discounterketten verhandeln und so das Foodsharing in diesem Teil des Netzwerks managen – ehrenamtlich verstehe sich. Etwas Zeit müsse man schon in das Projekt investieren, vom Fotografieren bis hin zum Abholen der Lebensmittel. Aber es lohne sich.

Weitere Mitstreiter gesucht

Derzeit sucht Lea Naether weitere Mitstreiter in Prignitz und dem Ruppiner Land, wie sie sagt. Besonders „Betriebsverantwortliche“. In bisher geführten Gesprächen in Betrieben habe sie jedoch rausgehört, dass viele die Verantwortung scheuten, bei negativen Vorfällen, die Konsequenzen tragen zu müssen. „Das müssen sie aber gar nicht“, betont Naether. Bereits als Sharer sichere man sich rechtlich ab.

Außerdem habe es in den vier Jahren, seitdem das Netzwerk besteht, noch nie Beschwerden gegeben. Ihr Anliegen will Lea Naether bei der nächsten Bühne 11, einer Kunst- und Musikveranstaltung in Wittstock, anfang Oktober einem breiten Publikum vortragen. „Gerne mit einem Korb voll geretteter Lebensmittel, damit die Leute Appetit auf das Projekt bekommen“, sagt Lea Naether.

Von Christian Bark

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