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Prignitz Richard Liermann erhielt den Bürgerpreis
Lokales Prignitz Richard Liermann erhielt den Bürgerpreis
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19:34 01.02.2018
Landrat Torsten Uhe (r.) gratuliert Richard Liermann zum Bürgerpreis. Links Inge Liermann. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Wittenberge

Als ihr Mann Richard zur Bühne gerufen wurde, verdrückte Inge Liermann ein paar Tränen. Denn die Auszeichnung, die Richard Liermann am Mittwoch im Saal des Hotels Deutscher Kaiser erhielt – der Prignitzer Bürgerpreis –, ist eine Würdigung seines Lebenswerks. Und daran hat die Frau an seiner Seite ihren Anteil. Seit 58 Jahren sind die beiden verheiratet. Und dieses Leben mit seiner Frau machte das Leben für Richard Liermann erst richtig rund.

Richard Liermann ist blind. Mit drei Jahren, noch zu Kriegszeiten, hatte er einen Unfall im Wald und verletzte sich an den Augen. Weil eben Krieg war, konnte die Verletzung auch nicht richtig behandelt werden – die Erblindung war die Folge. Seine eigene Blindheit sollte für ihn später die Motivation werden, um auch anderen sehbehinderten oder blinden Menschen auf ihrem Weg durchs Leben zu helfen. Seit 60 Jahren engagiert er sich dafür, und in den vergangenen 45 Jahren war er Vorsitzender der Bezirksgruppe Prignitz des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes, zunächst an Schwerin angeschlossen und seit der Wiedervereinigung im Brandenburger Verband (BSVB).

Richard Liermann hat sich mit viel Herzblut und sehr couragiert seit 45 Jahren für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen in Wittenberge und im gesamten Landkreis Prignitz eingesetzt. Laudator Oliver Hermann sagte, Richard Liermann sei „hartnäckig, wenn es um die Umsetzung der Rechte von Blinden auf kommunaler Ebene geht“.

„Schön, dass ich Sie berühren kann“

Oliver Hermann berichtet noch von „einer persönlichen Erinnerung“. Bei einem Treffen habe er zu Liermann gesagt: „Schön, dass wir uns wiedersehen.“ Und der habe geantwortet: „Schön, dass ich sie berühren und ihre Hand schütteln kann.“ Für Hermann, der für Liermanns Anliegen immer ein offenes Ohr hat, zeigte seine unbedachte Äußerung, wie selbstverständlich es gerade für die meisten Menschen ist, mit den Augen die Welt wahrzunehmen.

Die Episode zeigt aber auch: Offenbar führt Richard Liermann sein Leben so, dass die Behinderung für Außenstehende keine große Rolle spielt. „Wenn ein Sinnesorgan ausfällt, muss man das mit den anderen kompensieren.“ Das muss ihm auch beim Kennenlernen seiner Frau geholfen haben, die eine Bekannte seiner Schwester war. „Jung und hübsch“ sei sie gewesen. Im gemeinsamen Leben habe sie ihm dann viel abgenommen, aber eben auch nicht alles – schließlich wollte er auch gefordert werden.

Richard Liermann (r.) erhielt beim Neujahrsempfang des Prignitzer Landrats den Bürgerpreis für sein Lebenswerk. Mit seiner Frau Inge (l.) ist er seit 58 Jahren verheiratet. Quelle: Bernd Atzenroth

So will er auch anderen nahebringen, „wie man, ohne sehen zu können, versucht sein Leben zu gestalten“. Ihm ist das, das lässt sich sagen, selbst sehr gut gelungen. Er hatte auch Glück, kam nach dem Krieg sofort auf eine Spezialschule für Blinde und Sehbehinderte in Halle. Schließlich erlernte er den Beruf des Masseurs – einer der Tätigkeiten, in denen auch blinde Menschen arbeiten konnten, und bildete sich dann zum Physiotherapeuten weiter. 43 Jahre lang übte er an verschiedenen Stellen diesen Beruf aus und gab seine Kenntnisse als Ausbilder auch weiter – nach der Wende überzeugte er in Mainz auch Westdeutsche davon, dass es sinnvoll ist, eine solche Ausbildung für Sehbehinderte anzubieten.

In seiner Verbandstätigkeit war er ständig in der ganzen Prignitz unterwegs, um Blinden und Sehbehinderten zu helfen. Leider nimmt die Zahl der Mitglieder im Verband ab – er hat die üblichen Probleme aller Verbände und Vereine mit Überalterung – , aber vor allem bedauert er, dass immer weniger Blinde im Berufsleben zu finden sind.

Überrascht von der Ehrung

Mit der Ehrung hatte Richard Liermann nicht gerechnet: „Ich war total überrascht und bin natürlich genauso begeistert.“ Und so fand er sich vor der Bühne des Saals im Perleberger Hotel „Deutscher Kaiser“ wieder, wo ihm neben Hermann Landrat Torsten Uhe, Sparkassenchef Andre Wormstädt und die Europa-Abgeordnete Susanne Melior zur Ehrung gratulierten.

Und diese rundet sein Lebenswerk in der Hilfe für sehbehinderte Menschen nun auch mit einem Glücksmoment ab: Mit fast 80 Jahren, im September steht der runde Geburtstag an, wird er jetzt den Vorsitz im Verband aufgeben. Mit dem Perleberger Markus Schumacher hat er einen Nachfolger gefunden, der am 14. Februar ins Amt gewählt werden soll, während Richard Liermann das Dasein mit seiner Frau genießen will.

„Wir sind reiselustig geworden“, sagt er, „gerade sind wir von Gran Canaria zurückgekommen.“ Dort kennt man die beiden schon recht gut, es war ihr vierter Besuch. Richard Liermann ist eine regelrechte Wasserratte und ließ es sich nicht nehmen, auch im Atlantik zu baden. Dem Badevergnügen können Liermanns auch in der Prignitz nachgehen – sie haben einen Bungalow am Wasser bei Lenzen. Und wie bei allem anderen wird ihn die Sehbehinderung auch künftig nicht davon abhalten.

Die anderen drei Bürgerpreisträger

In der Kategorie Alltagshelden ging die Auszeichnung diesmal an Oswald Brandl, den Ortschronisten von Bad Wilsnack. „In unserer Stadt kennt ihn fast jeder“, sagte der Laudator, Bad Wilsnacks Bürgermeister Hans-Dieter Spielmann.

In der Kategorie U 21 erhielt den Preis das Team des seit zehn Jahren existierenden Brandschutzmobils um Ralf Arnoldt. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Holger Schelle hob die Rolle des Teams bei der Brandschutzerziehung hervor.

In der Sonderkategorie bekam den Preis der Rotary Club Perleberg. Er unterstützt die Impfkampagne „End Polio Now“ zur Ausrottung der Kinderlähmung durch das Sammeln von kleinen Plastedeckeln von Getränkeflaschen und Tetrapacks.

Von Bernd Atzenroth

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