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Rohlsdorfer Kirche trocken gelegt

Mittelalterlicher Bau in dem Prignitzdorf bekam eine gründliche Fundamentsanierung Rohlsdorfer Kirche trocken gelegt

Die mittelalterliche Kirche in Rohlsdorf erhielt jetzt eine Fundamentsanierung. Ausgangspunkt für das rund 70 000 Euro teure Projekt war eine Spende der Agrargenossenschaft Halenbeck. Im Zuge der Arbeiten wurde auch eine wertvolle Wandmalerei unter der Empore des Gotteshauses konserviert.

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Frisch verputzt: das Kirchenschiff des Rohlsdorfer Gotteshauses.

Quelle: Beate Vogel

Rohlsdorf. „Ich hab gedacht, die buddeln mir die Kirche aus“, erzählt Hella Dibbert. Die Gemeindekirchenrätin aus Rohlsdorf (Amt Meyenburg) hat die Schlüsselgewalt für die mittelalterliche Dorfkirche – und konnte damit auch Tag für Tag verfolgen, wie in den vergangenen Wochen die Sanierungsarbeiten an dem Gebäude vorangingen. Erst zum Ende der vergangenen Woche waren die metertiefen Gräben am Feldsteinfundament wieder zugeschüttet worden, erzählt sie. Noch ist deutlich zu sehen, wo die Maurer auch im Inneren der schlichten Kirche den frischen Putz aufgebracht haben. Diese Woche sollen die Maler alles mit frischer Farbe abdecken.

1997 ließen die Rohlsdorfer eine Schwammsanierung vornehmen: „Zwischen Turm und Kirche war das Dach undicht“, erinnert sich Hella Dibbert. Das komplette Gebälk wurde abgenommen, die Feldsteinkirche stand zeitweise komplett ohne Dach da. Aber das Projekt damals sei erfolgreich gewesen, so die Gemeindekirchenrätin: „Der Schwamm war tot.“ Heute hat die Kirche auch von innen eine komplett neue Balkendecke. Durch das undichte Dach war indessen auch eine mittelalterliche Malerei freigelegt worden, die den Denkmalschutz aus Berlin auf den Plan rief. „Die Denkmalschützer stuften die Malerei als sehr wertvoll ein.“ Allerdings hatte die Kirchengemeinde laut Hella Dibbert nach dem Neubau des Daches kein Geld mehr, um die Malerei zu konservieren. Die Arbeiten an der Kirche stagnierten seitdem.

„Im vorigen Jahr kam dann aber eine große Spende von der Agrargenossenschaft Halenbeck“, erzählt Hella Dibbert. 10 000 Euro hatte Geschäftsführer Ulrich Kieback für die Kirche übrig. Der Rohlsdorfer Gemeindekirchenrat war gewissermaßen im Zugzwang: „Wir mussten gucken, wie wir mehr Geld zusammenbekamen und haben alle möglichen Anträge gestellt.“ Und es klappte: Der Kirchenkreis, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, die Denkmalschutzbehörde und auch die Kommune förderten das Projekt, das zusätzlich mit den vorhandenen Eigenmitteln der Kirchengemeinde jetzt einen Umfang von 70 000 Euro hat. „Wir können sogar noch Lampen finanzieren und einen Kokosläufer für den Mittelgang“, freut sich Hella Dibbert.

Glocken weisen auf Pilgerwege hin

Wahrscheinlich steht die Rohlsdorfer Kirche auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus, der um 1300 abgebrannt ist. Die heutige Feldsteinkirche in Saalform aus gespaltenen Feldsteinen mit Backsteinkanten und Turm wurde um 1480 errichtet.

Bemerkenswert sind die Kirchenglocken, von denen die kleinste, kegelförmige ohne Inschrift aus dem 13. Jahrhundert stammt. Die mittlere wird auf 1487 datiert, die größte auf 1564. Die mittlere Glocke verfügt über 15 Pilgerzeichen – die bisher höchste Anzahl von Pilgerzeichen auf einer einzigen Glocke im Land Brandenburg. Die Zeichen können einem Wallfahrtsort zugeordnet werden, sodass mittelalterliche Pilgerorte und Pilgerwege rekonstruiert werden können.

Eines der Pilgerzeichen auf der Glocke von 1487 zeigt eine stehende Figur mit langem Gewand, den Apostel Matthäus. Dieses Zeichen tragen auch Glocken in Falkenhagen, Eberswalde und Molchow. Wobei die Falkenhagener Glocke mit zehn Pilgerzeichen im gleichen Jahr – 1487 – gegossen wurde. Das Original des Pilgerzeichens stammt aus Trier.

Seit März wurde am Feldsteinfundament gearbeitet: Die Maurerfirma hat die Wände bis zum Fundamentende freigelegt. Rund 100 Tonnen Erde wurden bewegt, berichtet das Gemeindekirchenratsmitglied. Große Unterstützung sei dabei auch vom Kirchenältesten Willi Fiedler gekommen. Baumwurzeln mussten entfernt werden. Die Ziegel im Inneren der Kirche mussten rundum aufgenommen werden. Außen wurde alles neu verfugt, innen kam frischer Putz auf die Wände. Und immer lagen längere Trockenzeiten zwischen den Arbeitsgängen. „Eine Verbindung zur Wand wurde jetzt vermieden, weil die Ziegel wie ein Schwamm Feuchtigkeit ziehen“, erklärt Hella Dibbert. Erst am Freitag vergangener Woche wurde rund um die Kirche alles wieder verfüllt.

Begleitet wurden die Arbeiten natürlich von der Denkmalschutzbehörde. Ein Restaurator hat die Bauarbeiten begleitet und die einzigartige Wandmalerei unter der Empore saniert und konserviert, die dort freigelegt wurden.

Die Kirchenmalerei im Rohlsdorfer Gotteshaus ist historisch sehr wertvoll

Die Kirchenmalerei im Rohlsdorfer Gotteshaus ist historisch sehr wertvoll

Quelle: Beate Vogel

Ein Teil des Bildes fehlt, weil irgendwann einmal mit Zementmörtel nachgebessert worden ist, der, wie man inzwischen weiß, mehr zerstört als erhält. Für den Laien lässt sich nicht so genau erkennen, was die etwas naiv anmutenden, roten Strichzeichnungen darstellen sollen. „Das wird derzeit von einem Fachmann erarbeitet“, weiß die Gemeindekirchenrätin. Auf jeden Fall sei das Motiv vorreformatorisch und deshalb aus Sicht der Denkmalschützer sehr wertvoll. Irgendwann einmal war wohl die gesamte Kirche mit solchen Motiven ausgemalt, glaubt Hella Dibbert.

Für Dienstag wurden die Maler erwartet. In vier bis sechs Wochen sollen die Arbeiten komplett abgeschlossen sein. Die Rohlsdorfer Kirche wird bei Gottesdiensten regelmäßig von zehn bis 15 Besuchern genutzt. Die Schulklassen, die in der Landscheune einige Tage verbringen, veranstalten Kindergottesdienste. Auch Hochzeiten finden wieder hier statt: Erst vor wenigen Tagen hatte ein Berliner Paar in der Kirche geheiratet – ohne sich von den Bauarbeiten stören zu lassen, erzählt Hella Dibbert schmunzelnd. Die Kirchenbänke, die zur Reparatur komplett ausgeräumt worden waren, hatte die Gesellschaft durch Klappbänke ersetzt.

Von Beate Vogel

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