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Prignitz Rudi, Günter und andere Notfälle
Lokales Prignitz Rudi, Günter und andere Notfälle
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02:15 05.03.2017
Das kleine Hängebauchschwein ist jetzt Dauergast in Struck. Ein Besitzer hatte seinen Hof verlassen, einige Tiere waren schon tot. Quelle: Claudia Bihler
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Struck

Fliegen kann Herr Kranich noch nicht. Doch den Garten der Familie Löblich in Struck (Amt Meyenburg) bewacht er ordentlich: Kaum steht ein Besucher am Gartentor trampelt er alarmierend auf dem Boden herum, lässt den Schnabel über den Gartenzaun holpern, reckt dann den schlanken Hals in die Luft und gibt typischen Alarmrufe der Kraniche von sich. Flugunfähig war er nach Struck zur Wildtierauffangstation gekommen – bald soll er ausgewildert werden.

Uwe Löblich hofft, dass er sich freiwillig seinen Artgenossen anschließt, denn die landen gerne auch mal auf den weitläufigen Flächen vor dem Grundstück.„Am liebsten haben wir es, wenn die Tiere selbst wieder gehen“, sagt er, der ursprünglich einmal Zootier-Pfleger war. Denn auch, wenn längst nicht alle Tiere wieder in die Freiheit entlassen werden können: In Struck werden die meisten von ihnen aufgepäppelt, bevor sie wieder selbstständig in die freie Natur können.

600 Tier pro Jahr zu Gast

Derzeit ist nur verhältnismäßig wenig Betrieb auf der Station. Ein paar Turmfalken warten darauf, ihre Flugkünste wieder am freien Himmel zu üben. Bei den Bussarden steht die Freilassung kurz bevor: „Wir sollten sie in Ruhe lassen, damit sie sich nicht mehr an den Kontakt zu Menschen gewöhnen.“ Erst in den frühen Sommermonaten ist die Belegung auf der Station wieder höher, wenn Finder hilflose Jungtiere ableiferm: Die beiden Betreiber geben Fläschchen oder reichen Jungvögeln Würmer von Hand – rund 600 Tiere sind pro Jahr zu Gast in Struck: „Das ist dann ein echter Vollzeitjob“, sagt Angie Löblich.

Zwei der vier Störche im neusten Gehege in Struck dürfen dieses bald wieder in die Freiheit verlassen. Quelle: Claudia Bihler

In vielen Fällen haben die Tiere bereits einiges hinter sich. „Auch, wenn die Leute es gut meinen, Wildtiere aufzuziehen ist nicht leicht, und man muss sehr viel Fachwissen über jede Art haben“, sagt Angie Löblich. Dann reicht sie dem Marder ein Stück rohes Hähnchen durch die Gitterstäbe: „Manche sehen auch so harmlos aus wie dieser, aber sie haben unglaublich viel Kraft.“ Der harmlos aussehende Geselle zerrt wie zur Bestätigung gierig den Leckerbissen durch das Gitter und verschwindet damit.

Mitgefühl wählt nicht zwischen Arten aus

Seit 2013 ist die Wildtierstation hier angesiedelt. Es sind nicht nur Unfallopfer, die der Verein der Wildtierauffangstation aufnimmt. Manche Tiere, wie etwa eine Schwanendame, kamen mit Missbildungen zur Welt. Und so darf die Schwänin deshalb bleiben, weil ihr die Fettdrüsen fehlen, die dafür sorgen, dass das Gefieder „wasserfest“ wird – schwimmen kann sie so kaum.

Leckerbissen zur Mittagszeit: Angie Löblich füttert den Marder mit Hähnchen. Quelle: Claudia Bihler

Von den vier Störchen, die im größten Gehege in Struck durch die Gegend staksen, werden ebenfalls zwei wieder in Freiheit gesetzt, die beiden anderen bleiben. Und im Nachbargehege genießt ein kleines Hängebauchschwein den Matsch und Modder – der Eber ist eigentlich kein Wildtier, aber er wurde auf einem Hof zurückgelassen, so dass die Strucker ihn aufnahmen: „aus Mitgefühl.“ Dieses Mitgefühl des Strucker Ehepaars wählt nicht zwischen Arten aus. Und so leben auch Krähen und Waschbären auf dem Hof – Tiere, die unter Brandenburgern eher unbeliebt sind. Nebelkrähe Günter und Saatkrähe Rudi verbindet eine ähnliche Geschichte: Beide hatten viel Kontakt zu Menschen.

Wildtiere gehören nicht ins Haus

„Günter hat seinen Besitzer selbst adoptiert, nachdem er diesem aber nicht mehr von der Seite wich, gab der das Tier hier ab“, sagt Angie Löblich. Und Rudi, die Berliner Saatkrähe, war als hilfloses Jungtier von seinem Besitzer großgezogen worden. Nachdem der Rudi in Struck abgab, lebt er nun dauerhaft mit Günter in einem Gehege. Mit Unverständnis reagieren die beiden Strucker auf jene Leute, die Wildtiere als Haustiere halten wollen. „Das kann nicht gut gehen.“ Sobald die Tiere fit fürs Leben in Freiheit sind, werden sie beringt von Löblichs an artgerechten Punkten freigelassen. „Wir haben wenig Rückmeldungen und keinen einzigen Totfund“, sagt Angie Löblich. Nur ein paar Mal gab es Nachricht: Etwa war ein Schwan zunächst in Finnland und dann später noch einmal in Rostock gesichtet worden: lebendig und bester Dinge.

Rudi, die Krähe kann alle Geräusche auf dem Hof nachahmen – selbst das Britzeln eines Schweißgerätes. Quelle: Claudia Bihler

Von Claudia Bihler

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