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Rudower See sorgt für Aufregung

Lenzen Rudower See sorgt für Aufregung

Das Badeverbot und das Fischsterben im Rudower See bei Lenzen bringt die Menschen auf die Barrikaden. Anfang August gründeten einige besorgte Bürger eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Titel „Rettet den Rudower See!“ Jetzt gab es eine Versammlung im Schützenhaus, zu der etwa 60 Menschen aus Lenzen und Umgebung kamen.

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Badestelle am Rudower See. Niemand sollte dort ins Wasser gehen. Es herrscht ein Verbot.

Quelle: Foto: Beeskow

Lenzen. Die Zeit, in der die Lenzener Stadtverordneten die Probleme den Rudower See betreffend aussitzen konnten, ist vorbei. Vielen Lenzenern reicht es jetzt: Erst die vor Wochen verhängte Sperrung das Gewässers für Badezwecke und dann das jüngst eingesetzte Fischsterben. So geschah jetzt das, was schon längst hätte passieren müssen: Anfang August gründeten einige besorgte Bürger eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Titel „Rettet den Rudower See!“ und machten sich erst einmal über die Aktivitäten der Stadt hinsichtlich der Pflege und Reinhaltung ihres Eigentums, welches ja insbesondere für den viel gepriesenen Tourismus ein besonders wichtiges Aushängeschild sein müsste, kundig.

Und da gab es einige Überraschungen, die in einer öffentlichen Versammlung in dieser Woche im Schützenhaus vorgestellt wurden. Gekommen waren etwa 60 Einwohner aus Lenzen und Umgebung, darunter sogar einige Stadtverordnete. Bürgermeister Christian Steinkopf jedoch ließ sich entschuldigen.

Fragen nach der Ursache

Es gab vor allem Fragen: Nach dem Verbleib der am Zufluss des Nausdorfer Kanals errichteten 324 000 Euro teuren und bis 2008 in Betrieb gewesenen Phosphorfällanlage und nach der wirklichen Wasserqualität des Sees, zu der der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Ralf Behrens, offenbar auf widersprüchliche Angaben gestoßen ist. Weiterhin hatten die Mitglieder der AG festgestellt, dass das 168 Hektar große und 7,8 Kilometer lange Gewässer im Landkreis nicht einmal als Badegewässer geführt wird. „Wie kann es dann sein, dass der See dann zum Baden gesperrt wird, und vor allem, von wem, denn ich weiß das lediglich von dem Schild, welches an der Badeanstalt steht?“ fragte Behrens.

Von Falko Dietsch von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises gab es dann eine Erklärung, wie es zu einer Verschlechterung der Wasserqualität in den Sommermonaten kommt: „Durch den Nährstoffeintrag bei hohen Temperaturen.“ Doch auch dazu kamen Einwände: „Anfang August haben wir doch noch gar keine sommerlichen Temperaturen gehabt“, stellte ein Einwohner dazu fest. Bürgermeister Christian Steinkopf hatte dazu in einer anderen Zusammenkunft vor Tagen geäußert: „Ursache ist die starke Verschattung des Sees durch die Erlen am Uferrand“. Doch schaut man sich den im Norden Oberhavels gelegenen Stechlinsee an, der eine Sichttiefe von 4.80 Metern besitzt und laut zuständigem Gesundheitsamt mikrobiologisch nicht zu beanstanden ist, verhält es sich dort anders. Der See ist malerisch mit hohen Bäumen umrandet. Doch so weit braucht man gar nicht zu gehen: Der im Landkreis-Lüchow-Dannenberg liegende Gartower See – nicht „verschattet“ – wurde bereits im Mai wegen Blaualgenbefalls zum Baden gesperrt. Erst seit kurzem ist die Sperrung aufgehoben worden. „Das gab es früher nicht“, war dazu vom dortigen Hauptamtsleiter Lutz Haas zu erfahren, „das haben wir erst seit dem Elbhochwasser 2002!“

Forderungskatalog der Arbeitsgemeinschaft

Zufriedenstellende Antworten auf die Fragen gab es am Abend nicht, dafür aber wehmütige Erinnerungen eingesessener Einwohner, die mit dem Rudower See großgeworden waren: „In den 60er Jahren hatten wir eine Sichttiefe von 2,20 Metern, Stichlinge und Muscheln, nichts ist mehr davon da!“

Die Arbeitsgemeinschaft versprach, sich mit einem Katalog an Forderungen an die Stadt, den Landkreis und das Land zu wenden: dabei geht es etwa um ein Konzept zur Sanierung und Umsetzung der EU-Badegewässerrichtlinie für den See. Regelmäßig soll darüber in den Stadtverordnetenversammlungen berichtet werden. Ebenso auf der Amtsinternetseite.

„Die Stadtverordneten können davon ausgehen, dass wir ihnen jetzt regelmäßig und nachhaltig auf die Finger schauen und uns einmischen, damit sie etwas für unseren See tun, denn wer den See aufgibt, gibt Lenzen auf!“ sagte Behrens.

Der Forderungskatalog kann übrigens im Geschäft Behrens in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 26 in Lenzen eingesehen und unterschrieben werden. Die Arbeitsgemeinschaft will ihn dann bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung vorlegen. Des Weiteren ist unter www.rettet-den-rudower-see.jimdo.com einiges über die Initiative zu erfahren.

Von Kerstin Beck

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