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Ein Paradies für Spinner

Rühstädter Eichen wurden nicht besprüht – nun gibt es viele Raupennester Ein Paradies für Spinner

Im Schlosspark in Rühstädt (Amt Bad Wilsnack/Weisen) ist der Spinner los: Dort krabbeln seit Tagen die dicht behaarten Larven des Eichenprozessionsspinners Eichenstämme hinauf und hinunter. Dabei sollten die kleinen Unruhestifter eigentlich schon längst weg sein, immerhin gab es vor kurzem eine große Bekämpfungsaktion. Scheinbar vergebens.

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Im Schlosspark in Rühstädt fühlen sich die Eichenprozessionsspinner pudelwohl.

Quelle: dpa

Rühstädt. Überall sind die Gespinste zu sehen. Wenn Radfahrer an Brücken oder Parkbänken ein Päuschen machen, laufen sie Gefahr, in die Raupenketten hineinzugreifen. Bekanntlich gehen die unangenehmen Tierchen in langen Prozessionen auf Wanderschaft - daher haben sie ihren Namen.

Die Einwohner von Rühstädt können sich darüber nur wundern: Schließlich hatte es doch erst kürzlich eine groß angelegte Bekämpfungsaktion gegeben, die vom Landkreis organisiert worden war. Und gerade jetzt kommen viele Touristen in das Storchendorf, um den Nachwuchs in den Horsten zu beobachten. Auch der überregionale Elberadweg führt dort vorbei. An dem war auch eine Eiche behandelt worden.

Damit eine ganze Fläche bei der Besprühung mit dem biologischen Mittel Dipel ES berücksichtigt wird, hätte sie vorher gemeldet werden müssen. Beim Landkreis war der Schlosspark Rühstädt aber nicht erfasst. Zuständig waren aber für die Kartierung auch Kommunen und der Landesbetrieb Forst Brandenburg.

Der Schlosspark Rühstädt gehört in die Zuständigkeit der Forst. Er war in die Bekämpfung nicht einbezogen worden, weiß Jörg Gröning. Der Funktionsförster in der Oberförsterei Bad Wilsnack ist für die Schädlingsbekämpfung zuständig. "Waldflächen hatten wir keine dabei", sagte er auf Nachfrage. Er reagierte überrascht auf die Beschreibung der Lage im Schlosspark: "Da muss ich gleich nachsehen."

Üblicherweise laufe es so, dass die besprühten Flächen regelmäßig kontrolliert werden - etwa bis Mitte Juli. So werde festgestellt, wie erfolgreich das Mittel Dipel ES gewirkt hat. Die gefährdeten Gebiete werden dann für das kommende Jahr zur Behandlung angemeldet. "Voriges Jahr war die Fläche besprüht worden, danach war die Bewertung gut", so Gröning. Deshalb habe der Landesbetrieb Forst entschieden, den Schlosspark für die diesjährige Aktion nicht anzumelden. Mitunter würden aber auch Flächen nachgemeldet, wenn sich die Population der Eichenprozessionsspinner im Nachhinein doch noch anders entwickelt als erhofft.

Nachwuchs mit gefährlichen Brennhaaren

Per Hubschrauber wird das biologische Mittel Dipel ES über Flächen ausgebracht, die vom Eichenprozes sionsspinner befallen sind. Das Zeitfenster für die wirksame Bekämpfung ist klein: Etwa 14 Tage im Frühjahr, je nach Witterung im April oder Mai.
Geflogen wird über Flächen , die nach Kontrollen im Vorjahr von den zuständigen Körperschaften gemeldet wurden: Landkreis, Kommunen oder Privatpersonen. In Einzelfällen wird auch vom Boden aus gegen den Schädling vorgegangen.
Die Larven des Falters der Eichenprozessionsspinner sind wegen ihrer Brennhaare für Mensch und Tier gesundheitsgefährdend. Die über Jahre wirksamen Haare können schwere allergische Reaktionen aus lösen.
Bürger in Rühstädt oder anderen Gemeinden in der Umgebung, auf deren Grundstücken ein Befall vorliegt, sollten dies dem zuständigen Amt Bad Wilsnack/Weisen melden unter Tel. 03 87 91 / 99 90.

Derzeit seien die Forstleute auf den jüngst behandelten Flächen unterwegs und kontrollieren noch bis 15. Juli, wie wirksam die Besprühung aus der Luft im Mai und April war. "Grundsätzlich gucken wir auch vor dem 21. Juni", so Gröning. Danach erfolge der Johannistrieb - die Eichen treiben ein zweites Mal aus - und dann sehen die Bäumen wieder gut aus. "Im Schlosspark in Rühstädt kann man nur noch vom Boden aus absaugen", meint der Förster.

Auch von anderer Seite ist man bereits aktiv geworden: Der Tourismusverband Prignitz hat laut Katharina Zimmermann bereits den Landkreis auf die Lage in Rühstädt aufmerksam gemacht. "Wir wollen das Problem nicht unnötig aufbauschen, es aber auch nicht wegreden. Das sind punktuelle Erscheinungen", sagt die Verbandsmitarbeiterin. Auch in Quitzöbel gebe es Eichenprozessionsspinner. Deshalb sollen die Radtouristen und auch die Bürger gewarnt werden. Und im Schlosspark in Rühstädt werde demnächst etwas passieren.

"Wir raten zur Vorsicht und machen darauf aufmerksam, dass die Leute sich nicht gerade an einen der befallenen Bäume lehnen." Diese sollen demnächst eine entsprechende Banderole bekommen, so Katharina Zimmermann. Sie selbst habe die Gegend im Winter auf den Befall untersucht und dabei allerhand Nester in den Eichen gefunden. "Die waren aber alt und vom vergangenen Jahr." Eine Patentlösung, wirksam gegen die Eichenprozessionsspinner vorzugehen, gebe es wohl leider noch nicht.

Von Beate Vogel

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