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Prignitz Freud und Leid des Schäfers
Lokales Prignitz Freud und Leid des Schäfers
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00:22 28.03.2018
Beim Schäfer Wolfgang Sowada in Kolrep gibt es derzeit viel Nachwuchs. Das kleine Lamm ist gerade einen Tag alt und noch etwas wacklig auf den Beinen. Quelle: Cornelia Felsch
Kolrep

Wenn Wolfgang Sowada seinen Stall betritt, setzt ein gemütliches Mähen ein, es klingt melodisch und zufrieden. „Wenn die Schafe Hunger haben, dann ist es hier viel lauter“, sagt Wolfgang Sowada, der seit 30 Jahren seine Schafe in Kolrep, in der Prignitz hütet. Im dicken Stroh tollen die Lämmchen herum und trinken je nach Lust und Laune bei ihren Müttern. Für die Weide sind sie noch zu klein. Flaschenlämmer, die nicht bei der Mutter trinken können, zieht der Schäfer mit der Flasche auf. Sie sind in einem Extra-Gehege, für das der Sohn ein Gestell aus Holz angefertigt hat, in das die Flaschen schräg hinein gesteckt werden können – eine Flaschenbar bereit zur Selbstbedienung.

Gerade ist ein Lamm geboren worden

Nachdem sich die erste Aufregung im Stall gelegt hat, kommen die größeren Lämmer wieder etwas dichter heran und legen ihren Kopf an die Beine des Schäfers. Es ist ein harmonisches Verhältnis zwischen Schäfer und Schafen. Zwischen den schwarzköpfigen Fleischschafen, die recht schnell wachsen und kräftig werden, sind auch einige helle Landschafe. Gerade gestern wurde ein Lamm geboren. Noch steht es etwas wacklig auf den Beinen. Mitte Januar sind die ersten Lämmer auf die Welt gekommen. Im Mai, wenn sie verkauft werden, kommt bereits der nächste Nachwuchs.

Für den Schäfer beginnt mit dem Lammen eine besonders stressige Zeit – zehn bis zwölf Stunden Arbeit sind täglich die Normalität. Wolfgang Sowada will kein Risiko eingehen, deshalb schaut er in dieser Zeit lieber einmal öfter nach seinen Tieren. Aber die übliche Arbeit muss auch erledigt werden – Klauen schneiden, Wasser und Futter herbei schaffen, ausmisten und neues Stroh einstreuen sowie Reparaturen erledigen. Früh am Morgen heizt er seinen Ofen im Bauwagen an, das Essen bringt er sich von zu Hause mit.

Schäfer Wolfgang Sowada in Kolrep bei seiner Herde. Quelle: Cornelia Felsch

Das Bild das sich viele Menschen von diesem Beruf machen, ist allerdings meist ein anderes – oft geprägt von alten Ölbildern. Dort liegt der Schäfer im Schatten unter einem Baum und spielt ein wenig auf der Flöte, während die Tiere friedlich grasen. Er braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Tiere liefern ihm Fleisch, Milch und Wolle. Sie pflegen die Landschaft. Der Wolf ist nicht zu sehen und der Betrachter ahnt nichts von schrumpfenden Schafzahlen, spekulativen Landaufkäufen und Billigimporten.

Heute kommen die wenigen Schäfer, die es noch gibt, nur mit Agrarförderung und Landschaftspflege halbwegs über die Runden. Die Zahl der Schafe hat sich in den vergangenen Jahren in Brandenburg fast halbiert. Die Schäfer sind mittlerweile vom Umweltschutz abhängig und Nachwuchs gibt es kaum noch.

Die Schäfer bekommen kaum noch Geld für die Wolle ihrer Tiere

„Die Wolle geht nach China und Portugal, denn in Deutschland gibt es keine Wollkämmerei mehr“, sagt Wolfgang Sowada. Auch die Preise sind drastisch gesunken. Vor der Wiedervereinigung bekam ein Schäfer noch vier Mark für ein Kilogramm Wolle, heute sind es geringe Centbeträge oder gar nichts. „Ich muss die Schafe ja scheren lassen und das kostet mich pro Tier mehr als zwei Euro“, sagt der Schäfer. Ende März kommen wieder vier Schafscherer aus Polen zu ihm.

„Die kommen um 9 Uhr und sind um 16 Uhr fertig.“ Wolfgang Sowada ist noch gut dran, denn ein Händler holt die Wolle bei ihm ab. Oftmals landet die Wolle im Müll oder auf dem Kompost. Auch der Fleischverkauf bringt dem Schäfer keine Reichtümer, denn die Deutschen sind keine großen Lamm-Esser. Er ist froh wenn ab und an ausländische Lammfleisch-Liebhaber bei ihm vorbei schauen.

Beim Schäfer Wolfgang Sowada in Kolrep Quelle: Cornelia Felsch

Der 63-Jährige, der gerade wieder einen Kredit bei der Bank aufgenommen hat, wirkt etwas müde, wenn er von all den Schwierigkeiten erzählt. Dennoch liegt ihm das Jammern nicht. Dazu liebt er seinen Beruf viel zu sehr. Er schreitet lieber zur Tat. Unter den 300 Schäfern, die Anfang März in Berlin für die Einführung der Weidetierprämie demonstrierten, war auch Wolfgang Sowada – mit fünf anderen Prignitzer Schäfern. Viele von ihnen können sich kaum über Wasser halten, obwohl sie ökologisch hochwertige Lebensmittel erzeugen und unsere Kulturlandschaft pflegen.

Wolfgang Sowada selbst hat 300 Mutterschafe, mit denen er unter anderem auf sieben Hektar Hochmoor Landschaftspflege betreibt. Doch die moderne Zeit bringt weitere Probleme mit sich. Gerade hat Wolfgang Sowada mit Hilfe von Fördergeldern einen wolfssicheren Zaun angeschafft. Bisher hat ihn Isegrim zwar noch nicht heimgesucht, doch er möchte kein Risiko eingehen. In seiner Herde leben jetzt auch zwei Pyrenäenberghunde. Die großen weißen Tiere mit dem dichten Fell bleiben rund um die Uhr bei den Schafen.

Die Herdenschutzhunde sind bestens ausgebildet. Als wären sie Bestandteil einer Familie, vertreiben sie jeden, der sich unerlaubt der Herde nähert. Der Schäfer hofft, dass sich auch menschliche Diebe davon abschrecken lassen, die ihn schon mehrmals heimgesucht haben. Vor acht Jahren wurden ihm 50 Schafe gestohlen, auch Netze und Batteriegeräte hat er bereits eingebüßt.

Schäfer fordern Weidetierprämie

Am 13. März forderten 300 Schäfer aus ganz Deutschland bei einer Demonstration in Berlin die Einführung einer Weidetierprämie.

Gezahlt wird die staatliche Unterstützung dafür, dass Schäfer ihre Tiere nicht im Stall halten sondern draußen grasen lassen – was auch der Landschaftspflege dient.

Die Weidetierprämie ist eine jährliche Direktzahlung zusätzlich zur Flächenprämie. 22 europäische Mitgliedsstaaten fördern ihre Schäfer bereits mit 500 Millionen Euro im Jahr.

Förderbar sind die im Betrieb gehaltenen Muttertiere. Eine Förderung auf Flächenbasis ist gesetzlich nicht möglich.

Der Bundesverband der Berufsschäfer fordert eine Weidetierprämie in Höhe von 38 Euro je Mutterschaf oder -ziege.

Für die Einführung ab dem 1. Januar 2019 reicht eine Meldung der Bundesregierung an die Europäische Kommission bis zum 1. August 2018.

In Thüringen plant die Landesregierung derzeit eine Prämie für jedes Muttertier. Ein ähnliches Modell gab es bis 2005 in der EU.

Von Cornelia Felsch

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