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Prignitz Schauspieler warnt eindringlich vor Komasaufen
Lokales Prignitz Schauspieler warnt eindringlich vor Komasaufen
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00:17 15.07.2016
Eisi Gulp auf Tuchfühlung mit den Schülern der Rochowschule. Quelle: Andreas König
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Pritzwalk

Wie er da so steht mit Hut, offenem Hosenstall und freiem Oberkörper, „b’suffa“ bayrisch redend, sieh er aus, wie eine Karl-Valentin-Version aus der Hölle. Eisi Gulp, Schauspieler, Kabarettist, Komödiant und Drogengegner gibt im Spiegelsaal der Rochow-Oberschule gleich mehrere Rollen: Kettenraucher, Säufer, Kiffer, der drahtige Mann mit dem spitzen Gesicht lässt kaum ein Suchtkrankheitsbild aus. Rund 110 Schüler der 8. Klassen verfolgen die Spielszenen, mal lachend, mal zusammenzuckend.

Eisi Gulps Auftritt wirkte fast schon beängstigend

Fast schon beängstigend echt wirkt Eisi Gulps Auftritt, als er die durch die Stuhlreihen schwankt, Jungs wegen ihres (noch) prachtvoll wachsenden Haarschopfs anmacht – alles im Suff, versteht sich. Dann auf der Bühne zeigt er pantomimisch, wie es zugeht, beim Kampftrinken und Komasaufen. Er greift ein Glas nach dem anderen vom imaginären Tablett, stürzt den scheinbaren Inhalt hinunter, lallt dabei immer stärker und ist plötzlich nur noch ein Häufchen Elend. Dann begibt er sich aufs WC, um dem weißen Sanitärporzellan sein Gesicht zu zeigen, obwohl es dafür doch überhaupt nicht geschaffen ist. Dem Publikum zieh sich beim Zuschauen der Magen zusammen, als die „Schnäpse“ und anderer Mageninhalt gespieltermaßen in der Schüssel landen.

Die „Hackedicht“-Schultour

„Hackedicht oder was“ lautet der Titel des Präventionsprojektes, das Eisi Gulp gemeinsam mit der Krankenkasse Knappschaft und dem Deutschen Kinderschutzbund veranstaltet.

Die Rochowschule hat sich um die Teilnahme beworben, sagt Sozialarbeiterin Eike Neumann. Pro Jahr kommt Eisi Gulp an 25 Schulen und erreicht so rund 5000 Schüler. akö

Eine betrunkene Frau ist nicht schön oder sexy

„Brauche ich das wirklich“, fragt Eisi Gulp sich und einige Schüler in der ersten Reihe. „Ist es das wirklich wert?“ Überraschenderweise lautet die Antwort trotz de intensiven Spiels zweimal ja, einmal sogar aus dem Munde eines Mädchens. „Da kann ich auch nicht helfen“, sagt der Schauspieler. „Aber ihr solltet wissen, dass ein Mann an einer betrunkenen Frau nichts schön oder aufregend findet, und sexy ist das schon gar nicht.“

Zigarettenindustrie will Jugend „verarschen“

Trotz seiner 60 Jahre ist der Münchner dicht dran an der Erlebniswelt seiner jugendlichen Zuhörer. Er weiß natürlich, dass mit dem Ausleben der Sucht eigentlich andere Probleme überspielt werden sollen. Gegen das Rauchen hat Eisi Gulp beispielsweise einen entwaffnenden Einwand: „Das Zeug turnt nicht einmal. Die wollen euch nur verarschen.“ Das Argument verfängt bei der Zielgruppe.

Prägendes Erlebnis mit einem Heroinsüchtigen im Krankenhaus

Aber warum engagiert sich der Schauspieler und Kabarettist so stark gegen Droge jedweder Art? „Ich hatte mich bei einer Afrikareise mit Malaria angesteckt und lag im Krankenhaus in München mit anderen Infektkranken auf Station. Darunter ein 21-jähriger Heroinsüchtiger, der sich an einer dreckigen Nadel mit Hepatitis infiziert hatte. „Nach Tagen kam seien Mutter zu Besuch. Anstatt zu fragen, wie es ihm geht, beschimpfte sie ihn 40 Minuten lang als Abschaum, Kriminellen und so weiter. Als sie endlich weg war, ging der junge Mann ins Bad. Ich wurde miss­trauisch, leider zu spät, Er hatte sich den goldenen Schuss gesetzt und war in der Badewanne ersoffen.“

Suchtkranken darf man nicht verteufeln, man muss ihnen helfen

Es bringe nichts, Suchtkranke zu verteufeln, man müsse ihnen helfen, „denn letztlich sind es Kranke“. Allerdings müssten viele erst gehörig leiden, ehe sie von ihrer Sucht loskommen. Daher sei es das Beste, gar nicht erst anzufangen. Mit einem glühenden Appell gegen Fremdenfeindlichkeit und für Menschlichkeit schließt das Programm. Zwei Jungen kommen zu ihm und sagen „Geil, dass Sie das zum Schluss gesagt haben.“

Von Andreas König

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