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Schläger muss für viele Jahre hinter Gitter

Perleberg Schläger muss für viele Jahre hinter Gitter

Eine völlig unerklärliche Gewaltbereitschaft bescheinigte das Landgericht Neuruppin einem 45-jährigen Wittenberger. Das Gericht verurteilte ihn zu sechseinhalb Jahren Haft. Es sah als erwiesen an, dass der Angeklagte 2007 einen 30-Jährigen so geprügelt hat, das dieser an den Folgen starb. Auch andere hatten die Fäuste des Angeklagten zu spüren bekommen.

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Quelle: dpa

Perleberg. Es war eine quälende Zeit für die Familie, nicht zu wissen, was mit dem Sohn und Bruder passiert ist. Der 30-jährige Marko F. war im Januar 2007 tot in seiner Wohnung in Perleberg gefunden worden. Nun haben seine Angehörigen die Gewissheit, dass Heiko G. den jüngeren Mann so misshandelt hat, dass der an den Verletzungen starb.

Opfer zu Tode geprügelt

Die erste große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin verurteilte am Freitag den 45-jährigen Wittenberger wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe, darüber hinaus wegen zwei weiteren Körperverletzungen und einer Bedrohung zusätzlich zu zwei Jahren Haft. Außerdem wird wohl eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten widerrufen werden. Acht Jahre hinter Gittern liegen nun vor ihm.

Angeklagter hat ein Gewalt- und ein Alkoholproblem

„Wenn ich es wirklich war, was ich nicht weiß, so tut es mir aufrichtig Leid. Es war falsch und unangemessen“, entschuldigte sich der Angeklagte bei den Angehörigen. Nach Überzeugung des Gerichts hatte Heiko G. eine schwierige Jugend, in der Gewalt an der Tagesordnung war. „Seine Gewaltbereitschaft hat sich entwickelt und verfestigt“, sagte Richter Udo Lechtermann. Dazu komme ein Alkoholproblem. Die Versuche, beides in den Griff zu bekommen, seien gescheitert.

2007, zwischen zwei Gefängnisaufenthalten, trank Heiko G. nach Überzeugung des Gerichts mit wechselnden Kumpanen, darunter auch mit dem späteren Opfer Marko F. Der wurde wohl von vielen ausgenutzt und war oftmals Gewalt ausgesetzt.

Dem Zechkumpan die Rippen gebrochen

So wie auch an jenem Januartag: Der Angeklagte war bei Marko F. zu Besuch. Heiko G. störte sich am Geruch seines Gastgebers und schlug zu. „Aus Spaß“, wie er dem Gericht gegenüber versicherte. Das nahmen ihm die Richter nicht ab. Die Schläge waren heftig, so heftig, dass Marko F. über Atemnot klagte und sich vor Schmerzen krümmte. „Es war für den Angeklagten vorhersehbar, dass schlimme Folgen, auch der Tod, eintreten konnten“, so der Vorsitzende Lechtermann. Rechtsmediziner König hatte mehrere Rippenbrüche festgestellt. Letztlich führte ein Schock zu einem Kreislauf-Versagen. Die Misshandlungen waren die Todesursache und nicht ein Zuckerschock, eine Alkoholvergiftung oder ein epileptischer Anfall. Diese von Verteidiger Christoph Balke aufgestellte Theorie läge außerhalb jeglicher Lebenserfahrung, so Lechtermann.

Mit Schuld viele Jahre gelebt

Der Angeklagte habe auch befürchtet, dass seine Schläge den Tod von Marko F. verursacht hat. Vielen Jahre nach der Tat hatte er sein Herz seinem Neffen ausgeschüttet, der den Fall ins Rollen brachte. Und dazu auch vor Gericht stand, obwohl der Angeklagte ihm zuvor gedroht hatte, er werde die Gerichtsverhandlung nicht mehr erleben.

„Der Angeklagte hat eine völlig unerklärliche Gewaltbereitschaft, der er freien Lauf lässt“, sagte Lechtermann. Das zeigten auch die anderen Körperverletzungen. „Aus dem Nichts heraus wird brutale Gewalt angewendet.“ Das Gericht gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich der Angeklagte in den kommenden Jahren ändert. Denn: „So sind Sie eine tickende Zeitbombe und für die Allgemeinheit gefährlich.“

Für den Verteidiger überwogen jedoch die Zweifel an der Täterschaft seines Mandanten. Er hatte Freispruch gefordert.

Von Dagmar Simons

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