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Schlechte Ernte, schlechte Preise

Halenbeck Schlechte Ernte, schlechte Preise

In Halenbeck läuft die Getreideernte auf Hochtouren, doch Optimismus kommt nicht so recht auf: Das Wetter hat nicht nur für geringe Ernteerträge, sondern auch für eine schlechte Qualität der Produkte gesorgt. Zudem sorgen niedrige Getreidepreise auf dem Weltmarkt für gemischte Erntegefühle.

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Erntemarathon: Nach der Gerste sind auch Weizen und Raps angesichts der Witterung schon fast erntereif – mit entsprechend geringeren Erträgen.

Quelle: Claudia Bihler

Halenbeck. Was an Technik und Arbeitskraft vorhanden ist, haben die Landwirtschaftsbetriebe zurzeit Zeit im Einsatz: Auch bei der Agrargenossenschaft in Halenbeck sind die Mitarbeiter fast rund um die Uhr im Einsatz. „Am Sonntagabend haben wir bis um 23 Uhr gearbeitet“, sagt Geschäftsführer Uli Kieback, der an diesem Tag selbst auf dem Traktor sitzt, „am Montag haben wir um 11.30 Uhr wieder mit der Ernte begonnen, aber schon um sieben haben alle gearbeitet, schließlich müssen auch andere Arbeiten erledigt und die Tiere versorgt werden.“

„In diesem Jahr hat es uns nicht so gut getroffen“, sagt der Halenbecker Landwirt. Vor allem im Norden des Landes Brandenburg hatte es in den Monaten März bis Mai eine anhaltende Dürreperiode gegeben: „Im Juni hatten wir dann fast 80 Liter Niederschläge auf einmal, das war mehr als in den ersten drei Monaten zusammen.“

Generalstabsmäßiger Ernteeinsatz  in Halenbeck, auch Uli Kieback sitzt auf dem Traktor

Generalstabsmäßiger Ernteeinsatz in Halenbeck, auch Uli Kieback sitzt auf dem Traktor.

Quelle: Claudia Bihler

Entsprechend mager sieht die Erntebilanz aus:.Schon im Winter hatte die junge Saat unter einer Kälteperiode gelitten: Schnee gab es keinen, dafür Temperaturen bis zu minus 14 Grad Celsius – dunkle Stellen auf den Stoppelfeldern sind davon bis heute zu sehen. In der Hauptwachstumsperiode fehlte dann das Wasser: Das Getreide bildete nur so viel Korn aus, wie mit den geringen Wasserrationen auch reif werden konnte, die Wassermassen der vergangenen Wochen konnten das Sparprogramm der Gerste auch nicht mehr abändern.

Entsprechend gering fällt jetzt die Ernte aus. Dennoch wird bei allen Landwirten im Halenbecker Raum im Akkordtempo geerntet. Die Witterungsbedingungen haben nämlich nicht nur die Gerste beeinträchtigt. Raps und Weizen sind angesichts der Witterung viel trockener, als dies eigentlich der Fall sein sollte – auch deren Ernte muss also in Kürze beginnen.

Hinzu kommt, dass auch die Qualität des Getreides nicht gut ist. Und was eventuell noch viel schwerwiegender ist: Die Preise für Getreide sind im Keller. Als Hans-Georg Voss, Niederlassungsleiter beim Landhandel Peters in Gerdshagen, die Annahmepapiere ausstellt, weiß er ganz genau, dass die Stimmung bei den Landwirten im Moment nicht die beste ist: „Schlechte Preise, schlechte Ernte“, meint er, und lässt Uli Kieback mit seinem Traktor vor dem Silo anhalten, wo die Ladung gelöscht wird. Der Preis, der beim Landhandel bezahlt wird, orientiert sich am Weltmarkt – und dort sind die Preise auf einem Tiefstand.

Beim Landhandel werden Proben von der geernteten Gerste genommen

Beim Landhandel werden Proben von der geernteten Gerste genommen.

Quelle: Claudia Bihler

Bis Kieback wieder losfahren kann, wurden im Labor schon Proben genommen, die Zwillinge Pauline und Stefanie Kipper bestimmen die Qualität der Lieferung und verdienen sich dabei ein kleines finanzielles Polster für ihr bevorstehendes Studium.

Die Zeit drängt, der Traktor muss zurück aufs Feld, um weitere Ladung von den Mähdreschern aufzunehmen, die bereits den nächsten Schlag dreschen. Die niedrigen Preise schlagen in diesem Jahr sogar dem meist optimistischen Landwirt aus Halenbeck auf die Stimmung. „Die Welt hat kein Geld mehr“, sagt Uli Kieback. Anders formuliert es die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD: „Ein stockendes globales Wirtschaftswachstum“ wird prognostiziert. Die Organisation geht davon aus, dass auch in den kommenden Jahren kaum noch hohe Getreidepreise zu erzielen seien.

Auf etwa 50 Prozent weniger Ertrag im Vergleich zum Vorjahr summieren sich nach Kiebacks Meinung die drei Faktoren Menge, Qualität und Weltmarktpreis. „Andererseits müssen wir Bauern immer mal mit einem Jahr rechnen, in dem es nicht so gut läuft. 2015 lief es bei uns gut, dafür hatten die Bauern im Süden weniger Erträge.“

Von Claudia Bihler

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