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Schönhagener Agrarbetrieb will investieren

Milchpreis gefährdet Wachstum Schönhagener Agrarbetrieb will investieren

Die Agrarfirma PBK aus Schönhagen will in einen neuen Rinderstall investieren. Doch unerwartete Umweltauflagen und der niedrige Milchpreis bringen das Vorhaben ins Stocken. Der sechseckige Rinderstall wäre eine Neuerung, die es so international noch nicht gibt.

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Christian Beckmann, Geschäftsführer der PBK Rinderzucht Schönhagen, vor einem neugebauten Rinderstall.

Quelle: Fotos (3). Andreas König

Schönhagen. Der Geschäftsführer ist ebenso jung wie seine Mannschaft. Christian Beckmann würde gern durchstarten mit dem neuen Rinderstall und der Optimierung der Biogasanlage, aber es geht nicht so voran, wie Christian Beckmann das gern möchte.

Voller Elan und Optimismus hatte der 28-Jährige Chef im Pritzwalker Umweltausschuss seine Pläne für die Erweiterung der Milchproduktion in Schönhagen vorgestellt. Die Mitglieder waren davon so angetan, dass sie eine Änderung des Flächennutzungsplans befürworteten, was die Stadtverordnetenversammlung dann auch einstimmig beschloss.

Auf dem weiträumigen Gelände der PBK Rinderzucht in Schönhagen herrscht Betriebsamkeit, aber der ganz große Aufbruch lässt noch auf sich warten. Warum?

„Da gibt es mehrere Gründe“, sagt Christian Beckmann. Zum einen sei da der ruinöse Milchpreis von derzeit gerade noch 27 Cent je Liter. „Selbst bei 33 Cent müsste unsere Milchproduktion von den anderen Betriebsteilen der PBK-Holding quersubventioniert werden, aber der gegenwärtige Preis geht gar nicht“, sagt Christian Beckmann. Als ob die Niedrigpreisphase nicht schon schlimm genug wäre: Nun hat sich herausgestellt, dass ein Teil des für die Erweiterung der Anlagen vorgesehenen Landes in einem europäischen Vogelschutzgebiet und im Landschaftsschutzgebiet Stepenitz liegt. „Also muss der ganze Zyklus durchlaufen werden“, sagt Christian Beckmann, „Umweltverträglichkeitsprüfung, Stellungnahmen und Antrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.“

Die PBK Rinderzucht in Schönhagen hat 1100 Rinder, davon 542 Milchkühe. Doch damit kann sie seit dem Wegfall der Milchquote nicht wirtschaftlich genug produzieren. „Wir haben uns also zusammengesetzt und überlegt, was wir tun können. Die einzige Antwort auf diese Frage lautet Steigerung der Produktivität“, erläutert Christian Beckmann. An die Steigerung der Milchleistung pro Kuh ist ohne Neuinvestition allerdings nicht zu denken. Dabei produzieren die Kühe in den Schönhagener Ställen bereits auf hohem Niveau Milch. „Mit einer Leistung von 11 300 Litern Milch pro Kuh und Jahr sind wir der beste Betrieb in der Prignitz und im Land Brandenburg belegen wir im vergangenen Jahr Platz 23“, sagt Christian Beckmann. Doch genüge das nicht, den Betrieb zukunftsfähig zu gestalten. „Ich habe derzeit 18 Mitarbeiter, das Durchschnittsalter liegt bei 41, was ein extrem guter Wert für unsere Region ist. Ich möchte auf jeden Fall alle Mitarbeiter behalten.“

Die Ställe wurden 1972 erbaut. Natürlich hat hier und da der Fortschritt Einzug gehalten, aber eine effektive Produktion, wie sie dem Geschäftsführer vorschwebt, ist nur mit einem neuen Stall zu schaffen. „Wir wollen die Zahl der Milchkühe auf 960 erhöhen“, erklärt Christian Beckmann. Doch das sei erst möglich, wenn die Biogasanlage optimiert wird. „Unser Ziel ist es, den Maiseinsatz in der Biogasanlage zu reduzieren“, sagt Christian Beckmann.

Das geht jedoch nur, wenn die bestehende Biogasanlage im Gärvolumen vergrößert wird. Der Anteil von Gülle und Mist in der Anlage soll auf über 75 Prozent gesteigert werden.

Der Geschäftsführer sieht darin nur Vorteile: Der Kuhkomfort würde sich erhöhen, die Milchleistung pro Tier steigen, die Mitarbeiter müssten weniger körperlich arbeiten, das Aufkommen von Transporten durch die Stadt Pritzwalk würde sinken, und die Rentabilität des Unternehmens würde deutlich steigen.

Für den Rinderstall hat sich der gelernte Landwirt und studierte Agrarwirtschafter eine Neuerung ausgedacht: „Wir wollen einen sechseckigen Rinderstall bauen. In dessen Mitte sollen sich die Melkroboter befinden und in den Sektoren nach außen hin Futter- und Liegeplätze“, sagt Christian Beckmann. Das Projekt sei so innovativ, dass sich ein amerikanischer Professor von der Universität Madison in Wisconsin bereiterklärt hat, die PBK Rinderzucht wissenschaftlich zu begleiten. Eigentlich sollte das rund 4 Millionen Euro teure Konzept bis 2018 umgesetzt sein. Doch das ist kaum noch zu schaffen. Und der Milchpreis fällt weiter, am Mittwoch lag er bei 26 Cent.

Agrarfirmenverbund PBK

Die PBK besteht aus mehreren Firmen. Muttergesellschaft ist die PBK Vermögensverwaltungs-AG. Die Abkürzung steht für die Anfangsbuchstaben der Standorte der drei Marktfruchtbetriebe: Pritzwalk, Buchholz und Kemnitz. Viertes Unternehmen ist die PBK Rinderzucht in Schönhagen mit Christian Beckmann als Geschäftsführer.

Letzteres Unternehmen plant, sowohl einen neuen Kuhstall zu errichten als auch die innerbetrieblichen Abläufe effektiver zu gestalten. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft soll konsequent umgesetzt werden. Geschäftsfelder sind die Milchproduktion und die Energiegewinnung. Die vorhandene Photovoltaikanlage soll erweitert werden. Zudem soll die Biogasanlage so modernisiert werden, dass weniger Mais zum Einsatz kommen müssen. Das erhöht den Wirkungsgrad und senkt die Zahl der Transporte.

Christian Beckmann hat das Gymnasium Pritzwalk besucht und eine Ausbildung zum Landwirt mit Fachabitur absolviert. Von 2007 bis 2010 studierte er Agrarwirtschaft in Bingen am Rhein.

Von Andreas König

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