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Schützen sind auf Nachwuchssuche

Meyenburg Schützen sind auf Nachwuchssuche

Volle Konzentration, Ruhe und Ausgeglichenheit ist gefragt beim Training auf dem abgelegenen Schießstand der Frehner-Meyenburger Schützengilde 1848/1990 in der Meyenburger Thur. Der Verein leidet wie viele andere an Nachwuchsmangel. Extra für die Jugend haben die Schützen eine Bogenausrüstung angeschafft.

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Martin Müller an der Bogenschießbahn. Da sind Ruhe und Konzentration gefragt.

Quelle: Beate Vogel

Meyenburg. Wer die Mitglieder der Frehner-Meyenburger Schützengilde 1848/1990 besuchen will, muss sich erst durch unwegsames Dickicht kämpfen. Mit einem verkehrstauglichen Pkw ist das aber zu packen. Der Schießstand der Schützen liegt weitab vom Schuss in der Meyenburger Thur. Gildepräsident Eckhard Britt sieht das durchaus als Vorteil – wegen der Sicherheit und wegen der Lärmbelästigung. Die dürfte bei 3,5 Kilometern Abstand zur nächsten Wohnbebauung kaum eine Rolle spielen. Der Nachteil sei allerdings, dass bis zum Schützenhaus weder Strom noch Wasser verlegt sind.

Die Schießstände sind so angelegt, dass Querschläger vermieden werden. „Da gelten knallharte Regeln“, sagt der Vereinschef. Es gibt Sandfänge und Blenden, die verhindern, dass sich zum Beispiel auf dem 25 Meter tiefen Schießstand für Kleinkaliber- und Großkaliberpistolen Kugeln verirren. „Querfliegende Luftdruckmunition aus einem Kleinkalibergewehr kann durchaus 2000 Meter weit fliegen“, erklärt Eckhard Britt. Zudem gibt es beim Training der Schützen einen Schießleiter und eine Aufsicht. Alles entspricht genau den Vorschriften. „Das wird regelmäßig streng kontrolliert“, so der Vereinsvorsitzende. Ein Tüv für den Schießstand ist alle drei bis vier Jahre fällig. „Und der ist härter als der Pkw-Tüv.“ Die 1000 Euro dafür trägt der Verein.

1990 hat sich die Frehner-Meyenburger Schützengilde mit ein paar Mann neu gegründet, erzählt Britt. Ihr Domizil fanden sie auf dem alten Schießstand aus DDR-Zeiten, den sie sich herrichteten. Neben den beiden Bahnen für Pistole und Gewehr stehen den Schützen inzwischen ein Luftcontainer mit einer Zehn-Meter-Bahn für Pistole und Luftgewehr sowie seit 2013 eine Bogenschießbahn zur Verfügung. Seit 1998 ist Eckhard Britt der Vorsitzende des Vereins. Zwischenzeitlich hatte dieser 140, um die Jahrtausendwende um die 75 Mitglieder. Aktuell gibt es 37 Aktive.

Schießen ist ein teurer Sport

Wie andere Vereine leidet auch die Schützengilde unter Nachwuchsproblemen. „Schießen ist ein teurer Sport“, sagt Britt, „allein für die Munition kann man an einem Trainingswochenende schon mal 30 bis 40 Euro los sein.“ Zur Traditionspflege gehöre auch die Uniform, die nicht billig sei. Weil viele Mitglieder in den Jahren nach der Wende den Job verloren und ihnen das zu viel war, traten sie aus.

Die sportliche Saison beginnt bei den Schützen im Februar, weiß der Vereinsvorsitzende. Über den Winter befassen sich die Schützen mit Vereinsinterna. Das Training sei witterungsabhängig: „Bei 5 Grad Celsius brauchen Sie eine ein Kilogramm schwere Pistole nicht zu halten.“ Im Sommer kann schon mal die hohe Waldbrandwarnstufe ein Training verhindern. „Dann sperren wir den Schießstand.“

Schießsport hat nichts mit Action zu tun, eher mit Ruhe und Konzentrationsfähigkeit. „Man muss abschalten können, runterfahren, den Kopf völlig freimachen“, so Britt. „Sonst trifft man nicht.“ Nicht jeder Tag ist gleich und jeder Stand ist anders, so seine Erfahrung. Beim alljährlichen und recht beliebten Bürgerschießen, das der Verein zum Meyenburger Stadtfest anbietet, seien meist die Frauen besser.

Bogenschießen eigens für die Jugend

Zum Vereinsleben gehören auch Arbeitseinsätze. Das Gelände und die Schießanlagen in der Meyenburger Thur müssen gepflegt und erhalten werden. Demnächst ist die Holzverkleidung wieder an der Reihe. In der Vergangenheit hatte es eine Zeit lang wiederholt Einbrüche auf dem abgeriegelten Gelände gegeben. „Die Täter haben wohl gedacht, dass sie hier Waffen und Munition finden“, mutmaßt Britt. „Aber die lagern hier gar nicht.“ Die Reparatur der Schäden am Schützenhaus, einem Bungalow, den Britt aus dem Ruhrpott in die Prignitz hatte holen lassen, blieb an den Vereinsmitgliedern hängen. Für Strom sorgt ein Aggregat, ein Toilettenwagen deckt den Sanitärbereich ab.

Eigens für die Jugend, für die das Schießen mit Kleinkaliberwaffen erst ab 14 Jahren und unter besonderer Aufsicht erlaubt ist, schafften die Schützen 2013 die Bogenausrüstung an. „Aber auch der Bogen ist eine Waffe“, mahnt Britt. Dennoch sei das Bogenschießen, das auf einer extra Bahn mit Rückwand und Fangnetz veranstaltet wird, für Kinder ein gutes Angebot.

Von Beate Vogel

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