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Schwalbenhimmel unterm Carportdach

Langnow Schwalbenhimmel unterm Carportdach

Rainer Boddin aus Langnow liebt Schwalben und er sammelt leidenschaftlich Auto-Radkappen. Einen ganzen Carport hat er mit den mittlerweile 685 Radzierblenden ausgestaltet. Die Schwalben auf seinem Grundstück finden den Standort attraktiv und haben ihre Nester in den Radkappen gebaut. Den Umzug aus Pritzwalk auf den väterlichen Hof hat er nie bereut.

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Wenn Rainer Boddin (l.) erzählt, wird es interessant und lustig, finden RBB-Redakteurin Gela Braun, Kameramann Manto Zillack und Tontechniker Thomas Warneke.

Quelle: Andreas König

Langnow. Wenn Rainer Boddin sein Auto scharf bremst, weiß Ehefrau Monika schon, was los ist. „Dann hat mein Mann bestimmt wieder eine Radkappe gesehen“, sagt sie in einer Mischung aus Stolz und gespielter Resignation. 685-mal wird der Rentner aus Langnow nicht gebremst haben für seine Radkappensammlung – exakt so viele Exponate umfasst diese mittlerweile. Es sind Allerweltsexemplare darunter aber auch Imitate von renntauglichen Stahl- und Alufelgen. Ein besonders großes Exemplar könnte gut und gern als Schild eines Ritters beim Mittelalterspektakel durchgehen. In Wirklichkeit ist der überdimensionale Diskus allerdings die Radkappe eines Omnibusses.

Leidenschaft für Radzierblenden wuchs über den Kopf

Rainer Boddin hat seine Leidenschaft für Radzierblenden – so lautet der technische Ausdruck – vor 17 Jahren entdeckt. „1999 war das, auf einem Parkplatz in Perleberg“ erzählt er „Ich habe dann immer geguckt, wo ich Radkappen finde, sie aufgehoben und mitgenommen.“ Die Sammlung wuchs ihm im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf. Ein neu gebauter Carport wurde zunächst mit Radkappen jedweder Herkunft geradezu tapeziert. Doch dann musste auch die Decke mit den Zierelementen dekoriert werden, und als auch das nicht mehr genügte, kam das Nebengelass an die Reihe.

Rainer Boddin vor seinem Wegweiserpfahl

Rainer Boddin vor seinem Wegweiserpfahl.

Quelle: Andreas König

„Anfangs sammelte ich nur so, später dachte ich mir, es wäre gut Fundort und -datum aufzuschreiben“, sagt Rainer Boddin. Entstanden ist auf diese Art ein Traditionskabinett der denkwürdigen Art. Zwischen alten Ortsschildern, Porträts verflossener großer Vorsitzender, zwischen Aufklebern und allerhand anderen Utensilien sind silbern schimmernde Landschaften an Wänden und Decken entstanden. Rainer Boddins Leidenschaft wird von gefiederten Gästen geteilt, wenn auch weniger unter ästhetischen Gesichtspunkten, denn aus Gründen der Arterhaltung.

Schwalben zogen ein

„Als ich den Carport so hergerichtet hatte, zogen Schwalben ein, Rauchschwalben, um genau zu sein“, sagt Rainer Boddin. Für den naturverbundenen Langnower an sich nichts ungewöhnliches, ist er mit Zugvögeln, speziell Rauch- und Mehlschwalben doch aufgewachsen. „Aber die Vögel haben ziemlichen Mist gemacht, so dass ich mein Auto zumindest im Sommer nicht mehr im Carport unterstellen kann“, erzählt Rainer Boddin.

Doch er machte aus der Not eine Tugend und band mehrere Radkappen zu schwebenden Nisthilfe zusammen. Auf den ersten Blick sehen sie aus, wie die lampengewordenen Designträume eines Autonarren, aber das hielt die Schwalben nicht davon ab, ihrem Brutgeschäft in den neuen Quartieren nachzugehen. „17 Rauchschwalbenpaare nisten derzeit bei uns auf dem Hof.“

RBB-Team dreht für Zibb-Beitrag

Von seinem ungewöhnlichen Hobby hat auch ein Drehteam des RBB-Fernsehens Wind bekommen. Autorin Gela Braun, Kameramann Manto Sillack und Tontechniker Thomas Warneke nicken einander jedes Mal vielsagend zu, wenn Rainer Boddin eine Anekdote zum Besten gibt oder einfach aus seinem Leben erzählt.

Wie er zu DDR-Zeiten mit seiner Frau und den Kindern glücklich in der Neubauwohnung in Pritzwalk gelebt hat. Wie er dann das väterliche Grundstück erbte und erst so gar nichts damit zu tun haben wollte. Wie dann die D-Mark kam und mit ihr höhere Mieten und auf einmal das Haus der Kindheit samt Grundstück doch attraktiv wurde. Und wie er heimisch wurde in der alten Heimat und sich jetzt kaum noch etwas schöneres vorstellen kann. Er zeigt den Fernsehleuten einen selbstgebauten Wegweiser mit vielen Schildern und Kilometerangaben von Orten, an denen er bislang war, oder die er noch sehen will. Ein Schild hat keine Entfernungsangabe. Darauf steht „Zum Glück“.

Hinweis: Der Ausstrahlungstermin für den Beitrag über die Sammelleidenschaft von Rainer Boddin steht noch nicht fest.

Von Andreas König

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