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Schwerer Ernte folgt schwere Bestellung

Schönhagen Schwerer Ernte folgt schwere Bestellung

Trotz des verregneten Sommers sind die meisten Prignitzer Bauern noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Das schätzt Landwirt Axel Liedtke aus Schönhagen ein, der Vorstandsmitglied im Kreisbauernverband ist. Dennoch ist nur ein Drittel der Ernte als Brotgetreide brauchbar. Noch mehr Sorge macht dem Landwirt die Wiederbestellung der Felder.

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Ziehen eine durchwachsene Bilanz der Erntesaison 2017: Landwirt Axel Liedtke (l.) aus Schönhagen mit Sohn Maximilian.

Quelle: Andreas König

Schönhagen. Es regnet gerade wieder, aber das sieht Axel Liedtke mit Wohlwollen. „Es war in den letzten tagen schon wieder fast zu trocken“, sagt der Landwirt, der den nach ihm benannten Hof in Schönhagen (Pritz­walk) bewirtschaftet.

Von zu großer Trockenheit – dem Dauerproblem der Landwirte in vergangenen Jahren – kann für den Sommer 2017 keine Rede sein.Tage-, ja wochenlanger Dauerregen überschwemmte Felder und Wege ja sogar über die Ufer tretende Flüsse, all das erschwerte in diesem Somer die Arbeit von Axel Liedtke und seinen Kollegen in der Prignitz.

Traktoren fuhren sich fest

„Es war sicher zu feucht, aber von einer völligen Missernte kann ich nicht sprechen“, sagt der Fachmann. „Die Ernteergebenisse bewegen sich im unteren Durchschnitt der vergangenen Jahre.“

Axel Liedtkes Enkelin Lene an dem  trotz Zwillingsrädern im Schlamm steckenden Mähdrescher

Axel Liedtkes Enkelin Lene an dem trotz Zwillingsrädern im Schlamm steckenden Mähdrescher.

Quelle: privat

Das Ergebnis mag Durchschnitt sein, der Kraftaufwand, der vonnöten war, um die Ernte vom Feld zu holen, war es nicht. „Vor allem als der starke Regen herunterkam, waren unglaubliche Anstrengungen gefragt, um überhaupt auf die Felder zu kommen“, erzählt Axel Liedtke. Die Traktoren fuhren sich fest, die Mähdrehscher kamen nicht weiter, das Getreide war vom Regen zu Boden gedrückt worden – Lagergetreide, nennen die Bauern diese Erscheinung.

Arbeitstage von bis zu 20 Stunden

Das alles führte dazu, dass die Landwirte der Region zunächst einen enormen Aufwand treiben mussten, um überhaupt zu ihren Schlägen zu gelangen. „Einige Landwirte haben Traktoren mit Ketten eingesetzt, wir haben uns dazu entschieden, Zwillingsräder auf den Mähdrescher aufzuziehen“, erklärt Axel Liedtke. Das hatte den Vorteil, dass die Auflagefläche beider Reifen sich vergrößerte, und der Mähdrescher nicht mehr so tief in den Boden einsank. „Der Nachteil war allerdings, dass die Fahrzeugbreite von regulär 3,47 auf 5,63 Meter anwuchs. Damit durften wir nicht mehr auf die Straße“, berichtet Axel Liedtke.

Keine Chance, dort wieder alleine rauszukommen

Keine Chance, dort wieder alleine rauszukommen.

Quelle: Privat

Den Mitarbeitern blieb nichts anderes übrig, als die Räder auf jedem Getreidefeld, zu dem der Mähdrescher verlegt wurde, neu aufzuziehen und abschließend wieder zu demontieren. 15 bis 20 Stunden dauert der Arbeitstag eines Landwirts und der Mitarbeiter in der Erntezeit. Das ist auch in normalen Jahren so. Doch die Frage ist, was man in dieser Zeit schafft. „Normalerweise schaffen wir 40 bis 50 Hektar am Tag, dieses Jahr waren es nur 15 bis 20 Hektar“, sagt Maximilian Liedtke. Der 19-Jährige macht sein Abitur, arbeitet aber im väterlichen Betrieb mit, wenn es die Zeit zulässt.

Hof hat zum Glück eine eigene Trockenanlage

Aber der Kraftakt begann. Wegen der Feuchtigkeit war die Ernte nicht nur schwieriger als sonst, auch die Qualität des Getreides litt darunter. „Wir bauen normalerweise nur Brotgetreide an“, sagt Axel Liedtke. „In diesem Jahr konnten wir nur ein Drittel der Ernte als Brotgetreide vermarkten. Der Rest ist Futtergetreide.“ Doch nicht einmal das war sofort brauchbar. „Wir mussten es zunächst trocknen.“ Zum Glück verfüge der Hof aber über eine eigene Trockenanlage. Wenn man das Gereide zu Trockenwerken bringt, kostet das einen Aufpreis, vom Transport ganz abgesehen.

Staatliche Hilfen sieht Axel Liedtke, der auch Mitglied im Vorstand des Kreisbauernverbandes ist, kritisch. „Die Bauern im Rhinluch hat es wirklich hart getroffen, da ist Hilfe angebracht. Aber bei uns sind wir noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.“

Preise für Brot werden nicht erhöht werden

Auf höheren Brot- und Mehlpreise müssen sich die Verbraucher Axel Liedtkes Überzeugung nach nicht einrichten. „Der Getreidepreis wird auf dem Weltmarkt bestimmt. Und in anderen Ländern war 2017 eine super Ernte“, sagt der Wahl-Schönhagener.

Während also die Ernte vom Acker ist, macht sich der Landwirt mehr Sorgen über die Wiederbestellung der Felder. „Der Boden ist noch immer ziemlich nass. Aber ich bin Optimist, wenn wir einen goldenen Herbst kriegen, wird doch noch alles gut.“

Von Andreas König

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