Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Prignitz Die guten Seifen von Groß Pankow
Lokales Prignitz Die guten Seifen von Groß Pankow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:49 26.02.2018
Meike und Bernadette Linden stellen auf ihrem Hof in Groß Pankow Seife her, die für Menschen und Tiere verwendet werden kann. Quelle: Fariba Nilchian
Anzeige
Groß Pankow

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Labor. Regale voller Plastikflaschen, merkwürdige Apparaturen, eine digitale Waage und kein Staubkörnchen, wohin man auch schaut. Doch statt filigraner Reagenzgläser werden hier schwere Gastronomiebehälter bewegt.

Eine Frau mit Plastikhandschuhen schüttet literweise Sonnenblumen-, Oliven- und Distelöl in eine große Schüssel. Dazu kommen Natronlauge, kleinere Dosierungen ätherischer Duftöle und schon wird das schmierige Gemisch mit geübtem Griff unter eine Rührapparatur gestellt. Bernadette Linden siedet seit dreizehn Jahren Seife aus Naturprodukten – heute eine Parasitenseife für Pferde.

Platz für eine Seifenküche

Die Seifenküche ist in einem Seitenflügel des Vierseithofes untergebracht, den die 56-Jährige vor zehn Jahren mit Tochter Meike bezogen hat. „Wir brauchten mehr Platz für unsere Pferde und für unsere Seifenproduktion“, erinnert sie sich an den Umzug aus Nordrhein-Westfalen in die Prignitz. „Früher hab ich das alles in einer Gartenhütte produziert, aber so hat Microsoft ja auch angefangen.“

Produkte ohne Palmöl

Bernadette und Meike Linden stellen Seifen aus pflanzlichen Naturprodukten her. Sie verzichten dabei auf den Einsatz des umstrittenen Palmöls. Unter dem Markennamen „Blickfang und Wohlgefühl“ bieten sie Seifen mit verschiedenen Anwendungsbereichen und aromatherapeutischen Wirkungen an. Mit der Produktlinie „Joveg“ vertreiben die beiden Frauen Seifen und Pflegeprodukte für Hunde und Pferde. Bei Hauterkrankungen und Allergien können die Naturprodukte die körpereigene Regeneration unterstützen. Das gesamte Sortiment ist online unter www.lindgrow.de zu finden. Telefonische Beratung sind wochentags von 9 bis 17 Uhr unter 033983/5 07 35 möglich.

Die gelernte Floristin und studierte Sozialarbeiterin Bernadette Linden besaß im Siegerland einen Blumenladen und war auf der Suche nach einem saisonunabhängigen Nebenverdienst. Die zündende Idee hatte ihre Tochter Meike eines Tages, „Mama, warum machst Du keine Seife?“.

Ungewöhnliches Konzept

Gesagt, getan. Die umtriebige Frau experimentierte mit verschiedenen Zutaten und verkaufte anfangs auch noch zugekaufte Seifen in ihrem Geschäft. Doch bald entwickelte die Tierfreundin ein Konzept, das viele Nachahmer finden sollte: Sie begann, Seifen für Tiere zu sieden. Für allergische Hunde und Pferde, für Tiere mit Ekzemen, Parasitenbefall oder auch nur zur Unterstützung der natürlichen Hautfunktion.

Seifenherstellung

Seifen werden aus pflanzlichen oder tierischen Fetten, Lauge und Duftstoffen hergestellt.

Als pflanzliche Fette werden oft Olivenöl, Kokosfett, Sojaöl oder auch Palmöl verwendet.

Bei den tierischen Fetten kommen Produkte aus der Tierverwertung wie Talg, Schmalz oder Fett aus Knochen zum Einsatz.

Das in Seifen enthaltene Glycerin wirkt fettend und pflegend auf die Haut.

In vielen industriellen Flüssigseifen ist Mikroplastik enthalten, das von Kläranlagen nur schwer zu filtern ist und die Natur und die Nahrungskette belastet.

Zum damaligen Zeitpunkt war diese Idee neu auf dem deutschen Markt. „Mir war klar, dass das mein Geschäft werden würde“, erzählt sie und spricht lächelnd von einem „Anschub durchs Universum“. Denn nur durch Zufall wurde wenig später eine große Pferdezeitschrift auf sie aufmerksam und veröffentlichte einen mehrseitigen Artikel über ihre ungewöhnlichen Produkte. Kurz darauf berichtete das Fernsehen und das junge Unternehmen kam schnell ins Rollen.

Umzug in die Prignitz

In diese berufliche Umbruchphase fiel die Trennung Bernadette Lindens von ihrem Mann. Den gemeinsam geplanten Umzug in die Prignitz machte sie dann allein mit ihrer Tochter Meike. Eine Herausforderung für die Mutter: „Ich musste mit den Seifen unseren Lebensunterhalt verdienen und der Hof blieb jahrelang eine Baustelle.“

Mittlerweile haben die beiden Frauen nicht nur ihren Vierseithof, sondern auch die Seifenproduktion ausgebaut. Die Mutter stellt die Pflegeprodukte her und die Tochter sorgt für die Vermarktung. Meike Linden hat sich online über einen Marketing Kurs speziell für ihren Geschäftsbereich weitergebildet. „Ich hab auch überlegt, ob ich ein Studium mache, aber für unser Nischenprodukt kann ich mich zuhause gezielter fortbilden.“

Weltweiter Verkauf über das Internet

Heute verkauft die 31-Jährige ihre zwei Produktlinien für Mensch und Tier weitgehend über das Internet. Die junge Frau pflegt die Homepage, schreibt den Newsletter, postet auf Facebook, macht die Kundenberatung und vermarket den Betrieb über Instagram – weltweit.

Die beiden Frauen sind Quer-, vielleicht auch Vordenkerinnen. Sie probieren und verwerfen – sie sind Unternehmerinnen im eigentlichen Sinn des Wortes. Ein Reit- und ein Ferienbetrieb auf ihrem Hof gehören schon der Vergangenheit an. Eine Schule für Stand-Up-Paddling betreibt Meike Linden noch neben ihrer Arbeit für die Seifenproduktion.

Produkte, die Sinn machen

Mutter und Tochter leben beide vegan, sie wollen nachhaltig wirtschaften und Produkte herstellen, die Sinn machen. „Bei uns wird nichts weggeworfen“, sagt Bernadette Linden, „aus den Resten machen wir am Ende noch Waschpulver für unseren Eigenbedarf“. Sie vermeiden bei ihren Einkäufen Verpackungen und nutzen wiederverwertbare Materialien für ihre eigenen Produkthüllen. Die Inhaltsstoffe ihrer Naturprodukte sind hundertprozentig vegan, ganz im Gegensatz zu normalen Seifen, „die aus verkochten Kadavern bestehen“, wie die Seifenköchin trocken erklärt.

Die Abgrenzung zu den großen Unternehmen der Branche ist den Frauen wichtig. „Wir wollen transparent sein“, betont Meike Linden: „Bei uns steht drauf, was drin ist und zwar auf deutsch, so dass man es lesen kann.“

Naturkosmetik boomt

Immer mehr Menschen achten bei Körperpflegeprodukten darauf, nicht die Umwelt zu belasten. Naturkosmetik ist in den vergangenen Jahren zu einem großen Geschäft geworden, einem Geschäft, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird. Kostspielige Zulassungen und Zertifikate machen es den kleinen Anbietern schwer, zu bestehen. „Inzwischen wird in der dritten und vierten Generation abgekupfert“, erzählt die Seifensiederin Bernadette Linden.

Doch nicht nur das – die Konzerne, die den Markt der Naturkosmetik beherrschen, versuchen kleinere Betriebe mit gezielten Angriffen hinauszudrängen. Kürzlich ist den Lindens eine Abmahnung zugegangen: Ein Seifenhersteller, der Drogeriemärkte beliefert, hatte einen Formfehler auf ihren Verpackungen entdeckt und mit rechtlichen Schritten gedroht. Eine Welle von Konsequenzen überrollte die Frauen daraufhin unvorbereitet, für einen Rechtsstreit waren sie nicht gewappnet. Hunderte von Verpackungen mussten neu etikettiert werden, Produkte wurden zurückgerufen, neue Texte geschrieben und gedruckt. „Das war, als ob wir eine neue Firma aufmachen würden“ erzählen sie nun einige Monate später.

1 Percent for the Planet

Doch die Individualistinnen geben nicht auf. „Wir haben ein schönes Produkt, das den Leuten hilft. Da macht es auch Spaß, das zu verbreiten.“ Vor kurzem haben sie sich der Initiative „1 Percent for the Planet“ angeschlossen und unterstützen den Umweltschutz mit einem Prozent ihres Umsatzes.

In der Seifenküche dreht sich der Mixer immer noch in der Seifenflüssigkeit. Bernadette Linden schüttet zügig einen großen Topf heisses geschmolzenes Kokosfett dazu, das nur noch wenige Runden mit gerührt wird, denn nun muss alles schnell gehen, bevor das Fett aushärtet. Die Seifenköchin gießt die flüssige Seife in lange Holzformen und glättet sie mit einem Spatel. 48 Stunden später kann die fertige Parasitenseife für Pferde gestürzt und geschnitten werden. Dann erhält jedes Stück noch einen Stempel, bevor es in seiner Recyclingverpackung die Manufaktur verlässt und über das Internet den Weg zu einem Kunden findet – von Groß Pankow irgendwo in die weite Welt.

Von Fariba Nilchian

Ein Verkehrsunfall an der Straße zwischen Vehlow und Wutike kostete in der vergangenen Woche ein Pferd das Leben. Der Halterin aus dem Ort bescheren die Vorgänge noch immer schlaflose Nächte. Sie ist sich keiner Schuld bewusst, obwohl der Bericht der Polizei anderes vermuten ließ.

26.02.2018
Prignitz Wittenberge (Prignitz) - BUND klagt gegen Ausbau der A14

Als ein unauflösbarer Streitpunkt beim Ausbau der A14 erweist sich die Elbquerung im Bereich Wittenberge und die Streckenführung durch angrenzende Naturschutzgebiete. Wie die Naturschutzorganisation BUND jetzt mitteilt, hat sie Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die A14-Planungen eingereicht.

22.02.2018

Der Zweite Weltkrieg ist zwar schon seit 73 Jahren zu Ende, seine Hinterlassenschaften haben aber noch spürbare Auswirkungen auf unseren heutigen Alltag. Auch in der Prignitz und Ruppin schlummern noch tonnenweise Kampfmittel im Boden. Werden sie entdeckt und müssen entschärft oder gesprengt werden, geht das auch mal mit Evakuierungen einher.

26.02.2018
Anzeige