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Selbst Luther war beim Pilgerfest

Bad Wilsnack Selbst Luther war beim Pilgerfest

Zum Pilgerfest nach Bad Wilsnack kamen am Sonnabend auch echte Pilger: Besucher, die von der Plattenburg bis nach Bad Wilsnack in den Stadtpark gegangen waren. Dort erwartete die mehr als 1000 Besucher ein mittelalterliches Spektakel, bei dem sich alles um das Wunderblut drehte und heftig gestritten wurde: Legende oder wahr?

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Zum Schluss wurde einträchtig auf der Bühne getanzt. Zuvor hatten sich im Pilgerstück Bischof und Luther auf der Bühne Saures gegeben.

Quelle: Kerstin Beck

Bad Wilsnack. Weit über 1000 Besucher hatte es am Samstag wieder zu dem alljährlichen Großereignis im Bad Wilsnacker Stadtpark verschlagen: Pilger, die wie jedes Jahr von der Plattenburg hierher gewandert waren, fast echte Pilger, die sich am Markt mit Kerzenziehen präsentierten und jede Menge Schaulustige, die sich an der Tombola beteiligten oder einfach „nur“ durch den mittelalterlichen Markt „pilgerten“.

Da gab es Kunsthandwerkliches wie Filz, Glaskunst, Kräuterseifen und mit Gesichtern bemalte „schlafende“ Steine; Pilgerzeichen konnten gegossen werden und geschlagen werden sogar der diesjährige „Prignitztaler“ der Sparkasse Prignitz. Die ehrenwerten Wilsnacker Bürgerinnen, angetan in Linnen, Samt und Seide, boten den Gästen allerlei zum Schmaus und Trank feil: Kuchen und Torten belegte Fladen, süffigen Wein, knusprige Waffeln und deftiges Schwein vom Spieß.

Ein fast echter Pilger war aus Wusterhausen mit seinen Kerzen gekommen

Ein fast echter Pilger war aus Wusterhausen mit seinen Kerzen gekommen.

Quelle: Kerstin Beck

Derart gestärkt ließen sich die Gäste nieder, um das Pilgerstück verfolgen zu können. Im Reformationsjubiläumsjahr trat natürlich der große Reformator Martin Luther auf, womit das Theaterstück eindeutig auf datiert werden konnte.

Und worum ging es diesmal? Natürlich um die Wunderhostien und darum, ob man ihnen denn überhaupt Glauben schenken dürfe.

Da gab es zum Beispiel den ziemlich aufsässigen Domherrn Tocke (Jochen Purps), der seinem Begleiter (Ramona Wickel) erzählte: „In einem günstigen Augenblick habe ich einige Seiten aus dem Mirakelbuch, welches in der Kirche verwahrt wird, ausgerissen ... Du wirst staunen, wie viele unglaubliche Lügengeschichten über Wunder darin stehen!“ Und da gab es die Befürworter, wie etwa den Kurfürsten (Christian Reishaus): „Es wird Zeit, dass wir uns eine neue Taktik zurechtlegen, um diesem Tocke und Konsorten zuvorzukommen, sie dürfen gar nicht erst die Möglichkeit bekommen, sich gegen unser Wunderblut zu äußern“, und Bischof (Lutz Bieck) gehört sowieso zu dieser Fraktion: „Da bin ich ganz bei Euch, Ich bin für hart durchgreifen. Ich wüsste auch schon, wie man Intrigen schmieden könnte!“

Luther wettert gegen das vermeintliche Wunderblut

Luther wettert gegen das vermeintliche Wunderblut. „Alles Quatsch“ und Aberglaube!“

Quelle: Kerstin Beck

Doch was ist das alles gegen diesen Revoluzzer und Mönch Martin Luther aus dem Erfurter Augustinerkloster, der von einer Fahrt nach Rom zurückgekehrt ist und erzählt: „Die Gottlosigkeit und Bosheit ist da so groß ... ein solches Gewürm rühmt sich dort als päpstlich, dass einem die Schamröte ins Gesicht kommt!“ Und nun brüllt der Herr in der schwarzen Kutte aus voller Kraft: „Die Machenschaften in eurem Wilsnack werde ich im Auge behalten ... eines Tages werde ich dafür Sorge tragen, dass die sogenannten Wundermittel vernichtet werden. Denkt an mich ... dann wird eine neue Lehre bei euch Einkehr halten und das alles hier wird brennen!“

Dicht besetzte Reihen im Bad Wilsnacker Kurpark beim Pilgerstück

Dicht besetzte Reihen im Bad Wilsnacker Kurpark beim Pilgerstück.

Quelle: Kerstin Beck

Natürlich wird der Störenfried vom Volke verjagt und es geht wieder gesittet zu: Jobst von Quitzow, der sich einst in lauen Nächten mit seiner Gänsemagd Adelhaid (Paula-Marie Winkler) vergnügt hat, woraus eine inzwischen vierjährige Tochter entstanden ist, gedenkt diese nun endlich zu heiraten. Natürlich kriegen sich die beiden zuletzt und sogar der Bischof (Lutz Bieck), muss seinen Segen zu der Heirat geben, denn schließlich weiß die Magd allzu viel über ihn. So heißt es denn zuletzt: „Jetzt wird gefeiert, alle sind eingeladen in Sophias Herberge.“ Gefeiert und getanzt wurde wirklich weiter - mit irischer Folk-Musik unter den Klängen der Prignitzer Band „Several Gents“.

Von Kerstin Beck

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