Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Seltene Esel auf Prignitzer Archehof

Vom Aussterben bedrohte Tierrassen in Mödlich Seltene Esel auf Prignitzer Archehof

Erstmals wurden auch Tierhalter in der Prignitzer Elbtalaue mit dem Prädikat Archehof ausgezeichnet. Auf dem Bauernhof in Mödlich bei Lenzen werden seltene, vom Aussterben bedrohte Großesel, Schafe und Schweine gehalten.

Voriger Artikel
Radloff neuer Bürgermeister in Groß Pankow
Nächster Artikel
Experimentierfreude am Grillrost wächst

Die Poitous gehören zu den gemütlichen Zeitgenossen.

Quelle: Michael Beeskow

Mödlich. Wer das Gehöft unmittelbar hinter dem Elbdeich betritt, bekommt bald das Gefühl von etwas Urtümlichen. Am Eingang hat der Gast vielleicht die Tafel Archehof gelesen, doch nun, da er eingetreten ist, ist ihm vollkommen klar, nur so kann ein Archehof aussehen – selbst wenn er keine Ahnung davon hat, welche Anforderungen mit dieser Bezeichnung verbunden sind.

Der alte Bauernhof in Mödlich, den Jeannette und Jens Neumann vor eineinhalb Jahren als Pächter übernahmen, darf sich seit wenigen Tagen Archehof nennen. Die Gesellschaft zur Erhaltung und Förderung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) hat die Auszeichnung erstmals an einen Hof in der Brandenburger Elbtalaue vergeben. Voraussetzung ist, dass mindestens drei vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gehalten werden.

Die beiden Tierfreunde sind eher zufällig zur Auszeichnung Archehof gekommen. Vor einigen Monaten wussten sie nicht einmal von diesem Prädikat. Alles fing mit einem Wunsch von Jeannette Neumann, die einfach einen Esel haben wollte. Für Jens Neumann war klar, dass es kein x-beliebiger Esel sein durfte. In Schleswig-Holstein verguckte er sich ein riesiges Zotteltier. „Und schon ist man drin“, sagt Jens Neumann.

Wie wird man eigentlich Archehof?

Das Prädikat Archehof wird von der Gesellschaft zur Erhaltung und Förderung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) vergeben. Ausgezeichnet werden besonders engagierte Tierhalter, die alte Rassen halten, die ansonsten ausgestorben wären.

Alte Haustierrassen bringen oft nicht die gewünschte hohe Leistung an Eiern, Wolle, Fleisch oder Milch. Sie eignen sich weniger für intensive Haltungsbedingungen und verschwinden so aus vielen Ställen.

Auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen der GEH stehen 100 Rassen, darunter das extrem bedrohte Glanrind, das stark gefährdete Original Braunvieh oder das gefährdete Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind.

Weil es in den Biosphäre-Regionen Niedersachsens und Mecklenburg-Vorpommerns über 180 Halter von vom Aussterben bedrohten oder seltenen Nutztierrassen und viele Archehöfe gibt, hat die GEH dieses Gebiet als Arche-Region Flusslandschaft Elbe ausgezeichnet. Im niedersächsischen Neuhaus entstand mit Unterstützung der Gemeinde und des Landkreises ein Archezentrum.

Der Erhalt des Erbgutes alter Tierrassen ist sehr wichtig. Sie sind oft an spezielle Klima- oder Umweltverhältnisse angepasst, so dass ihr Erbgut für den Umgang mit Klimaveränderungen noch sehr wertvoll sein kann.

Beide waren begeistert von diesen Tieren. Erst nach und nach wurde ihnen klar, auf welche Besonderheit sie gestoßen waren. Der aus Frankreich stammende Großesel der Rasse Poitou – der exakt als Baudet du Poitou bezeichnet wird – gehört zu den vom Aussterben bedrohten Tieren. Der Poitou steht auf Roten Liste der GEH und wurde einst vor allem in Südfrankreich gezüchtet. Er gilt als robustes Arbeitstier, als Spezialist für schwere Lasten. Mit dem Ende der Mauleselproduktion und der Mechanisierung der Feldarbeit verlor diese Rasse jedoch an Bedeutung.

Die Haltung des Hengstes, den sie sich zunächst kauften, erwies sich, als nicht so einfach. „Er ist nicht ganz ungefährlich“, stellte Jens Neumann fest. Sie lernten dazu und inzwischen besteht eine kleine Zucht aus fünf Stuten und zwei Wallachen. „Es sind einfach tolle Tiere“, schwärmen die Neumanns. „wenn man weiß, wie man mit ihnen umzugehen hat.“ Dem Außenstehenden kommen sie vielleicht etwas träge vor, aber auf jeden Fall sind es gemütliche Zeitgenossen.

Auf Kommando geht bei den Poitous nichts, sie schätzen aber all jene, die etwas Zeit mitbringen. Wer sich etwa wild gestikulierend am Gatter aufbaut, wird dort allein stehen bleiben. Wer jedoch Ruhe bewahrt, wird bald von ihnen aufgesucht. „Esel sind nicht stur“, ist Jeanette Neumann überzeugt. „Sie wägen nur genau ab, bevor sie sich in Bewegung setzen.“

Auf dem Archehof in Mödlich leben auch Kune-Kune-Schweine

Auf dem Archehof in Mödlich leben auch Kune-Kune-Schweine. Sie fühlen sich dort sauwohl.

Quelle: Michael Beeskow

Wenn Jeanette Neumann nach einem anstrengenden Tag in der Gärtnerei so richtig kaputt ist, geht sie zu ihren Poitous. „Nach einer halben Stunde geht es mir wieder gut“, hat sie festgestellt. „Sie wirken beruhigend.“

Dieses Gefühl möchten sie auch anderen vermitteln. Die Neumanns haben angefangen, kleine Touren anzubieten. So sieht man manchmal eine Gruppe von Kindern, die die riesigen Zotteltiere über den Deich führen. Es gibt auch Gepäcktouren mit einem Lagerfeuer in der abendlichen Elbtalaue und Übernachtung im Zelt. „Das ist etwas für Kinder, aber auch für Erwachsene“, erklärt Jens Neumann. Auch ein Arbeitsteam kann sich auf diese Weise mal eine ungewöhnliche Auszeit nehmen. „Das wäre sicher ein Event“, sagt er Neumann.

Aber natürlich verstehen sich die Neumann auch als Züchter. Die Poitous werden mittlerweile auch in Deutschland gezüchtet. 2015 gab es hierzulande rund 220 eingetragene Zuchtesel.

Neben den Zotteleseln leben auf dem Hof noch ganz andere Tier, die ebenfalls eine Augenweide sind. Unter den Schafen befinden sich auch Waliser Schwarznasen und dann gibt es noch die Kune-Kune-Schweine, deren eigentümliches Aussehen fast zum Lachen reizt. Auch diese beiden Tierrassen stehen auf der Roten Liste. Doch danach haben die beiden Tierfreunde sie nicht ausgesucht. „Wir sind danach gegangen, was uns gefällt“, berichtet Jeanette Neumann. Tiere mit Fell und urigen Aussehen sagte ihr zu.

Vielen Radfahrern und Wanderern auf dem Elbdeich dürfte es nicht anders gehen, wenn sie unwillkürlich Innehalten und die ungewöhnlichen Tiere bestaunen. So waren auch einem Mitarbeiter der GEH die vom aussterben bedrohten Tiere bei einem Elbspaziergang aufgefallen.

Von Michael Beeskow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg