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Prignitz Seltene Tierarten gefundenes Fressen für Waschbären
Lokales Prignitz Seltene Tierarten gefundenes Fressen für Waschbären
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10:25 06.05.2017
Harmloses Aussehen, aber kein Kuscheltier: Besonders für den Nachwuchs von Vögeln ist der Waschbär eine große Bedrohung. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Über das niedliche Gesicht und die tapsige Erscheinung sollten sich die Brandenburger nicht hinwegtäuschen lassen: Seit Jahren ist der Waschbär bundesweit, besonders aber in ihrem Bundesland sesshaft geworden, vermehrt sich rasant und entwickelt sich immer mehr zur Plage.

„Der Waschbär ist ein Allesfresser“, sagt Anja Kayser vom Vorstand des Landesfachausschusses Säugetierkunde. Weil er keine natürlichen Feinde habe, könne er sich ungestört weiter ausbreiten. Brandenburg sei für ihn ein ideales Gebiet, weil es nicht dicht besiedelt ist und viele Wald- und Wiesengebiete wenig genutzt werden. „Aber auch in Dörfern bekommt man mit ihm zu tun; er kommt in die Gärten, frisst das Obst von den Bäumen und ist mit seinen kleinen Pfoten sehr geschickt“, sagt Kayser.

„Der Bestand gewisser Niederwildarten geht durch den Waschbären zurück“

Die stetig wachsende Population nehmen auch Jäger mit Unmut wahr. „Man spürt und sieht, dass es immer mehr werden – wir beobachten sie auf unseren Wildkameras und bemerken, dass der Bestand gewisser Niederwildarten immer mehr zurückgeht“, sagt Tino Erstling vom Landesjagdverband Brandenburg. Waschbären fressen Eier von bedrohten Vogelarten, und weil der Waschbär klettern kann, ist er nicht nur eine Gefahr für Bodenbrüter.

„Der seltene Schwarzstorch, dessen Bestand mit großem Aufwand wieder hochgepäppelt wird, ist vom plündernden Waschbären bedroht.“ Genau wie der Uhu, die Wildente und die nur noch in zwei Gebieten Brandenburgs beheimatete Sumpfschildkröte. „An den Panzern der Tiere haben wir schon häufig Bissspuren des Waschbären gefunden“, sagt Erstling. Für Menschen sei er zwar nicht gefährlich, könne aber Räude auf Haustiere übertragen.

Der Mink könnte dem Otter Konkurrenz machen

Nicht nur dieser kleine Räuber treibt sich immer zahlreicher im Land herum: Auch Mink und Marderhund fühlen sich hier sichtbar wohl. Der Mink, der in Verhalten und Aussehen dem Otter sehr ähnlich ist, lebt in Wassernähe und ist mit Appetit auf Mäuse, Hasen, Frösche und Fische ein Fleischfresser.

Insbesondere in Schleswig-Holstein und im ostdeutschen Raum breitet sich das nachtaktive Tier mit starkem Aufwärtstrend aus. „Der Mink besetzt die Nische des Europäischen Nerzes, den es bei uns nicht mehr gibt“, sagt Anja Kayser. Dadurch könne sich zwischen ihm und dem Otter eine Konkurrenz ausbilden. „Der Mink ist ein konkurrenzstarkes Tier“, sagt die Expertin.

Waschbären vermehren sich rasant

Der ursprünglich aus Asien stammende Marderhund hat sich in Deutschland ebenfalls gut angepasst. Als Aas- und Allesfresser ist er, ähnlich wie der Dachs, mehr Sammler als aktiver Jäger. Auch Vogeleier zählen zu seiner Beute.

Doch nach wie vor bricht der Waschbär in seiner Vielzahl alle Rekorde: In 88 Prozent der Brandenburger Reviere hat er sich laut dem Wildtier-Informationssystem der Länder (WILD) festgesetzt und seit 2006 bis 2015 den Bestand deutschlandweit auf 43 Prozent aller Reviere ausgeweitet.

Tino Erstling plädiert für eine Anpassung der Schutzgebietsverordnungen aus den Neunziger Jahren, die die Jagd auf Waschbären in vielen Gebieten stark einschränken. „Damals gab es diese Probleme noch nicht“, erklärt Erstling.

Eine Änderung der Verordnung könne den Waschbären Rückzugsräume nehmen, aus denen heraus sie ihren Bestand immer wieder aufs Neue ausbreiten. Für die Fallenjagd seien die nachtaktiven Tiere prädestiniert. „Es sind einfach zu viele“, sagt Erstling.

Von Christina Koormann

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