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Prignitz Skepsis in Sadenbeck gegenüber Flüchtlingen
Lokales Prignitz Skepsis in Sadenbeck gegenüber Flüchtlingen
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00:36 25.09.2015
Der Leiter des Pritzwalker Polizeireviers, Frank-André Radloff, informierte bei der Einwohnerversammlung in Sadenbeck über Sicherheitsfragen. Quelle: Andreas König
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Sadenbeck

Angst, Vorurteile – und mitunter sogar offener Hass: Die Stimmung im Sadenbecker Dorfgemeinschaftshaus war explosiv, als dort am Montagabend über die Unterbringung von Asylbewerbern informiert wurde.

In dem Vorraum zur Turnhalle gab es keine Sitzplätze mehr. Fast 100 Einwohner und Besucher von außerhalb wollten hören, wer und was auf sie zukommt. Die zwölf Wohnungen in einem bislang leer stehenden Block in Sadenbeck sollen vom Landkreis Prignitz angemietet werden, um dort bis zum Jahresende „nach und nach etwa vier asylsuchende Personen pro Wohnung unterzubringen“, verkündete Christian Müller, der Erste Beigeordnete des Prignitzer Landrates. Das die Information darüber so kurzfristig bekanntgemacht wurde, führte Christian Müller auf den kurzfristigen Vertragsschluss zwischen der privaten Eigentümerin des Blocks und dem Kreis zurück. Der Landkreis habe erst kürzlich erfahren, dass die ursprünglich in Aussicht gestellte Zahl von Asylbewerbern für die Prignitz bereits dreimal Mal innerhalb des laufenden Jahres nach oben korrigiert worden sei. Nunmehr soll der Landkreis in diesem Jahr 904 Asylbewerber aufnehmen – davon werden bis Jahresende noch 460 Personen erwartet.

Zuvor hatte der Pritz­walker Bürgermeister Wolfgang Brockmann an die Hilfsbereitschaft der Sadenbecker appelliert. „Wir sehen es jeden Abend im Fernsehen, das Drama mit den Flüchtlingen nimmt kein Ende“, sagte Wolfgang Brockmann. Jedoch: „Wie viele Asylbewerber nimmt denn die Stadt Pritzwalk auf?“, wollten mehrere Anwesende wissen. „Derzeit haben wir fünf Wohnungen vermietet“, antwortete Bürgermeister Wolfgang Brockmann und erntete Gelächter und Zwischenrufe.

Immer wieder kam es zu Unterbrechungen

Die erste Schimpftirade des Abends unterbrach allerdings schon vorher die Ansprache von Christian Müller. „Das Land gibt einen Betreuungsschlüssel von einem Sozialarbeiter auf 120 Personen vor. Wir haben uns in der Prignitz auf 1:60 geeinigt“, sagte der Vize-Landrat, als einer der Anwesenden „Wir sind das Pack“ schrie. Es sollte nicht die letzte Unterbrechung werden. Immer wieder gab es Zwischenrufe und versuche, „Asylanten“ unter den Generalverdacht der Gewalttätigkeit zu stellen. So sagte einer der Wortführer, es sei in Meyenburg bereits zu Auseinandersetzungen zwischen den dort untergebrachten Asylbewerbern und der Bevölkerung gekommen. „Davon ist mir nichts bekannt“, entgegnete Ines Franke, die bei der Arbeiterwohlfahrt für Migration zuständig ist.

Einige Einwohner wiesen darauf hin, dass der betreffende Block im vergangenen Jahr noch abgerissen werden sollte. „Da ist Schimmel an den Wänden, wer soll denn da drin wohnen?“ fragte eine Frau. „Die Eigentümerin ist verpflichtet, die Wohnungen in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen“, erwiderte Christian Müller. Ein Einwohner fragte, wie es um die Sprachbarriere bestellt sei. „Derzeit versuchen wir, mit Hilfe unserer Kreisvolkshochschule Sprachkurse anzubieten“, sagte der Vize-Landrat.

„Gegen Familien mit Kindern haben wir ja gar nichts. Nur wenn hier 48 junge Männer auf einem Haufen untergebracht sind, das wäre ein Problem“, sagte ein Anwohner. Der Kreis solle sich dafür einsetzen, dass nur Familien nach Sadenbeck kommen, forderten andere Diskussionsteilnehmer. „Wir erhalten die Zuweisungen vom Land und haben keinen Einfluss darauf, wer kommt“, entgegnete Christian Müller.

Frank-André Radloff, der Leiter des Pritzwalker Polizeireviers, informierte darüber, dass ein Wachschutzunternehmen in Sadenbeck nach dem Rechten sehen und „Gefährdungen“ der Polizei melden werde. Mehrfach wollten Bürger wissen, wer für etwaige Schäden aufkomme, die „die Asylanten anrichten“. „Das ist eine zivilrechtliche Angelegenheit“, antwortete Christian Müller. Bürgermeister Brockmann appellierte: „Geben Sie doch diesen Menschen erst einmal eine Chance.“

Von Andreas König

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