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Prignitz So schmeckt das Abenteuer
Lokales Prignitz So schmeckt das Abenteuer
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02:17 16.07.2015
Köchin Marina Kißmann bereitet den Hirsebrei zu. Quelle: Fotos (5): Björn Wagener
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Freyenstein

Der Topf mit Hirsebrei hängt an einem Dreibein überm Feuer. Der Inhalt köchelt langsam vor sich hin. Rauchschwaden ziehen immer wieder vorbei und sorgen für ein ganz spezielles Aroma. Nur ein paar Schritte weiter lodert ein Feuer im Backofen und sorgt dafür, dass das Stockbrot langsam gar wird. Alles schmeckt nach Abenteuer an diesem Vormittag im Archäologischen Park in Freyenstein. Die Schüler der Grundschule am Weinberg aus Alt Ruppin sind soeben von ihrem Rundgang durch den Park zurückgekehrt, haben über die Headsets vom Fischer Bettelhering gehört und Einblicke ins mittelalterliche Leben erhalten. Jetzt spüren sie die Historie hautnah. Denn im Eingangsbereich des Parks lebt die Vergangenheit wieder auf. „Der Hirsebrei ist gekocht wie im Mittelalter. Es gibt kein Salz, zum Würzen nehmen wir ausschließlich Kräuter wie Majoran, Liebstöckel, Sellerie, Porree oder Zwiebeln“, sagt Köchin Marina Kißmann. Zuweilen hat sie auch Gemüsesuppe und Kamillen- oder Pfefferminztee im Angebot. Aber heute gibt es Hirsebrei.

Marina Kißmann gehört zur Wittstocker Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WBQG), die es den Schülern ermöglicht, die Vergangenheit ins Heute zu holen, zumindest für die Zeit des Aufenthaltes im Park. Wer noch etwas nachwürzen möchte, der kann sich aus dem Kräutergarten bedienen. Wie wäre es zum Beispiel mit Mairüben oder Rettich? Doch wer essen will, muss auch arbeiten. Deshalb zeigen einige Frauen der WBQG den Kindern alte Handwerkstechniken, etwa wie aus Flachs Stoffe entstehen oder wie gefilzt wird. Da heißt es nicht nur zuschauen, sondern auch selbst mitmachen. Unter Anleitung der Frauen entstehen so Bändchen oder Armreifen.

Bernd Tiedemann von der WBQG weiß vieles über den damaligen Getreideanbau. Mehrere alte Sorten sind auf dem angrenzenden Acker vertreten: Buchweizen, Einkorn, Zweikorn oder Roggen. Ganz wie zu Zeiten der Dreifelderwirtschaft werden nur zwei Drittel der Fläche bearbeitet, ein Drittel liegt brach, damit sich der Boden dort erholen kann. Wellig angelegte Wölbacker sollen zudem dafür sorgen, dass sich in den Senken die Feuchtigkeit länger hält. Bernd Tiedemanns Kollegin Bärbel Alpermann erklärt, weshalb Hochbeete angelegt wurden: „Damit die Ziegen nicht an sie herankamen, wenn sie von den Menschen während der Feldarbeit nicht beaufsichtigt werden konnten.“ Und Christine Neumann, die die Kinder zuvor übers Gelände führte, erklärt, woher das Sprichwort „einen Zahn zulegen kommt“ - nämlich von den Kerben oder Zähnen eines Hakens an denen der Topf über dem Feuer in verschiedenen Höhen eingehängt werden konnte. Wer einen Zahn zulegte, hing den Topf tiefer, sodass das Essen schneller kochte.

Solche und viele andere mittelalterliche Geschichten lernen immer mehr Besucher im Archäologischen Park Freyenstein kennen. Besonders Schulen entdecken ihn mehr und mehr für sich. „Der Ausflug nach Freyenstein hat sich angeboten, weil das Thema Mittelaler im Lehrplan steht und es den Schülern auf diese Weise ganz praktisch nahegebracht werden kann“, sagt Geschichtslehrerin Ines Krane. Aber der Park lockt inzwischen nicht nur junge Gäste an. „Wir hatten seit der Eröffnung am 1. April bis zum 30. Juni schon 900 Besucher“, sagt Christine Neumann. Allein im Juli hätten sich fünf Schulklassen und mehrere Reisegruppen mit 30 bis 50 Personen angemeldet.

Von Björn Wagener

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