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Prignitz Soldaten sichern Straße mit Stroh
Lokales Prignitz Soldaten sichern Straße mit Stroh
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19:29 09.06.2013
Soldaten überspannen die Quader mit Folie und beschweren sie mit Sandsäcken. 900 Meter Problemstrecke werden so für 10 000 Euro gesichert. Mit herkömmlichen Sandsäcken wär’s teurer.  Quelle: Andreas König
Wittenberge

Um fast einen Meter ist die Elbe zwischen Donnerstag und Freitag gestiegen. Das erhöht den Druck auf zivile wie uniformierte Deicharbeiter, aber das frühe Ausrufen des Katastrophenalarms schafft auch ein gewisses Zeitpolster.

Während die „Fehlstellen“ im Deich bei Sandkrug fast vollständig mit Sandsäcken ausgeglichen sind, kommt an der Kreisstraße zwischen Sandkrug und Bälow ein neues Verfahren zum Einsatz: Stroh statt Sand könnte man es nennen. „Diese Idee wurde hier in der Prignitz entwickelt“, sagt Dirk Günther, der Deichabschnittsleiter vom Landesumweltamt. Für die Kreisstraße, die zwischen Bälow und dem Wald in Richtung Sandkrug quasi eine Bucht bildet, sei diese Lösung die schnellste und zweckmäßigste. „In der Straßenkurve befindet sich der tiefste Punkt des Deiches“, erläutert der Fachmann. Wenn sonst inklusive des sogenannten Freibordes etwa acht Meter Deichhöhe herrschen, ist es dort deutlich weniger. Das Aufkaden, also Erhöhen des Deichs mit Sandsäcken, brächte nicht viel. Anders das Strohballenmodell. Ein solcher Quader misst zwei Meter in der Länge, einen Meter in der Tiefe und ist 70 Zentimeter hoch. Aneinander gestapelt sind so mit rund 450 Ballen die 900 Meter kritischer Straßenabschnitt zu überbrücken. Damit das ganze länger hält, wird es mit stabiler Folie überspannt und mit Sandsäcken beschwert. Das Stroh kommt aus Abbendorf und Karstädt. Insgesamt kostet der Abschnitt rund 10 000 Euro, was Landrat Hans Lange für „völlig in Ordnung“ hält. Eine Sandsackaufkadung käme teurer.

Unterdessen helfen Feuerwehrleute aus der Uckermark dabei, die Deichbaustelle zwischen Garsedow und Schadebeuster gegen das stetig steigende Hochwasser zu sichern. Auf 1700 Metern Länge muss der Deich ebenfalls mit Folie abgedeckt und mit Sandsäcken beschwert werden. Landseitig verstärkt eine Berme, also eine stufenförmige Aufschüttung, die Konstruktion. Dahinter befindet sich ein Erdwall, der in diesem Fall aber hinderlich ist, weil sich zwischen ihm und dem Deich das Wassers stauen würde. Schlitze im Abstand von 30 Metern sollen für Entlastung sorgen. Die Feuerwehrleute aus Boizenburg in der Uckermark waten im trüben Elbewasser, um die Folie zu beschweren. Ihre Kameraden lassen von oben Sandsäcke die glatte Böschung hinuntergleiten. Auf der planierten Deichkrone kann immer nur ein Fahrzeug verkehren. Wer vorwärts reinfährt, muss rückwärts raus. das gilt auch für das Verpflegungsauto von Lucullus. Mit großem Hallo begrüßen die Feuerwehrleute die Mittagsmahlzeit.

Im Schöpfwerk Karthane befestigen Sven Kossert von der Firma Strabag aus Lübben die letzten Big Bags. Das sind überdimensionale Sandsäcke, mit deren Hilfe das Schöpfwerk gegen das zu erwartende Hochwasser des Karthaner Sees geschützt werden soll. Wie nötig das ist, zeigt die Spundwand, die den Auslass für die gigantischen Pumpen umschließen soll. Nur noch ein paar Zentimeter gucken von der stählernen Konstruktion aus dem Wasser. Bald sind auch die verschwunden. Der Spreewälder und seine Kollegen wissen, dass sie die nächste Zeit als „Wächter“ im Schöpfwerk verbringen werden.

In Hinzdorf dichten Feuerwehrleute die Betonelemente an einem Grundstück ab. Die glänzende mobile Hochwasserschutzwand steht in seltsamem Kontrast zu den ockerfarbenen Jutesäcken. Die Fugen zwischen L-förmigen Betonelementen hingegen sind wegen des Einspruchs von Anwohnern nicht abgedichtet worden. Das wäre ein ideales Einfallstor für das steigende Wasser. Daher haben die Feuerwehrleute die Wand mit Bauvlies überzogen und gleichfalls mit Sandsäcken beschwert. Herrmann Kämling steigt in seiner Wathose ins brusthohe Uferwasser und beschwert das Vlies.

Mit der Arbeit können sich die Helfer ablenken von dem Gefühl der Ungewissheit. Wobei nicht fraglich ist, was kommt, sondern nur, wann und in welchem Ausmaß. (Von Andreas König)

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