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Sorge um den Landschaftspark

Hoppenrade Sorge um den Landschaftspark

Unbill von mehreren Seiten setzt dem Landschaftspark Hoppenrade zu: Die Brücken über den Cederbach sind marode, der Biber hat schon jetzt mehr als 40 Buchen geschädigt und schließlich haben die Stürme dieses Jahres dem bedeutendsten Park der Prignitz übel mitgespielt. Der Förderverein sieht den Erhalt des Parks als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

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Der Landschaftspark Hoppenrade lebt von seiner vielfältigen Vegetation und den Sichtachsen. Doch das Idyll ist bedroht.

Quelle: Michael Beeskow

Hoppenrade. Es ist schon nicht ganz einfach, den Ort Hoppenrade zu finden. Wenn man nicht aufpasst, ist man beim Passieren von Garz an der Bundesstraße 107 schnell an der ­Abfahrt nach Hoppenrade vorbeigerauscht. Der Abstecher lohnt sich allerdings. In Hoppenrade, einem ehemaligen Gutsdorf, befindet sich der bedeutendste Landschaftspark der Prignitz. 22 Hektar groß ist das Areal, das eine mit Bedacht angelegte Parklandschaft beheimatet. Doch die Idylle trügt.

Brücken müssen dringend erneuert werden

„Vor allem die Brücken müssten dringend erneuert werden“, sagt Ralf Haetzer vom Förderverein Landschaftspark Hoppenrade. Insgesamt noch fünf Brücken überspannenden den Cederbach und kleinere Gewässer. Doch ihr Zustand ist schlecht. Eine wurde bereits abgerissen, den anderen droht zumindest die Sperrung, wenn nicht bald etwas gegen die Fäulnis im Holz getan wird.

Gut erwirtschaftetet einst die Mittel für den Park

„Mit dem Landschaftspark Hoppenrade hat es seine eigene Bewandtnis“, sagt Ralf Haetzer. „Er braucht entweder eine wirtschaftliche Grundlage oder muss dauerhaft gefördert werden.“ Die wirtschaftliche Grundlage bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Nutzung der Familie von Freyer. „Mit der Landwirtschaft auf dem Gut erwirtschaftete die Familie die nötigen Finanzmittel, um den Park anzulegen, zu pflegen und zu erhalten“, sagt Ralf Haetzer. Angelegt wurde er unter der Leitung des bedeutenden Landschaftsgärtners Eduard Neide (1818 bis 1883), der unter anderem Direktor des Berliner T(h)iergartens und später königlicher Gartendirektor in Preußen war.

Zu DDR-Zeiten im Dornröschenschlaf

Zu DDR-Zeiten schliefen der Landschaftspark und das Gut einen Dornröschenschlaf. Nach der Wende übernahm das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) das Gutshaus und betreibt dort seitdem die Christophorusschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“. Der Landschaftspark wirkt zwar, als sei er eine Art riesiger Schulhof hinter dem symmetrisch geschwungenen Gutshaus, doch der Park ist frei zugänglich.

Park ist seit Sturm „Xavier“ gesperrt

Eigentlich, denn seit dem Sturm „Xavier“ am 5. Oktober dieses Jahres ist der Park wegen vieler umgestürzter Bäume gesperrt. „Wir haben noch nicht einmal eine Bestandsaufnahme machen können“, räumt Ralf Haetzer ein. Schon ein Sturm im Frühling dieses Jahres hat eines der Wahrzeichen des Parks, die Rotbuche, auch Kletterbuche genannt , mächtig gelitten. Zwei Äste waren heruntergebrochen, woraufhin die als dickster Baum seiner Art in Deutschland geltende Buche stark gekappt werden musste.

Biber schädigte über 40 Buchen

Während also noch nicht klar ist, in welchem Maße Sturm „Xavier“ den Park beschädigt hat, sind die Spuren, die der Biber hinterlassen hat schmerzlich und deutlich sichtbar. „2013/2014 hatte der Biber eine Buche stark angenagt“, sagt Ralf Haetzer „Ein Jahr später waren es dann 40. Die bisherigen Vorkehrungen zum Schutz vor dem Biber haben nicht viel genützt“, schätzt der gelernte Landschaftsgärtner ein. Allerdings hat der Biber gegenwärtig nichts mehr von sich hören oder sehen lassen. Doch selbst die als Schutz für die Bäume gedachten Maschendrahtzaun-Umhüllungen bereiten Probleme. „Wenn die nicht zurückgesetzt werden, wachsen sie ein und schädigen die Bäume ebenfalls“, sorgt sich Ralf Haetzer. Aus seiner Sicht und aus der des Fördervereins fehlt es an einer gestaltenden Kraft, die sich des Landschaftsparks annimmt, um ihn zu erhalten und weiterzuent­wickeln. „Das kann eigentlich nur die Gesellschaft als Ganzes leisten“, sagt Ralf Haetzer. Doch die Entwicklung der vergangenen Jahre macht ihm wenig Hoffnung, dass sich irgendwer so um den Park kümmert, wie er es verdient hätte.

Konzept ist da, aber die Mittel fehlen

„Wir haben zwar ein Konzept, aber keine Mittel es umzusetzen“, sagt der Plattenburger Bauamtsleiter Martin Nagel. Der Gemeinde gehört der überwiegende Teil des Parks. „Für wichtige Arbeiten müssten 243 000 Euro aufgewendet werden“, sagt Martin Nagel. „Und da sind die Brücken noch nicht einmal drin enthalten.“ Deren Sanierung könne man getrost mit 30 000 bis 40 000 Euro veranschlagen, vorausgesetzt, der Denkmalschutz verlang nicht noch aufwendigere Konstruktionen. Doch die Gemeinde Plattenburg ist nicht annähernd in der Lage, diese erheblichen Investitionen zu stemmen. „Es soll auch Gespräche mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geben, aber konkrete Zusagen gibt es auch nicht“, sagt Martin Nagel.

MAE-Kräfte hielten den Park in Schuss

Immerhin wolle man sich im Januar mit der unteren Naturschutz-, der Wasser- und der Denkmalschutzbehörde treffen, um die Sturmschäden aufzunehmen und zu beraten, wie sie eventuell behoben werden können. Doch selbst wenn das geschieht, steht noch immer die ungeklärte Frage der Pflege im Raum. „Bis vor vier fünf Jahren gab es immer noch MAE-Kräfte, die sich darum gekümmert haben“, erinnert sich Ralf Haetzer. Doch das ist lange her. Die Anwohner aus Hoppenarde und Garz trafen sich auch einmal zu einem Arbeitseinsatz, doch es müsste regelmäßig etwas an dem weiträumigen Areal getan werden, um den Park zu erhalten. Eine gewisse Hoffnung setzt Ralf Haetzer in mögliche Zusammenarbeit mit Universitäten oder Hochschulen. Auch der sehr viel kleinere Gutspark in Mesendorf war bereits Gegenstand einer Master-Arbeit.

Von Andreas König

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