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Spannung vor Neuanfang im ÖPNV

Perleberg Spannung vor Neuanfang im ÖPNV

Der Stichtag rückt näher: In knapp zwei Wochen werden sich Busnutzer in der Prignitz auf radikale Änderungen einstellen müssen. Das hatte schon im Vorfeld für viele Diskussionen gesorgt. Edelgard Schimko und Andreas Much, bei der Kreisverwaltung verantwortlich für das Thema, begründeten gegenüber der MAZ, weshalb sie manche Kritik für unberechtigt halten.

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Nur noch bis 1. August sieht es an den Haltestellen so aus.

Quelle: Atzenroth

Perleberg. Die Spannung steigt: Am 1. August wird im öffentlichen Personenahverkehr in Prignitz vieles anders werden. Zu diesem Stichtag wird es die bisherige Verkehrsgesellschaft Prignitz (VGP)), die als Dachorganisation für den ÖPNV im Kreis zuständig war, nicht mehr geben. An ihre Stelle tritt die Arbeitsgemeinschaft Prignitzbus, die in einer Ausschreibung den Zuschlag für die Aufgabe erhielt. Eine Folge ist, dass es ab dem 1. August einen komplett neuen Fahrplan gibt. „Wir müssen jetzt erstmal in Gang kommen“, sagt Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft/ÖPNV in der Perleberger Kreisverwaltung, „alle sind jetzt ganz angespannt.“ So sieht es auch seine Chefin Edelgard Schimko, Geschäftsbereichsleiterin II in der Prignitzer Kreisverwaltung. Dabei sei das erst der „Warm up“, denn erst ab dem 5. September zeige sich, wie gut der Fahrplan funktioniere. An diesem Tag ist Schulanfang, und der Schülerverkehr ist wichtigster Bestandteil des Busverkehrs in der Prignitz.

All dies hat zu heftigen Diskussionen in der Prignitz geführt, bis hin zur Gründung einer Elterninitiative, die sich für bessere Schülerbeförderungsbedingungen einsetzt. Es gibt viel Kritik daran, dass der einheimische Anbieter bei der Ausschreibung einer Verbindung zweier Unternehmen unterlegen war, die bislang vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt tätig sind – auch wenn diese einzelne Prignitzer Busbetriebe wie den in Pritz­walk als Subunternehmer haben.

Schimko: „Wir wollen nicht mehr Luft, sondern Fahrgäste befördern“

Grund für all dies: Die VGP dürfte nicht mehr weiter bestehen, weil sie nicht selbst Fahrgäste beförderte, sondern nur andere Unternehmen dafür einsetzte. Darum musste der Kreistag schon im Jahr 2014 ihre Auflösung und damit das Ende eines einst bewusst beschlossenen Modells beschließen. Damit verbunden war eine europaweite Neuausschreibung der Aufgaben mit klaren Kriterien und absolut gleicher Behandlung aller Bieter. Dafür wurde in einer Arbeitsgemeinschaft seit 2013 ein neuer Prignitzer Nahverkehrsplan erarbeitet. Dieser gehörten laut Schimko zwei Mitglieder des Kreistags sowie Vertreter des Deutschen Bahn, des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), zweier Busunternehmen, eines Eisenbahnuntenrehmens, des Schulverwaltungsamtes, der VGP und der Kreisverwaltung an. Die Leitung hatte ein Fachbüro.

Ausgangspunkt war eine Verkehrszählung von 2011 und 2012. Die 47 Buslinien im Kreis standen alle auf dem Prüfstand. Ergebnis laut Schimko: „Nur bei sieben Linien konnten wir davon ausgehen, dass wirklich Fahrgäste drauf sind.“ Man wolle aber „nicht mehr Luft, sondern Fahrgäste befördern“. Der Kreis müsse zudem die wirtschaftliche Situation im Auge haben. Schimko: „Seit zehn Jahren erhalten wir vom Land denselben Zuschuss – man kann aber angesichts steigender Kosten nicht erwarten, dass man alles so weiter finanzieren kann.“

Komplett neuer Fahrplan ist ein Ergebnis der Ausschreibung

Nach einem Dreivierteljahr sei der Nahverkehrsplan im Entwurf fertig gewesen. „Alle Kommunen konnten ihn kommentieren“, erklärte Schimko, „erst dann wurde er im Februar in den Kreisbauausschuss und dann in den Kreistag gegeben.“ Klar seien die Eckdaten. Parallelverkehr zwischen Bus und Bahn sei zu beseitigen, dafür die Vertaktung von beiden zu verbessern und die Schülerbeförderungssatzung sei einzuhalten. In dem Plan wurden sechs Hauptachsen festgelegt, auf denen die Busse stündlich verkehren sollten. Dazu kommen vier Regionalachsen. In Sachen Parallelverkehr gibt es nur eine Ausnahme: Die Strecke Perleberg-Wittenberge, auf der sowohl Bus als auch Bahn fahren, weil sie wirklich viel befahren ist. Much erklärte, dass der komplett neue Fahrplan Ergebnis der Ausschreibung ist. Wer sich daran beteiligte, hatte nur die Kriterien einzuhalten. Wie er das machte, war seine Sache. „Dass dabei etwas anderes herauskommt als mit der VGP, ist klar.“

Kritik daran, dass nunmehr Orte unter 150 Einwohnern nicht mehr vom Bus angefahren werden sollen, kontern Schimko und Much damit, dass auch schon jetzt Dörfer nicht angeschlossen seien. Immerhin seien einige betroffene Orte über den Schulbus am Netz. „Das ist angesichts von oft nur einem Fahrgast pro Woche zumutbar“, findet Schimko. Und: In der Ausschreibung war hier die Zahl 200 genannt worden, doch konnte die siegreiche Bietergemeinschaft im vorgegebenen Finanzrahmen alle Orte ab 150 Einwohner einbeziehen. Für die vier gar nicht angeschlossenen Orte werde nach Lösungen gesucht.

Much: „Die Busfahrer werden nicht Sächsisch sprechen.“

Auch in Sachen Schülerbeförderung weist Edelgard Schimko die Kritik zurück. Alle neuen Angebote bewegten sich innerhalb des zeitlichen Rahmens, den die Schülerbeförderungssatzung vorgebe. Prignitzbus habe bei der Planung die „Zeiten ausgenutzt“. Much: „Wo die Einhaltung der Vorgaben nicht möglich ist, gibt es Sonderbeförderung.“ Aber auch das sei nicht gänzlich neu. In den ersten Wochen werden Schulbegleiter in den Bussen mitfahren. Schimko: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kinder das ganz schnell in den Griff kriegen.“

Noch ist der neue Fahrplan nur vorläufig – die Landesbehörden müssen jede einzelne neue Buslinie noch genehmigen. Unter www.prignitzbus.de sind die Fahrpläne schon einzusehen. Etwa eine Woche vor dem Fahrplanwechsel am 1. August werden sie auch ausgehängt.Wer Fragen hat, kann sich auch künftig unter der gleichen Telefonnummer wie bisher an die alte Hauptzentrale der VGP in Perleberg wenden, teils sogar an die gleichen Ansprechpartner. Much dazu: „Prignitzbus hat Wert darauf gelegt, nicht alle bestehenden Strukturen zu zerschlagen.“ Das gilt auch für das Personal in den Bussen. Much: „Die Busfahrer werden nicht Sächsisch sprechen.“

Von Bernd Atzenroth

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