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Prignitz Das Skilager ist heiß begehrt
Lokales Prignitz Das Skilager ist heiß begehrt
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00:19 05.02.2018
Ohne Frühsport geht nichts: Die Teilnahme am Skilager ist für die Kinder aus der CJD-Förderschule Hoppenrade eine Auszeichnung. Sportlehrer Matthias Jesse (hinten Mitte) leitet an. Quelle: Privat
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Hoppenrade

Paul* kommt in den Raum. Sofort geht er zu Matthias Jesse und drückt ihn. Jetzt muss er erst mal ganz doll kuscheln. So wie Paul geht es vielen Kindern an der Christophorusschule des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands (CJD) in Hoppenrade. Es ist eine Ganztagsschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“. Lehrer wie Matthias Jesse sind für die geistig behinderten Kinder meist mehr als nur Lehrer: „Wir sind Helfer, Betreuer, Freund, Ersatz für Vater und Mutter ...“

Gemeinsam mit Heike Merten, der stellvertretenden Schulleiterin, und der Auszubildenden Luise Behrendt führt Jesse die Klasse Unterstufe/Mittelstufe UM 1 durch den Schulalltag. Im Unterricht werden Themen wie Uhrzeit, Jahreszeiten oder Wochentage behandelt. „Wichtig ist, dass die Kinder sich später im Leben und in der Gesellschaft orientieren und einfügen können“, erklärt Jesse. Die Kinder brauchen viel Liebe, Kuscheleinheiten und vor allem Struktur.

„Wir versuchen, auch schwierige Sachen umzusetzen“

„Die Stärken an der CJD-Christophorusschule Hoppenrade liegen in der Digitalisierung und bei den sportlichen Aktivitäten“, so Schulleiter Ulrich Resch. Die Schüler arbeiten im Unterricht mit Smart­boards und sind in Sport-Arbeitsgemeinschaften aktiv. „Wir versuchen, auch schwierige Sachen umzusetzen, um die Schülerzahlen anzuheben“, erklärt Resch. Dafür werde vom Lehrerkollegium und von den Betreuern auch zusätzliches Engagement gefordert.

Matthias Jesse ist Sportlehrer an der Chritophorusschule für behinderte Kinder in Hoppenrade. Quelle: Beate Vogel

Jede Klasse hat höchstens zehn Schüler. Jeder ist anders, beschreibt Lehrer Jesse. Das geistige Niveau der Kinder zwischen zwölf und 13 Jahren liege bei dem von Drei- bis Fünfjährigen. „Manche können bis fünf rechnen, andere bis 20“, sagt er. Die Lehrer machen praktisch zehn individuelle Unterrichtsvorbereitungen. Frontalunterricht geht gar nicht. Zudem sind die Kinder sehr emotional. „Ich merke schnell, wenn einer eine schlechte Nacht hatte.“ Doch wenn einer der Erwachsenen eine Ansage macht, wird nicht diskutiert – egal, von wem sie kommt.

Seit 2006 an der Förderschule als Lehrer tätig

An der CJD-Förderschule in Hoppenrade leben und lernen 90 Schülerinnen und Schüler in elf Klassen. Bald sollen es über 100 sein.

Matthias Jesse hat Kfz-Schlosser gelernt. Nach der Wende machte er Zivildienst in einer Förderschule für geistig Behinderte, danach in Brandenburg eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Drei Jahre arbeitete er mit schwer erziehbaren Jugendlichen in Falkensee.

In Hoppenrade war er zunächst als Betreuer tätig, machte aber parallel dazu eine dreijährige berufsbegleitende sonderpädagogische Ausbildung. Seit 2006 ist Jesse in der Christophorusschule als Lehrer tätig.

Jesse wird respektiert. Vielleicht auch deshalb, weil der 46-Jährige sich über seine Pflichtaufgaben hinaus engagiert. Sein Fachgebiet ist Sport. „Wir haben vereinbart, dass ich auch außerhalb des Unterrichts sportliche Angebote mache.“ Erst kürzlich hat Jesse die Schwimmlehrerprüfung abgelegt. Die Kinder sollen das Seepferdchen in Bronze und Silber machen können. Von September bis Dezember konnte er in zwei Kursen in Wittenberge acht Schüler zum Seepferdchen führen, drei schafften Bronze, eine Schülerin sogar Silber. „Wir fahren öfter nach Wittstock zum Wettkampf.“ Mit der dortigen Mosaikschule gebe es einen freundschaftlichen Austausch.

Das Fußballteam der Christophorusschule, das der 46-jährige Jesse trainiert, schaffte es bis zu den Regionalmeisterschaften. Dort messen sich die Hoppenrader mit Kindern und Jugendlichen aus Neuruppin, Neustadt, Wittstock. „Unser Team kann sich bis zu den Landesmeisterschaften qualifizieren.“ Bei den sportlichen Wettkämpfen gehe es laut Jesse aber nicht allein um den Sieg. „Es geht darum, dass die Schüler sich und die Schule präsentieren.“ Wenn sie auf dem Platz stehen, spüren sie den Druck. „Ich hatte schon supertolle Spieler, die hatten einen totalen Blackout.“

Erster Platz im Regionalfinale

Im Zweifelderball belegte die Mannschaft aus Hoppenrade beim Regionalfinale im Oktober in Zehdenick den 1. Platz unter den Klassen 5 bis 10. Im März soll es zum Landesfinale gehen. Das monatelange Training stärkt Persönlichkeit und Teamfähigkeit der Kinder. „Das Turnier ist der Abschluss, den brauchen sie auch.“ Jesse setzt die Teilnahme an den Wettbewerben gern als Belohnung, ja sogar als Druckmittel ein. „Wer sich nicht benehmen kann, darf nicht mit.“ Einmal habe er drei super Fußballer zuhause gelassen. Natürlich habe das Team verloren. Der 46-Jährige ist erfolgsorientiert, sagt er: „Aber um was geht es uns denn: um die Entwicklung unserer Schüler.“

Auch das alljährliche Skilager ist eine Belohnung. Jesse macht die Kinder schon im September heiß, sagt er. Die Plätze sind begehrt: Für eine Woche dürfen elf Schüler mit vier Betreuern nach Vitkovice im Riesengebirge fahren. Nach den Herbstferien werden die Elf nominiert. Dann üben sie beim Zähneputzen schon mal, die Oberschenkel in angewinkelter Haltung zu belasten. In der Pension bei Ilona Navratilova werden sie dann mit Knödeln, Gulasch und Palatschinken verwöhnt.

Nach den Ferien wird wieder trainiert

Die DVD mit dem Erinnerungsvideo von der jüngsten Reise vor zwei Wochen ist gerade fertig. Es zeigt, wie die Schüler auf der Piste mit Frühsport beginnen und später den kleinen Hang hinunterfahren. Sie strahlen. Und manchmal sehen sie ein bisschen geschafft aus. Nicht nur die Kinder, auch die Eltern seien dankbar für solche Angebote.

Jetzt fährt Jesse selbst erst mal in den Skiurlaub. Wenn er wiederkommt, geht es weiter mit den Sport-AGs – auf dem Minifußballfeld an der Schule oder in der Turnhalle in Lindenberg. Jesses großer Traum ist eine eigene Sporthalle für die Kinder in Hoppenrade.

* Name geändert

Von Beate Vogel

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