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Prignitz Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen für Schläger
Lokales Prignitz Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen für Schläger
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16:43 14.06.2017
Der Angeklagte Steve Sch. (28) in einer Besprechung mit seinem Anwalt. Er ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

In der Verhandlung um die drei Wittstocker, die sich seit dem 29. März wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Neuruppin verantworten müssen, ist die für diesen Dienstag geplante Urteilsverkündung auf Dienstag, 27. Juni, verschoben worden. Die Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger wurden bereits gehalten.

Die Angeklagten aus dem rechtsextremen Milieu, Marco S., Steve Sch. und Kevin B., sollen am Tag der Deutschen Einheit 2016 ihren Bekannten Dennis B. brutal zusammengeschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft forderte für Sch. eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren, für S. fünfeinhalb Jahre und für Kevin B. eine Haftstrafe von drei Jahren.

Zu Beginn des Verhandlungstages am Dienstag verlas der Sachverständige Jürgen Rimpel sein psychiatrisches Gutachten über Marco S., dem er keine Persönlichkeitsstörung, aber eine Störung des Sozialverhaltens diagnostizierte. Seine unter dem Durchschnitt liegende Intelligenz treffe zudem auf ein niedriges Bildungsniveau.

Der schon zu Schulzeiten verhaltensauffällige S. ist außerdem alkoholabhängig. Die am Tattag entnommene Blutprobe wies einen Alkoholgehalt auf, der auf 3,81 Promille zum Tatzeitpunkt schließen ließ.

Angeklagter macht widersprüchliche Aussagen

Ob sich der Angeklagte jedoch wirklich bei der Tat in einem Vollrausch befunden hatte, stellte der Gutachter in Frage, da S. alltäglich immense Mengen an Alkohol konsumiere und sich ein hoher Pegel nicht so schnell auswirke wie bei normal Konsumierenden. Widersprüchlich waren die Behauptung von S., sich aufgrund seiner Trunkenheit nicht an den Tathergang erinnern zu können, und seine dann folgenden Schilderungen, die Details des Tatabends enthielten.

Am Tag des gewalttätigen Angriffs waren die drei Angeklagten mit Dennis B. in der Wohnung von S., wo sie gemeinsam Alkohol konsumierten. Auslöser zu der Gewalttat war offenbar ein Anruf, in dem der Beschuldigte Steve Sch. darüber informiert worden war, dass das spätere Opfer seinen Bruder beleidigt habe. Daraufhin begann die Auseinandersetzung in der Wohnung, wo Dennis B. mehrfach getreten und geschlagen wurde, unter anderem mit einer Bierflasche, die auf seinem Kopf zerplatzte. In der Wohnung verlor er bereits viel Blut.

Kevin B. wohl eher der gefährlichen Körperverletzung schuldig

Die Schlägerei setzte sich auf offener Straße fort. S. will erst später dazugekommen sein, weil er noch den Wohnungsschlüssel holte. Augenzeugen berichteten, dass Sch. mehrmals auf den Kopf des Opfers eintrat. Der Angeklagte Kevin B. hatte sich von der brutalen Schlägerei auf der Straße distanziert, jedoch auch keine Hilfe gerufen, was Staatsanwältin Lindner in der Verhandlung negativ bewertete. Eine „Voicemail“, die Kevin B. noch aus der Wohnung über sein Mobiltelefon versendet hatte, legte zusätzlich dar, dass er in die Gewalttat in der Wohnung involviert gewesen sein muss.

B.’s Verteidiger sprach sich im Plädoyer für eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren aus, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle. Der bisher nicht einschlägig vorbestrafte B., gegen den der Haftbefehl bereits aufgehoben wurde, habe sich lediglich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Darüber hinaus reichten die Aussagen über B.s Beteiligung von S., der sich nur vermindert verbal ausdrücken könne, und dem Opfer, das schizophren und ebenfalls alkoholabhängig ist, nicht, um B.’s genaue Handlungen nachzuweisen. Für den Mandanten spreche auch, dass er geständig und erkennbar bemüht sei, den Prozess der Aufklärung zuzuführen.

Blut des Opfers an der Kleidung aller mutmaßlichen Täter gefunden

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann verlas aus dem Bundeszentralregister 19 Eintragungen, die Steve Sch. seit 2003 begangen hatte. Der mehrfach einschlägig Vorbestrafte musste bereits mehrere Haftstrafen absitzen. Sein Anwalt plädierte für eine strafbegleitende Therapie, um die Gefahr von weiteren Wiederholungstaten zu verringern.

„Man kann von Glück sagen, dass das Opfer noch lebt“, sagte Staatsanwältin Lindner. Dennis B. sei bei dem lebensgefährlichen Übergriff bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet worden, trage Narben und ein beschädigtes Auge davon. An der Kleidung aller mutmaßlichen Täter wurde Dennis B.’s Blut gefunden.

Von Christina Koormann

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