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Staatssekretär besucht Willkommensinitiative

Meyenburg Staatssekretär besucht Willkommensinitiative

Von den Problemen, die Flüchtlinge und ihre Familie bei der Eingliederung in Deutschland haben, erzählten in Meyenburg zwei Syrer und ein Afghane sowie Helferinnen der Willkommensinitiative beim Besuch von Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher. Er nahm bei dem Gespräch im Begegnungstreff viele Anregungen mit auf.

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Staatssekretär Thomas Drescher (l.) im Gespräch mit Naseer Ashari (r.) im Meyenburger Rathaus-Treff.

Quelle: Beate Vogel

Meyenburg. Durchaus kritische Töne hörte sich Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher am Mittwoch während seines Besuchs in Meyenburg an. Mitglieder der Willkommensinitiative, die im alten Rathaus eine Kleiderkammer und einen Begegnungstreff für Flüchtlinge anbieten, schilderten ihm alltägliche Probleme, die die Ausländer selbst, aber auch die Helferinnen haben. Zwar gibt es Programme, die bei der Integration der Neuankömmlinge helfen sollen. Doch sind diese in der Praxis nicht immer entsprechend umsetzbar. Die Sprachausbildung stellt dabei wohl eines der größten Probleme dar.

Andrea Reimitz stellte die Willkommensinitiative vor. Acht Meyenburger hatten die Gruppe im Mai 2015 gegründet, heute hat sie 27 Mitglieder. „Wir haben Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Pakistan und anderen Ländern im Alter von drei Wochen bis 74 Jahren.“ Zunächst trafen sich Flüchtlinge und Helfer für den Deutschunterricht im Evangelischen Gemeindehaus, später in der Schule. „Da lernten wir die Vorteile des Frontalunterrichts kennen“, so Andrea Reimitz.

Träger des Bürgerpreises Prignitz

Am 5. November 2015 eröffnete die Spendenkammer im alten Rathaus – zunächst in einem Raum im Erdgeschoss, später zog sie ins geräumigere Obergeschoss. Die Meyenburger Gruppe ist Preisträger des Bürgerpreises der Prignitz, den Landkreis und die Sparkasse Prignitz erstmals 2016 auslobten. Die letzten Flüchtlinge kamen übrigens im Mai 2016 nach Meyenburg. Ganz aktuell freuen sich Helfer und Flüchtlinge über die neue Küche im Rathaustreff: Sie konnte im Oktober dank der finanzieller Unterstützung des Landkreises und des „Bündnisses für Brandenburg“ eingebaut werden. Denn neben vielen anderen Aktivitäten wird im Treff gern gekocht. Demnächst ist dort Nikolausbacken angesagt.

Gruppenbild mit Staatssekretär

Gruppenbild mit Staatssekretär: Thomas Drescher (4.v.r.) besuchte den Rathaustreff in Meyenburg.

Quelle: Beate Vogel

Staatssekretär Drescher interessierte sich auch für die persönlichen Geschichten der Flüchtlinge. Der Syrer Ahmad Ezzawi, der erfolgreich den Deutschkurs absolviert hat, arbeitet jetzt in einem Minijob als Dolmetscher bei einer Behörde in Perleberg. „Jetzt möchte ich B 2 (Sprachkurs) machen – und danach eine Ausbildung.“ Sein Freund Anas Alfarhat sitzt dagegen Zuhause. Das frustriert ihn: „Ich warte auf Nachricht vom Jobcenter, damit ich ein Praktikum beginnen kann, im Landschaftsbau in Schönhagen.“ Jeden Tag hofft er auf Nachricht. „Er hat in Aleppo Landschaftsbau studiert, aber leider ohne Abschluss“, erklärt Ahmad Ezzawi. Die Flucht kam dazwischen. Anas Alfarhat möchte unbedingt weiter studieren: „Aber das ist sehr schwierig, und es ist teuer“, meint er.

Flüchtling zweiter Klasse

Naseer Ashari kommt aus Afghanistan. Er versteht nicht, warum es für ihn viel schwieriger als für die Syrer ist, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Die Bundesregierung hat zwar Afghanistan nicht offiziell als „sicheres Herkunftsland“ eingestuft. Doch fühlen sich afghanische Flüchtlinge beim Asylverfahren oft wie Antragsteller zweiter Klasse. So wie Naseer Ashari, der seit einem Jahr auf eine Entscheidung wartet. Er hängt in der Luft. Das frustriert ihn. „Vor allem, wenn man im Fernsehen jede Woche sieht, dass in der Heimat Bomben explodieren“, erzählt er mit Blick auf den Anschlag in der vergangenen Woche. Der Elektriker ist froh, mit seiner Familie in Deutschland zu sein, fühlt sich hier sicher. „Aber Zuhause den ganzen Tag schlafen – das ist langweilig. Ich möchte was zurückgeben.“ Solange sein Status ungeklärt ist, darf Naseer Ashari nicht arbeiten.

Auch in Kita und Schule zu Gast

In der Integrationskita „Eichhörnchen“ informierte sie Staatssekretär Thomas Drescher am Mittwoch über die Umsetzung des Landesprogramms „Sprachstandsfeststellung und kompensatorische Sprachförderung“ im Jahr vor der Einschulung.

Mit dem neuen Doppelhaushalt des Landes für 2017/18 soll auch ein Kita-Paket geschnürt werden: Knapp 70 Millionen Euro sollen in den Ausbau weiterer Kita-Plätze in Brandenburg fließen.

In der Meyenburger Geschwister-Scholl-Grundschule hospitierte der Bildungsstaatssekretär im Schulsport und überzeugte sich von der Integrationsarbeit.

Die Mitglieder der Willkommensinitiative Meyenburg bekommen diese Probleme hautnah mit. Helfen können sie nicht. Auch der Staatssekretär Thomas Drescher sowie Vize-Landrat Christian Müller können dem Afghanen kaum Hoffnung auf eine schnelle Bearbeitung seines Falles machen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist zuständig.

Um Sprachprobleme rasch zu beseitigen wünschen sich die Meyenburger Willkommensklassen. In denen würden die Flüchtlingskinder intensiv unterrichtet. „Die gibt es in ganz Brandenburg nicht“, so Drescher. Die Kinder würden sofort in reguläre Klassen integriert und bekämen sechs bis sieben Stunden in der Woche intensiven Deutschunterricht. Das klappe aber nicht immer, wenn Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse etwa dem Physikunterricht folgen sollen.

Das Geld ist da, genug Lehrer nicht

„Wir hatten eine Schülerin, die wurde in die 7. Klasse an der Oberschule in Pritzwalk eingeschult“, erzählt Ines Franke. Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt, die im Landkreis Prignitz mit der Betreuung der Flüchtlinge im Bereich Meyenburg beauftragt ist. „Sie erlebt jeden Tag ihr Versagen, weil sie im Unterricht die Sprache nicht versteht, ist frustriert und fängt an zu stören.“ Staatssekretär Drescher konnte sich nicht vorstellen, dass nach dem dreimonatigen Deutschkurs, den jeder Flüchtling in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt erhält, jemand die Sprache nicht versteht. Immerhin seien die Schulen für die Integration gewappnet, versicherte er: „Das Schulamt in Neuruppin ist ausreichend mit Geld ausgestattet.“ Schwierig sei nun, genug Lehrer für die Region zu finden.

Von Beate Vogel

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