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Stadt verzichtet auf die chemische Keule

Umweltfreundliche Unkrautbekämpfung in Pritzwalk Stadt verzichtet auf die chemische Keule

Existenzgründer Florian Schindler wollte eigentlich Photovoltaikanlagen mit Heißwasser reinigen – jetzt bekämpft er Unkraut an Straßen und Wegen. Die Stadt Pritzwalk will so den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln vermeiden.

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Existenzgründer Florian Schindler setzt einen speziell für seine Bedürfnisse hergerichteten Hochdruckreiniger ein, um Unkraut an Gehwegen und Bordsteinen zu bekämpfen

Quelle: Andreas König

Pritzwalk. Die kleine Dampffahne verrät, dass es gerade ziemlich ungemütlich sein dürfte für Wicke und Co. unter dem Wasserstrahl. Florian Schindler fährt mit der Wasserlanze seines Hochdruckreinigers über den Gehwegrand.

Schon eine halbe Stunde später lässt das Gras die Halme hängen, erinnert ein wenig an gekochten Blattspinat. Florian Schindler ist im Auftrag der Stadt Pritzwalk unterwegs, um mit Heißwasser das Unkraut an Straßen, Wegen und auf Plätzen zu beseitigen. „Wir haben uns schon im vergangenen Jahr überlegt, wie wir den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln vermeiden können“, sagt Peter Kniesel vom Bauhof der Stadt.

Die Chemikalien gelangen in die Umwelt

„Die Chemikalien gelangen in die Umwelt, ins Wasser, wo sie wer weiß ,welche Nebenwirkungen hervorrufen können“, sagt Peter Kniesel. Er recherchierte nach einer Alternative und wurde bei der Unkrautvernichtung mit Heißwasser fündig. „Dabei werden die Eiweißbestandteile der Zelle erhitzt und sterben ab“, erklärt der Sachbearbeiter aus dem Fachgebiet Straßenwesen, Grünanlagen und Friedhofswesen, Gartenbau.

Die Stadt suchte jemanden, der die entsprechende Technik besitzt, und sie wurde bei Florian Schindler fündig. „Eigentlich wollte ich die professionelle Reinigung von Photovoltaikanlagen anbieten“, sagte der 38-Jährige, „aber da hält sich der Bedarf derzeit noch in Grenzen.“

Das Pflanzenschutzmittellager kann abgeschafft werden

Stattdessen ist der Pritzwalker jetzt an Straßen, Wegen und Plätzen dabei, den unerwünschten Bewuchs verhältnismäßig schonend zu entfernen. „Man muss sich das ein wenig so vorstellen wie bei einer Zahnwurzel“, erklärt Florian Schindler. „Das heiße Wasser erreicht die Wurzeln der Pflanze und lässt sie mitsamt der Wurzel absterben.“ Nach wenigen Tagen werden die solcherart hitzebehandelten Pflanzen gelb und braun. „Wir schicken dann Mitarbeiter hinterher, die das Unkraut abschlagen“, erklärt Peter Kniesel. Neben den positiven Aspekten für die Umwelt hat die Umstellung auf Heißwasser auch wirtschaftliche Vorteile. „Pflanzenschutzmittel haben ihren Preis und außerdem wurden die Auflagen immer strenger“, sagt Peter Kniesel. Den Ausschlag habe die Diskussion um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat gegeben. „Auch unser Pflanzenschutzmittellager im Bauhof werden wir wohl abschaffen“, blickt Peter Kniesel voraus. Wenn es jedoch darum geht, Unkraut aus Kulturpflanzenbeständen zu entfernen, ist künftig das Jäten per Hand angesagt.

Zwar müsse man beim Tempo der Wirkung ein paar Abstriche machen, aber dafür könne man guten Gewissens sagen, die Umwelt nicht so stark belastet zu haben. „Wir bitten die Bürger um Verständnis, dass das Unkraut nicht sofort verschwindet, aber wir kümmern uns darum“, sagt Peter Kniesel.

Die Sicherheitsbestimmungen waren ohnehin hoch

Seines Wissens ist Pritzwalk derzeit die einzige Stadt in der Region, die auf den Einsatz der chemischen Keule verzichtet. Das hat übrigens auch Konsequenzen für die Struktur des Bauhofs. „Wir haben ja dort ein Pflanzenschutzlager, das wir wahrscheinlich nicht mehr benötigen“, erklärt Peter Kniesel. Die Sicherheitsbestimmungen waren ohnehin hoch, man brauchte mindestens ein Sachkundenachweis. Zudem verschärften sich die Vorschriften beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln derart, dass immer wieder neue Vorkehrungen für die sachgemäße Lagerung zu treffen waren.

Ein Vorteil des Einsatzes chemischer Mittel war deren spezifische Wirkung. Sie machen das Unkraut platt, lassen andere Pflanzen jedoch unversehrt. „Man kann auch mit Heißwasser nur bestimmte Pflanzen behandeln“, sagt Florian Schindler. Er arbeite an einer Umsetzung.

Mit 98 Grad Celsius bis in die Wurzeln

Die Temperatur des Heißwassers bei der Unkrautbekämpfung beträgt bei dessen Austritt 98 Grad Celsius. Das genügt, um die Pflanzeneiweiße zum Denaturieren (Gerinnen) zu bringen.

Der Hersteller des Gerätes, mit dem Florian Schindler arbeitet, wählt die Temperatur knapp unter der Dampfgrenze, um das heiße Wasser bis an die Wurzeln der Pflanzen gelangen zu lassen.

Aufgebracht wird das Wasser mit einem Spezialaufsatz für einen dieselbetriebenen Hochdruckreiniger, eine sogenannte Lanze.

 

Von Andreas König

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