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Stadtverordnete schockiert über Wehr-Abriss

Putlitz Stadtverordnete schockiert über Wehr-Abriss

Für den ungehinderten Fischzug in der Stepenitz ist das Wehr in Putlitz das letzte Hindernis. Das Landesumweltamt will es durch eine Sohlgleite ersetzen. Stadtverordnete kritisieren, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden und es eigentlich gar keine Variantenwahl gebe.

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Nicht mehr in Betrieb ist das Wehr. Die Klappe wurde bereits abgesenkt. Eine Sohlgleite soll sie ersetzen.

Quelle: Michael Beeskow

Putlitz. Die Enttäuschung war allen anzumerken. Noch einmal befasste sich am Mittwochabend die Putlitzer Stadtverordneteversammlung mit dem Stepenitz-Wehr. Die Abrisspläne des Landesumweltamtes sind zwar seit einiger Zeit bekannt, doch bestand vor der Sitzung die Hoffnung, noch zu einer günstigen Lösung für die Stadt zu kommen. In der Einwohnerfragestunde stellte Bernd Knacke anhand einer selbst verfertigten Skizze eine Alternative vor.

Um die Spepenitz für Fische an dieser Stelle durchlässig zu machen, sollte das alte Mühlenwehr – als ein Seitenarm der Stepenitz – zu einer Fischtreppe ausgebaut werden. Dann könne die Wehranlage erhalten bleiben, die nach dem Willen des Landesumweltamtes durch eine Sohlgleite ersetzt werden soll. Bernd Knacke meinte, schon jetzt, nachdem die Wehrklappe abgesenkt wurde, sei der Wasserspiegel oberhalb des Wehres um mehr als einen Meter gesunken, schon jetzt seien durch die Grundwasserabsenkung Schäden an Gebäuden etwa Risse in der Kirche entstanden. Er befürchtet, eine weitere deutliche Grundwasserabsenkung, wenn das Wehr ganz verschwindet und durch eine einfache Sohlgleite ersetzt wird. „Wenn die Pläne umgesetzt werden, geht ein Stück Attraktivität für Putlitz verloren“, sagte er.

Auch das Haus mit der Wehrsteuerung wird abgerissen

Auch das Haus mit der Wehrsteuerung wird abgerissen.

Quelle: Michael Beeskow

Die Bilder, die anschließend zu sehen waren, scheinen dies zu bestätigen. Jens Thormann vom Landesumweltamt und Projektplaner Holger Ellmann stellten das Vorhaben vor. Damit die Stepenitz ein nicht zu starkes Gefälle bekommt, ist eine lang gestreckte Sohlgleite geplant. Über 160 Meter wird sie sich erstrecken. Das Flussbett wird trapezförmig ausgelegt, sodass selbst bei Niedrigwasser in der verbleibenden Rinne der Wasserstand 40 Zentimeter erreicht. „Nicht nur der Lachs soll dort aufsteigen können“, erklärte Holger Ellmann. Angesichts der Beispielbilder zeigten sich die Stadtverordneten schockiert: „Das sieht ja aus wie ein Kanal“ oder „Das wird eine Schotterwüste“, äußerten sie.

Wehrbetrieb ist ausgeschlossen

Jens Thormann wies auf die Bedeutung des Vorhabens für das Landesumweltamt hin. Ziel sei die Durchlässigkeit der Flüsse für den Fischzug. „Das Wehr ist die letzte Barriere, in der für den Naturschutz so wichtigen Stepenitz.“ Er stellte vier Varianten vor, wie diese Durchlässigkeit erreicht werden kann. Doch aus naturschutzfachlicher Sicht räumte er nur der Sohlgleite eine Chance auf eine Genehmigung durch die Obere Wasserbehörde ein. Eine Wiederinbetriebnahme des Wehres schloss er aus. „Es liegt kein gültiges Staurecht vor.“

Bürgermeister Bernd Dannemann kritisierte: „Das ist kein Variantenvergleich, wenn ich sage, nur die eine Variante ist genehmigungsfähig.“ Der Bürgermeister sagte, früher habe es auf dem Mühlenteich immer Schwäne und auch andere Vögel gegeben. Davon sei nichts mehr zu sehen. Es dürfe nicht nur um Fische gehen.

Amtsdirektor Hergen Reker erkundigte sich nach dem weiteren Vorgehen. In diesem Jahr soll die Planung fertig werden. Der Planfeststellungsbeschluss könnte Ende 2017 vorliegen und damit wäre der Weg frei für das Vorhaben.

Die Stadtverordneten zeigten sich über die ganze Veranstaltung verärgert, da es kein Mitspracherecht gibt. Bernd Dannemann stellte fest: „Unser Handlungsspielraum geht gegen Null.“

Von Michael Beeskow

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