Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Stallpflicht für Geflügel

Perleberg Stallpflicht für Geflügel

Geflügel muss in der Prignitz und auch im Nachbarlandkreis Ostprignitz-Ruppin ab sofort im Stall bleiben. Grund ist die Vogelgrippe, die bereits im Norden Deutschlands aufgetreten ist und deren Übergreifen auf andere Bestände verhindert werden soll. Das Veterinäramt empfiehlt sogar zusätzliche vorbeugende Maßnahmen.

Voriger Artikel
Personalwechsel beim Förderverein
Nächster Artikel
Erpresser muss ins Gefängnis

Dithmarscher Gänse bei der Agrargenossenschaft Bendelin. Die Tiere sind bereits zur Schlachtung abtransportiert worden, ehe die Stallpflicht in Kraft trat.

Quelle: Andreas König

Perleberg. Stallpflicht für jede Art von Geflügel – damit will der Landkreis Prignitz ein Ausbreiten der Geflügelpest verhindern. Die sogenannte Tierseuchenallgemeinverfügung tritt mit Wirkung vom heutigen Mittwoch in Kraft, wie Frank Stubenrauch von der Pressestelle des Landkreises Prignitz mitteilt. „Wer Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten oder Gänse (Geflügel) besitzt, hat diese entweder in geschlossenen Ställen zu halten oder unter einer Schutzvorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung sowie einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss“, heißt es in der Verfügung des Veterinäramtes.

Jeglicher Kontakt mit Wildvögeln soll vermieden werden

Zudem ruft Amtstierärztin Sabine Kramer alle Geflügelhalter dazu auf, die vorbeugenden Maßnahmen strikt einzuhalten. Dazu gehört, beim Betreten von Ställen mindestens das Schuhwerk zu wechseln und Desinfektionswannen oder -matten zu nutzen. Futter, Einstreu und Geräte, mit denen Geflügel in Berührung kommen kann, müssen so aufbewahrt werden, dass Wildvögel nicht in Kontakt damit kommen. Gleiches gilt für das Wasser, mit dem Geflügel getränkt wird.

Der Landkreis setzt damit eine Anordnung des brandenburgischen Verbraucherschutzministeriums vom vergangenen Freitag um. In mehreren Bundesländern, darunter Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind Wildvögel am hochansteckenden Vogelgrippe-Virus H5N8 verendet. Am Wochenende ist das Virus bereits in ersten Hausgeflügelbeständen nachgewiesen worden.

Karsten Krüger

Karsten Krüger

Quelle: Andreas König

„Unsere 2200 Gänse sind gerade am vergangenen Freitag vom Hof gebracht worden“, sagt Karsten Krüger, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Bendelin (Gemeinde Plattenburg). Damit hatte der Betrieb bereits zum zweiten Mal riesengroßes Glück. Die Dithmarscher Qualitätsgänse müssen im Freiland gehalten werden. „Eine Stallpflicht hätte uns vor große Probleme gestellt“, sagt Karsten Krüger. So aber sei der gesamte Bestand dieses Jahres – insgesamt 4800 Gänse – auf den Weg zu den Kunden gebracht worden. Bereits 2013 war der Kelch eines Geflügelpestausbruchs an den Bendelinern und ihren Gänsen vorübergegangen.

Masthähnchen nicht in Gefahr

Dass er davon verschont bleibt, hofft auch Frank Schmidt von der Firma Hähnchen-Mast Sükow aus dem gleichnamigen Perleberger Ortsteil. „Auf den ersten Blick sind unserer Tiere nicht in Gefahr, denn sie sind ja im Stall“, sagt der Unternehmer. Die Anlage mit den 65 000 Masthähnchen unterliege ohnehin strengen Hygienebestimmungen, wozu unter anderem Seuchenschutzmatten mit Desinfektionsmittel gehören. „Aber da gibt es ja noch die privaten Geflügelhalter“, sagt Frank Schmidt. „Ich kann nur hoffen, dass die mit den jetzt verhängten Bestimmungen nicht so lax umgehen.“ In der Nachbarschaft beobachte er Geflügelhalter, die sich schon bei früheren Aufstallungsgeboten nicht an die Regeln gehalten hätten.

„Doch die Gefahr kann auch von Wildvögeln ausgehen“, sagt Frank Schmidt. „Wenn sich beispielsweise eine Krähe auf unseren Abluftkamin niederlässt und den Erreger mit dem Kot überträgt, kann man wenig machen.“ Daher würden die Betsände jetzt besonders sorgfältig kontrolliert, um Auffälligkeiten festzustellen und darauf zu reagieren. Frank Schmidt hofft, dass der Landkreis kein Transportverbot für Geflügel aussprechen muss. „Ich erwarte demnächst eine Lieferung von 2500 Legehennen. „Die sind noch nicht das Problem“, sagt der Sükower Unternehmer. „Aber wenn die Masthähnchen nicht abtransportiert werden dürfen und auch die Ställe nicht verlassen dürfen, würden sie stärker zunehmen, als es die Richtlinien erlauben.“

Vor allem Biolandwirte haben Sorgen

Frank Pawlowski, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz warnt davor, die Vogelgrippe auf die leichte Schulter zu nehmen. „Das ist eine ernst zu nehmenden Krankheit. Jeder, der mit Geflügel zu tun hat, muss die Anordnungen befolgen, sonst riskiert er empfindliche Geldstrafen“, sagt der Chef der Agrargenossenschaft Karstädt. Wegen der Haltungsbedingungen würde die Geflügelpest vor allem Landwirte bedrohen, die auf biologische Erzeugung, also auf Freilandhaltung, setzen. „Das trifft in der Prignitz auf die wenigsten Betriebe zu, aber in Ostprignitz-Ruppin gibt es einige solcher Betriebe“, sagt er. Dort gilt ebenfalls ab sofort die Stallpflicht.

Von Andreas König

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg