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Prignitz Startbahn ins Dorf
Lokales Prignitz Startbahn ins Dorf
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00:17 15.07.2016
Die letzten Daunen der Gänse werden vom Sommerwind zerzaust, bald ist das Federkleid der Tiere vollständig. Quelle: Claudia Bihler
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Halenbeck

In manchen Jahren laufen in fast allen Gärten in Halenbeck Gänse in den Gärten, in manchen weniger. Aber in jedem Jahr tummelt sich auf der weitläufigen Grasfläche bei Familie Gütte eine Gänseschar, das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Wie lange er Gänse hält, weiß Erhard Gütte nicht mehr so genau: „Ich habe schon zu DDR-Zeiten immer welche gemästet.“ Damals noch unter ein wenig veränderten Bedingungen: „Früher habe ich sie ja noch selbst aus Eiern herangezogen, aber heute kaufe ich die Jungtiere vom Geflügel-Laster, der in Halenbeck Stopp macht.“

Gerade mal so groß waren die Tiere, als Erhard Gütte sie übernahm. Quelle: Claudia Bihler

Güttes Tochter Carmen Schröder erinnert sich noch gut an die Zeiten, als die ersten Küken, die geschlüpft sind, noch so lange am heimischen Ofen ihren Platz gefunden haben, bis alle Jungtiere geschlüpft waren: „Die wollten es ja warm haben.“ Am liebsten mag die Tochter die Jungtiere dann, wenn sie noch ihr volles Daunenkleid haben, aber nur ein paar Zentimeter groß sind. Die Tiere, die jetzt auf der grünen Wiese grasen, sind bereits etwas älter: Noch ist ihr Federkleid unvollständig, auf dem Kopf zerzaust der Wind die letzten Daunen. Die Jungtiere betreiben intensive Federpflege: Erst wird gefressen, dann gebadet und schließlich mit dem Schnabel die losen Daunen herausgekämmt. Früher hat Elisabeth Gütte die Daunen noch verwertet: „Aber alles schaff ich heute in meinem Alter auch nicht mehr.“

Nach dem Bad werden die Flügel ausgeschüttelt und im Wind getrocknet. Quelle: Claudia Bihler

Fünf Wochen ist es her, dass die Tiere auf dem Hof der Güttes angekommen sind. „Gerade mal so groß waren sie, als ich sie bekommen habe“, sagt Erhard Gütte und misst mit den Händen einen Abstand von etwa 30 Zentimetern aus. Sie folgen ihrem Besitzer auf Schritt und Tritt, und sorgen mitunter für einiges Spektakel. Nur Besucher werden argwöhnisch beäugt, Und sie bewachen ihre Weide. „Die sind gefährlicher als ein Hund“, hat ein Nachbar mal zu Erhard Gütte gesagt. Vor allem die Ganter warnen denjenigen, der sich ihnen nähert mit einem Fauchen. Ohnehin sind die hübschen weißen Vögel recht agil und auch recht flugtüchtig: „Im Sommer ziehe ich einen Zaun quer über die Wiese, damit die Startbahn nicht so lang ist“, sagt der Gänsehalter schmunzelnd: „Ab und zu musste ich schon mal ein Tier aus dem Dorf zurückholen.“ Noch sind die Stimmen hoch und nicht allzu laut. „Das mag ich viel lieber als die Stimmen der erwachsenen Tiere“, sagt die Hausherrin.

Mitunter spendiert Elisabeth Gütte ein Toastbrot als Snack. Quelle: Claudia Bihler

Fast ausschließlich Gras fressen die Tiere, abends gibt es eine Handvoll Schrot. Sobald der Mais reif ist, freuen sich die Tiere über Kolben zum Zupfen. Und ab und zu spendiert Elisabeth Gütte ein Toastbrot, über das sich die Gänse mit Genuss hermachen und in Windeseile vertilgen. Durchschnittlich sieben Kilogramm schwer sind die Tiere Ende Oktober, Das Rekordgewicht der Gänse im vergangenen Jahr lag bei rund neun Kilogramm – über das halbe Jahr, in dem sie bei den Güttes gefüttert werden, bauen die Tiere nicht nur kräftige Schenkel, sondern auch eine dicke Fettschicht auf. Ende Oktober ist die Weidesaison für die Gänseschar beendet. Als Fleisch- und Fettspender werden sie für den Eigenverbrauch über die Winterzeit geschlachtet. Elisabeth Gütte kocht Schmalz, weil ihr Mann das gerne isst, einige wenige Tiere bekommt die Verwandtschaft. Die Gänsebrust wird geräuchert, die Keulen kommen geschmort auf den Tisch. „Flächenmäßig könnte ich viel mehr Gänse halten“, sagt Gütte: „Aber für uns reicht diese Zahl.“

Von Claudia Bihler

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