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Prignitz Stasi – bis heute nicht damit abgeschlossen
Lokales Prignitz Stasi – bis heute nicht damit abgeschlossen
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00:27 28.03.2018
Stasi-Akten im Stasi-Archiv in Berlin: Viele Bürger, die zu DDR-Zeiten politisch verfolgt wurden, haben das bis heute nicht verarbeitet. Quelle: dpa
Bad Wilsnack

Fast 30 Jahre nach dem Fall der deutsch-deutschen Grenze haben Menschen noch immer nicht ihre persönlichen Erlebnisse mit der sowjetischen Besatzung und der DDR aufgearbeitet. Viele Betroffene wissen nicht, wie sie mit dem Erlebten umgehen sollen, erzählt Petra Morawe, Referentin für Rehabilitierung und Entschädigung bei der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. „Sprechen oder Schweigen – das ist für viele schon das Grundproblem“, sagt sie.

Petra Morawe gehört zu den Mitarbeitern, die Beratungen für politisch Verfolgte anbieten – im Büro in Potsdam, aber auch in großen und kleinen Städten im ganzen Land.

Immer noch Anträge auf Akteneinsicht

Am Dienstag, 27. März, sind die Mitarbeiter der Landesbeauftragten von 14 bis 18 Uhr im Bad Wilsnacker Rathaus im Beratungsraum im Keller, wo sie mit interessierten Betroffenen Einzelgespräche führen. Angesprochen sind Bürger, die unter den politischen Zuständen damals gelitten haben und durch das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit oder SED-Parteiorgane in ihren Rechten verletzt worden sind. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

„In der Regel kommen zu solchen Terminen sechs bis zehn Menschen“, so Petra Morawes Erfahrungen. Die meisten wollen einen Antrag auf Akteneinsicht in ihre Stasi-Unterlagen stellen oder Leistungsansprüche zur Rehabilitierung von SED-Unrecht geltend machen.

Gespräche mit Vertrauenspersonen

Die Berater helfen etwa bei der Suche nach personenbezogenen Unterlagen, die die politische Verfolgung oder den rechtsstaatswidrigen Eingriff in das Leben des Einzelnen dokumentieren, bei der Anerkennung verfolgungsbedingter Gesundheitsschäden, bei der Vermittlung psychosozialer Beratungs- und Hilfsangebote, bei der Umsetzung von Ansprüchen Hinterbliebener von Verfolgten.

„Es gibt aber auch Menschen, die suchen das Gespräch mit jemandem, zu dem sie Vertrauen haben können“, erzählt die Referentin. Vor allem ältere Bürger nutzen das, um reflektieren zu können und um am Lebensabend Erlebnisse aufzuarbeiten, die sie mit keinem aus ihrem familiären Umfeld bereden wollen oder können.

Im Ruhestand ist Zeit zum Rekapitulieren

„Das ist in vielen Familien ein Problem, dass die ältere Generation ihre Geschichte weitergibt“, weiß Petra Morawe. „Viele haben es nicht geschafft, darüber zu reden.“ Dabei sei das oft eine große Belastung für die Menschen – und eine schwierige Entscheidung. Solange sie im stressigen Familien- und Berufsleben standen, seien laut Petra Morawe diese Altlasten verdrängt worden. Im Ruhestand tauchen dann Unklarheiten aus der Vergangenheit wieder auf. „Die will man aber vielleicht nicht der Ehefrau oder den Kindern erzählen.“ Dabei merken die Betroffenen beim Nachdenken über das Erlebte, dass es sie vielleicht zu einer anderen Person gemacht hat.

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle können mitunter als Außenstehende helfen. „Wir können ihnen Vorschläge machen, wie sie damit umgehen oder ihre persönliche Geschichte besser bewältigen können“, erklärt die Beraterin. Dabei gehe es darum, die Ressourcen der Gesprächspartner zu nutzen, um ihnen einen besseren oder leichteren Umgang mit dem Erlebten zu ermöglichen.

Menschliches Klima ist bei dem Thema wichtig

Manchmal werden die Mitarbeiterinnen der Landesbeauftragten auch auf den Plan gerufen, wenn es um Überprüfungsverfahren in Kommunalparlamenten geht – vor allem nach Wahlen. Dabei gehe es auch um Menschen, die sich durch die Tatsache, dass sie als IM gearbeitet haben, schlecht gefühlt haben.

„Uns geht es nicht darum, eine Kluft in der Gesellschaft aufzubauen. Es muss ein menschliches Klima bleiben.“ Wichtig sei dabei eine gewisse Offenheit, sagt Petra Morawe. „Man sollte immer ins Gespräch kommen können“, wünscht sich die Beraterin.

Behörden-Mitarbeiter bereisen das gesamte Land

Drei Mitarbeiterinnen stehen für die regelmäßigen Beratungen im Büro in Postdam zur Verfügung. Ab und zu machen sie auch Hausbesuche, erzählt Petra Morawe: „Die Betroffenen werden ja immer älter und sind immer weniger mobil.“Da seien die Kapazitäten begrenzt.

Etwa alle zwei Jahre kommen die Berater in eine Region. Wenn sie jetzt in Bad Wilsnack sind, wird es sie so schnell erst mal nicht wieder in diese Ecke verschlagen, erklärt Petra Morawe und zählt auf, wo die nächsten Beratungen geplant sind: Storkow, Zehdenick, Zossen, Bad Liebenwerda. „Wir waren ja auch schon in Pritzwalk, Wittenberge oder in Perleberg im Dokumentationszentrum“, erzählt sie.

Auch im Nachbarlandkreis Ostprignitz-Ruppin sind die Berater regelmäßig unterwegs. Der nächste Termin in der Region ist übrigens am 10. April in Wittstock. Dort können sich die Bürger von 14 bis 18 Uhr in der Stadtbibliothek einfinden.

Von Beate Vogel

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